Wasserstoff-Leck: Nasa muss bemannten Mondflug verschieben
04.02.2026 - 04:51:30Mehr als fĂŒnf Jahrzehnte nach der letzten Apollo-Mission will die Nasa wieder Astronauten in Richtung Mond schicken. Doch der Zeitplan dafĂŒr gerĂ€t ins Rutschen: Nach Problemen bei der Generalprobe muss der ursprĂŒnglich fĂŒr kommende Woche geplante Start von «Artemis 2» verschoben werden. «Wir streben nun MĂ€rz als frĂŒhestmöglichen Starttermin an», teilte Nasa-Chef Jared Isaacman nach dem Test auf der Plattform X mit.Â
Bei der Mission soll es nicht um eine Landung auf dem Mond gehen. Stattdessen sollen wĂ€hrend des knapp zehntĂ€gigen Flugs Lebenserhaltungssysteme und andere entscheidende Komponenten der Kapsel getestet werden. In einigen Jahren sollen dann bemannte Mondlandungen folgen â im Gegensatz zu den Apollo-Programmen der 1960er- und 1970er-Jahre dieses Mal in der SĂŒdpolregion des Mondes und fĂŒr lĂ€ngere ZeitrĂ€ume.Â
Probleme beim Betanken der Rakete
Die Generalprobe, das sogenannte «Wet Dress Rehearsal», fand am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida statt. Dabei wurden in einem mehrstĂŒndigen Prozess sĂ€mtliche AblĂ€ufe durchgespielt â darunter das Betanken der Rakete mit tiefkaltem flĂŒssigem Sauerstoff und Wasserstoff, ein vollstĂ€ndiger Countdown mit geplanten Haltepunkten sowie das kontrollierte Abbrechen und erneute Hochfahren der Startsequenz bei technischen Problemen oder ungĂŒnstigen Wetterbedingungen.Â
Beim Betanken der Schwerlastrakete «Space Launch System» seien im Rahmen des Tests Wasserstoff-Lecks aufgetreten, erklĂ€rte die Nasa im Anschluss bei einer Pressekonferenz. Man habe den Vorgang mehrmals unterbrechen mĂŒssen, auch Nachjustierungen hĂ€tten nicht geholfen. SchlieĂlich habe man den Countdown gestoppt. Wasserstoff ist ein hochentzĂŒndlicher und deshalb gefĂ€hrlicher Stoff.Â
Zudem habe sich die KĂ€lte auf einige Kameras ausgewirkt und die AudioĂŒbertragung vom Boden aus sei zeitweise ausgefallen, erklĂ€rte die Nasa. «Wir haben absolut damit gerechnet, auf Herausforderungen zu stoĂen», schrieb Isaacman. Es gehe bei solchen Tests darum, Probleme zu entdecken, um sie vor dem Starttag lösen zu können.Â
Nicht zum ersten Mal Wasserstoff-Lecks
Allerdings hatten solche Lecks auch schon vor drei Jahren den Erstflug derselben Rakete monatelang verzögert. Danach wurden verschiedene Verbesserungen beim Design gemacht. «Ehrlich gesagt, es hat uns diesmal ĂŒberrascht», sagte John Honeycutt aus dem Missionsmanagement am Dienstag.Â
Amit Kshatriya, stellvertretender Nasa-Administrator, betonte, das Raketensystem sei ein «experimentelles» Fahrzeug, bei dem noch viele Lehren zu ziehen seien. «Jede Rakete ist einzigartig», genau wie jeder Flug zum Mond immer einzigartig sein werde. Ziel mĂŒsse es langfristig sein, die Test- und Flugrate zu erhöhen, um schneller zu lernen.
Neuer Starttermin bislang nicht klar
Jetzt soll die Ursache der Lecks geprĂŒft werden. «Wenn man mit Wasserstoff arbeitet, hat man es mit einem sehr kleinen, hochenergetischen MolekĂŒl zu tun â genau deshalb nutzen wir ihn. Und wir tun wirklich unser Bestes», erklĂ€rte Honeycutt. Ein konkreter neuer Starttermin sollte erst nach Auswertung aller Testdaten festgelegt werden. Eine mindestens einmonatige Verschiebung soll dem Startteam aber Zeit geben, rechtzeitig eine neue Generalprobe durchzufĂŒhren.Â
Es gibt pro Monat nur wenige Zeitfenster, um Astronauten um den Mond zu schicken. So mĂŒssen unter anderem Erde, Mond und Raumschiff eine passende Ausrichtung zueinander haben. Das aktuelle Startfenster fĂŒr «Artemis 2» reicht insgesamt bis in den April. Nasa geht davon aus, dass Anpassungen schnell umgesetzt werden können. Reparaturen an verformten oder beschĂ€digten Dichtungen oder anderen Bauteilen als möglicher Grund fĂŒr die Lecks könnten wahrscheinlich direkt an der Startrampe erfolgen, hieĂ es.
Die Crew der Mission â die vier Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen - nahm nicht aktiv an dem Bodentest teil. Sie befanden sich seit Tagen in vorbereitender QuarantĂ€ne in Texas, konnten diese aber wegen des verschobenen Starts wieder verlassen. Zwei Wochen vor dem nĂ€chsten Startversuch werden sie erneut in QuarantĂ€ne gehen.





