Frauen bei Krebsvorsorge und -behandlung im Nachteil
27.09.2023 - 12:52:39Frauen sind nach zahlreichen Studien weltweit in der Krebsvorsorge, -diagnose und -behandlung gegenĂŒber MĂ€nnern im Nachteil. Eine neue Kommission will das Ă€ndern. Die «Lancet Kommission Frauen, Macht und Krebs» stellte sich diese Woche in der Fachzeitschrift «The Lancet Global Health» vor. Die Ko-Vorsitzende, Ophira Ginsburg vom Nationalen Krebsinstitut in den USA, verlangte die «sofortige EinfĂŒhrung eines feministischen Ansatzes fĂŒr Krebs.»
Krebs gehört nach einer parallel dazu im selben Fachjournal erschienenen Studie in praktisch allen LĂ€ndern der Welt zu den drei wichtigsten Todesursachen bei Frauen unter 70. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass 1,5 der 2,3 Millionen KrebstodesfĂ€lle von Frauen entweder durch die Beseitigung von Risikofaktoren oder durch eine frĂŒhere Diagnose vermieden werden könnten. 800.000 Frauen könnten ĂŒberleben, wenn sie nach einer Krebsdiagnose optimal betreut wĂŒrden. Auch der Umgang mit Krebspatientinnen mĂŒsse sich Ă€ndern, verlangt die Kommission.
Frauen seien nicht nur von Brust- oder GebĂ€rmutterkrebs betroffen. 300.000 Frauen unter 70 sterben im Jahr weltweit an Lungenkrebs und 160.000 an Darmkrebs, und in einigen LĂ€ndern sterben mehr Frauen an Lungen- als an Brustkrebs, so die Kommission. Im Jahr 2020 seien zwei Drittel der rund drei Millionen diagnostizierten KrebsfĂ€lle unter 50 Frauen gewesen. Ăber die gesamte Lebensspanne und alle Krebsarten hinweg sei das Risiko bei Frauen und MĂ€nnern etwa gleich.
Keine ausreichende AufklĂ€rung ĂŒber Krebs-Risikofaktoren
Frauen hĂ€tten schlechtere Chancen, frĂŒh und gut gegen Krebs behandelt zu werden, so die Kommission. Wenn Frauen krank seien, zögerten sie den Arztbesuch manchmal hinaus, um sich um die Familie zu kĂŒmmern. Studien hĂ€tten gezeigt, dass Krebspatientinnen öfter ĂŒber mangelnde Schmerztherapie klagten als MĂ€nner.
Frauen seien auch nicht genĂŒgend ĂŒber die Krebs-Risikofaktoren Tabak, Alkohol, Adipositas (Fettleibigkeit) und Infektionen aufgeklĂ€rt. Zum Beispiel hĂ€tten 2019 in GroĂbritannien nur 19 Prozent der Frauen, die eine Mammografie fĂŒr Brustkrebserkennung durchfĂŒhren lieĂen, gewusst, dass Alkohol einer der gröĂten Risikofaktoren fĂŒr Brustkrebs ist.
Fokus beim Umgang mit Krebs eher auf MĂ€nnern
Dass sich in vielen LĂ€ndern meist Frauen um kranke Angehörige kĂŒmmern, fĂŒhre auch dazu, dass weniger Frauen FĂŒhrungspositionen in Krebsforschung, -behandlung und -strategieentscheidungen einnehmen. Das wiederum verstĂ€rke das gĂ€ngige Muster, dass der Fokus im Umgang mit Krebs oft zu wenig auf Frauen liege, schreibt die Kommission.
Regierungen mĂŒssten ihre Politik Ă€ndern und Gesundheitsdienste mehr Fokus auf Frauen legen, verlangt die Kommission. Mitglieder sind Experten unter anderem zu Krebsforschung, -vorbeugung und -behandlung sowie Wirtschaft- und Sozialpolitik. Sie sollen VorschlĂ€ge fĂŒr Regierungen und Gesundheitssysteme erarbeiten, um die Benachteiligung von Frauen zu beenden.


