Deutscher Umweltpreis, Roda Verheyen

Deutscher Umweltpreis: Steinmeier ehrt Verheyen und Vossenkaul

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 12:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert beim Festakt in Aachen mehr Konsequenz beim Klimaschutz. Ausgezeichnet werden eine Klima-Anwältin und ein Ingenieur für energieeffiziente Abwasserreinigung.

Preisvergabe verbindet Recht und Technik

  • Frank-Walter Steinmeier überreichte den Deutschen Umweltpreis in Aachen.
  • Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul teilen sich die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung.
  • Vossenkauls Membranfilter sollen den Energiebedarf der Abwasserreinigung um bis zu 90 Prozent senken.
Die Klimajuristin Roda Verheyen und der Membranfilter-Ingenieur Klaus Vossenkaul haben den diesjährigen Deutschen Umweltpreis erhalten. - Bild: Thomas Banneyer/dpa

Deutscher Umweltpreis würdigt Klima-Anwältin und Abwassertechnik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises in Aachen dazu aufgerufen, Lebens- und Wirtschaftsweisen angesichts der Erderwärmung zu überdenken. Die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung geht zu gleichen Teilen an die Hamburger Rechtsanwältin Roda Verheyen und den Ingenieur Klaus Vossenkaul aus der Städteregion Aachen.

Verheyen warnt vor Folgen der Erderwärmung

Steinmeier sagte, der vergangene Sommer habe mit brennenden Wäldern, niedrigen Wasserständen und 16.000 zusätzlichen Sterbefällen die Folgen der Erderwärmung gezeigt. Europa erwärme sich mehr als doppelt so schnell wie andere Kontinente, sagte der Bundespräsident.

Verheyen wurde für ihren Einsatz für rechtliche Vorgaben für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit geehrt. Eine maßgeblich von ihr vorangetriebene Klage führte 2021 dazu, dass das Bundesverfassungsgericht eine Verschärfung der deutschen Klimaschutzvorgaben verlangte.

Klima-Anwältin spricht von Selbstzerstörungsgefahr

Verheyen sagte, sie freue sich über den Preis, sei aber zugleich extrem traurig. Bei einer Erwärmung von 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts drohten Millionen Tote; zudem könnten Kipppunkte in Arktis, Antarktis und Amazonas-Gebiet erreicht werden.

Sie kritisierte, Deutschland dürfe Klimaschutz nicht zugunsten einer kurzfristig billigen Energieversorgung zurückstellen. Kein Klimaschutz sei teurer als Klimaschutzmaßnahmen, sagte Verheyen, und verwies auf wirtschaftliche Schäden durch niedrige Wasserstände des Rheins.

Vossenkaul entwickelt sparsamere Membranfilter

Vossenkaul erhielt den Preis für Weiterentwicklungen bei Membranfiltern für die Abwasserreinigung. Seine Methode könne den Energiebedarf gegenüber bisherigen Verfahren um bis zu 90 Prozent senken.

Der Ingenieur sagte, er baue derzeit ein großes Produktionswerk auf und strebe die Weltmarktführung an. Die Wertschöpfung solle in Deutschland entstehen, dafür suche er noch Investoren.

Steinmeier überreicht Preis letztmals

Steinmeier sagte, der Deutsche Umweltpreis sei ihm von Jahr zu Jahr mehr ans Herz gewachsen. Da er Anfang des kommenden Jahres aus dem Amt scheidet, überreichte er die Auszeichnung nach eigenen Angaben zum letzten Mal.

Die Auszeichnung fällt in eine Phase, in der Klimapolitik zugleich von langfristigen Verpflichtungen und kurzfristigen wirtschaftlichen Belastungen geprägt ist. Der von Roda Verheyen angesprochene UN-Pfad von 2,8 Grad Erwärmung beschreibt kein einzelnes Wetterereignis, sondern eine langfristige globale Entwicklung. Für Deutschland bedeutet sie unter anderem ein höheres Risiko für Hitzebelastungen, Niedrigwasser, Ernteausfälle und Schäden an Infrastruktur.

Die Preisvergabe verbindet deshalb zwei unterschiedliche, aber eng verknüpfte Ansätze. Verheyen steht für die rechtliche Durchsetzung von Klimaschutz und Umweltgerechtigkeit. Klaus Vossenkaul arbeitet an einer technischen Lösung für eine zentrale Infrastrukturaufgabe: Kläranlagen sollen Wasser mit deutlich geringerem Energieeinsatz reinigen können.

Recht und Technik als Klimafaktoren

Die von Verheyen mit vorangetriebene Klimaklage hatte 2021 die deutsche Klimagesetzgebung unter verfassungsrechtlichen Anpassungsdruck gesetzt. Vossenkauls Verfahren zeigt dagegen, wie Klimaschutz mit Ressourcenschutz, Energieeffizienz und industrieller Wertschöpfung verbunden werden kann. Entscheidend wird sein, ob die Entwicklung aus Aachen in größerem Maßstab produziert und in Kläranlagen eingesetzt werden kann.

Für Bürgerinnen und Bürger werden die Folgen vor allem über öffentliche Infrastruktur, Energiepreise, Gesundheitsschutz und die Verfügbarkeit von Wasser spürbar. Steinmeiers Appell zielt damit nicht nur auf individuelle Lebensweisen, sondern auch auf politische Entscheidungen über Investitionen, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft und natürliche Speicher wie Böden, Wälder und Moore.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Bundespräsident Steinmeier überreicht Umweltpreis“ (25.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Auszeichnung von Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul. Er setze den Schwerpunkt auf den Festakt und die beiden Preisträger; Fragen zur praktischen Umsetzung der Filtertechnik stünden weniger im Mittelpunkt.

BR: „Umweltpreis für Umweltjuristin und Entwickler von Klärschlammfiltern“ (25.10.2026)

Der Bericht bestätige die Preisvergabe in Aachen und stelle neben der Umweltjuristin den Entwickler der Klärschlammfilter heraus. Damit liege der Akzent stärker auf der technischen Innovation als auf Steinmeiers klimapolitischer Rede.

Beide Beiträge stimmten beim Kern der Preisvergabe überein, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der Deutschlandfunk ordne den Festakt politisch ein, während der BR die technische Arbeit des zweiten Preisträgers hervorhebe.

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