Depression und ErnÀhrung: Weniger Fertigprodukte, deutlich niedrigere MADRS-Werte
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 07:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deErnĂ€hrungsmuster rĂŒcken zunehmend in den Fokus der psychiatrischen Forschung. Eine am 23. September 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Pilotstudie der University of California, San Francisco (UCSF) liefert neue Erkenntnisse ĂŒber den Zusammenhang zwischen stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln und dem Verlauf depressiver Erkrankungen.
Die Daten deuten darauf hin, dass eine gezielte Reduktion sogenannter ultraverarbeiteter Lebensmittel (UPF) das seelische Befinden von Betroffenen bereits nach wenigen Wochen spĂŒrbar verbessern könnte.
Deutliche Effekte in vierwöchiger Interventionsphase
In der randomisierten Crossover-Studie der UCSF untersuchten Forschende 20 Erwachsene mit Depressionen ĂŒber zwei unterschiedliche Phasen von jeweils vier Wochen: eine Phase mit gewohnter ErnĂ€hrung und eine Phase mit stark reduziertem Verzehr von Fertigprodukten.
Insgesamt 19 Teilnehmende schlossen die Untersuchung ab. In der Interventionsphase sank der Konsum ultraverarbeiteter Nahrungsmittel im Mittel um mehr als 85 Prozent, was sich im DiĂ€tfragebogen in einem RĂŒckgang von etwa 10 auf 1,4 widerspiegelte.
Die Depressionswerte der Probanden verbesserten sich auf allen drei erfassten Skalen nach der UPF-armen Phase deutlicher als nach der Phase mit gewohnter ErnĂ€hrung. Auf der Montgomery-Ă sberg Depression Rating Scale (MADRS) lag der Wert nach der reduzierten Zufuhr industrieller Produkte im Mittel bei 8, verglichen mit 19 nach der ĂŒblichen ErnĂ€hrungsweise.
Auf einer standardisierten 27-Punkte-Depressionsskala sank der Wert von einem Ausgangswert von 12,8 auf 5,5 in der Interventionsphase, wÀhrend er nach der Vergleichsphase bei 8,7 lag.
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Auf einer bis zu 60 Punkten reichenden klinischen Skala fiel der Wert von anfĂ€nglich 22 auf 8 gegenĂŒber 19 unter gewohnter ErnĂ€hrung. Zudem wurden niedrigere Angstwerte und keine schĂ€dlichen Nebenwirkungen verzeichnet.
Das Forschungsteam der UCSF ordnet die Ergebnisse jedoch vorsichtig ein: Die Erfassung der Stimmung war ein exploratives Ergebnis, die Stichprobe ist klein, nicht verblindet und stĂŒtzt sich auf selbstberichtete ErnĂ€hrungsangaben. Kausale ZusammenhĂ€nge lassen sich daraus noch nicht ableiten. Um die Mechanismen zu ĂŒberprĂŒfen, plant das Institut gröĂere Folgestudien; die nĂ€chste Studienphase soll 2028 beginnen.
ErnÀhrungspsychiatrie als ergÀnzender Ansatz
Die Ergebnisse fĂŒgen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein. Das Food and Mood Centre der australischen Deakin University stellte in zwei gröĂeren Untersuchungen fest, dass fachlich begleitete Anpassungen von ErnĂ€hrung und Bewegung depressive Symptome Ă€hnlich wirksam lindern konnten wie rein psychologische UnterstĂŒtzung.
In der australischen HARMON-E-Studie wird dieser Ansatz derzeit direkt mit kognitiver Verhaltenstherapie durch klinische Psychologen verglichen; die Ergebnisse wurden beim British Medical Journal zur PrĂŒfung eingereicht.
Fachleute des Zentrums betonen allerdings, dass ErnĂ€hrungsumstellungen kein Ersatz fĂŒr etablierte Psychotherapien oder Psychopharmaka sind. Empfohlen wird eine pflanzenreiche Kost mit wenigen Industrieprodukten sowie fermentierten Lebensmitteln.
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Gleichzeitig offenbaren globale Erhebungen Bildungsdefizite im Gesundheitssystem: Weniger als 1 Prozent der FachkrĂ€fte fĂŒhlt sich in ErnĂ€hrungsfragen ausreichend qualifiziert, wĂ€hrend junge Menschen in LĂ€ndern wie den USA, GroĂbritannien und Australien im Schnitt sieben Portionen Junkfood tĂ€glich konsumieren.
Die Rolle von Mikrobiom und sozialem Umfeld
Neben den biologischen Mechanismen â etwa dem Einfluss von Ballaststoffen auf das Darmmikrobiom â gewinnt die soziale Dimension der Nahrungsaufnahme an Bedeutung.
Forschende der HebrÀischen UniversitÀt Jerusalem und des Sheba Medical Centers beobachteten in Science Advances, dass gemeinsames Essen mit vertrauten Menschen physiologische Reaktionen wie den Blutzuckeranstieg dÀmpfen und Stress reduzieren kann.
Ein umfassender therapeutischer Ansatz in der ErnĂ€hrungspsychiatrie erfordert daher kĂŒnftig sowohl den Blick auf die Inhaltsstoffe als auch auf das soziale Umfeld der Mahlzeiten.
