Diabetes im Winter: KĂ€lte und trockene Haut verschlechtern die FuĂheilung
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn den Wintermonaten stehen Menschen mit Diabetes mellitus vor besonderen gesundheitlichen Herausforderungen. Medizinische Experten weisen darauf hin, dass KĂ€lte zu einer Verengung der BlutgefĂ€Ăe fĂŒhrt. Dies verringert die Sauerstoffversorgung im peripheren Gewebe und verzögert Heilungsprozesse maĂgeblich.
Zugleich sorgt die trockene Luft dafĂŒr, dass die Haut spröde wird und einreiĂt, wodurch Krankheitserreger leicht eindringen können. Erschwerend kommt hinzu, dass ein vorsichtiges oder verĂ€ndertes Gangbild auf vereisten Wegen den Druck auf bestimmte Bereiche der FĂŒĂe punktuell konzentriert. In der Folge können unbemerkt innere Blutungen und GewebeentzĂŒndungen entstehen.
NervenschÀden und anatomische Risikofaktoren
Da eine diabetische NervenschĂ€digung oft zu einem stark herabgesetzten Schmerzempfinden fĂŒhrt, werden Druckstellen oder kleine Verletzungen hĂ€ufig nicht rechtzeitig wahrgenommen.
Warnsignale, auf die Betroffene achten sollten, sind Kribbeln, Brennen, dumpfe Schmerzen, auffÀllige VerÀnderungen der Hautfarbe oder Hauttemperatur sowie trockene, rissige Stellen. Ein kleiner, unbeachteter Druckpunkt kann sich zu einer chronischen Wunde auswachsen und im Extremfall sogar eine Amputation nach sich ziehen.
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Besonders anfĂ€llig fĂŒr LĂ€sionen sind die Fersen. Sie besitzen keine TalgdrĂŒsen, verfĂŒgen ĂŒber nur wenig isolierendes Fettgewebe und tragen eine ausgeprĂ€gte Hornschicht. Trockene Herbst- und Winterluft bremst die Talgproduktion weiter aus, wodurch die Haut an ElastizitĂ€t einbĂŒĂt und unter der Last des Körpergewichts aufreiĂt.
FĂŒr solche Fersenrisse gelten Ă€ltere Menschen, Personen mit Ăbergewicht, Menschen mit einer SchilddrĂŒsenunterfunktion sowie Diabetiker als besonders gefĂ€hrdet. Auch langes Stehen und Gehen oder das Tragen von Sandalen begĂŒnstigen das PhĂ€nomen. Bei Diabetes heilen diese Fissuren oft nur schwer ab und bergen die Gefahr, sich rasch zu verschlimmern.
Pflegeempfehlungen und Gefahren bei der Selbstbehandlung
Zur tĂ€glichen Vorbeugung gehört das behutsame Waschen der FĂŒĂe mit einer milden Seife in lauwarmem Wasser. Um VerbrĂŒhungen vorzubeugen, sollte die Temperatur stets mit dem Ellbogen und nicht mit dem möglicherweise gefĂŒhllosen FuĂ geprĂŒft werden; heiĂe FuĂbĂ€der sind gĂ€nzlich zu meiden. Nach der Reinigung ist ein grĂŒndliches Trocknen unverzichtbar, vor allem in den ZehenzwischenrĂ€umen.
Feuchtigkeitsspendende Salben mit Inhaltsstoffen wie Urea, Ceramiden oder Vaseline stĂ€rken die Hautbarriere, dĂŒrfen jedoch nicht zwischen den Zehen aufgetragen werden, um Mazerationen zu verhindern.
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Bei tieferen Rissen kommen mitunter Salben mit Urea oder SalicylsĂ€ure in Kombination mit Vaseline und Antibiotika wie Erythromycin oder Mupirocin zum Einsatz. FĂŒr Diabetiker sowie fĂŒr Patienten mit Durchblutungsstörungen ist SalicylsĂ€ure allerdings ungeeignet.
Zeigen sich Blut, Rötungen, Eiter oder tritt nach zwei Wochen keine Besserung ein, ist Àrztlicher Rat zwingend erforderlich. Auch bei plötzlichen Schwellungen, VerfÀrbungen ins BlÀuliche oder Schwarze sowie anhaltender Taubheit muss umgehend eine Praxis oder podologische Fachkraft aufgesucht werden.
Risiken durch WĂ€rmequellen, Kleidung und Vorerkrankungen
Gefahren drohen auch im Alltag bei dem Versuch, kalte FĂŒĂe aufzuwĂ€rmen. Bei diabetischer Neuropathie bergen selbsterwĂ€rmende Matten ein hohes Risiko fĂŒr Verbrennungen und DruckschĂ€den. Bei offenen Wunden, EntzĂŒndungen oder schwerer peripherer arterieller Verschlusskrankheit kann WĂ€rme zusĂ€tzlichen Schaden anrichten.
Wird eine solche Matte dennoch genutzt, empfehlen Experten den Beginn mit 10 bis 15 Minuten und einer schĂŒtzenden Stoffschicht zwischen Matte und Haut, bevor die Dauer vorsichtig auf 30 bis 60 Minuten ausgedehnt werden kann. Bei SensibilitĂ€tsstörungen darf keinesfalls mit aktiver Matte geschlafen werden; treten Rötungen oder Blasen auf, muss die Anwendung sofort enden.
FĂŒr die Nacht eignen sich vielmehr nicht einschnĂŒrende, nahtlose Socken aus feuchtigkeitsableitender Wolle oder Synthetik. Enge Schuhe und StrĂŒmpfe mĂŒssen vermieden werden, um Druckstellen und Mangeldurchblutung vorzubeugen.
ZusĂ€tzlich verschĂ€rfen Nikotinkonsum, eine schlechte Blutzuckereinstellung sowie eine eingeschrĂ€nkte Nierenfunktion das Erkrankungsrisiko. Nikotin schĂ€digt die GefĂ€Ăinnenwand und fĂŒhrt zu EngpĂ€ssen, wodurch Bagatellwunden zu tiefen GeschwĂŒren werden können.
Im therapeutischen Bereich können gefĂ€Ăerweiternde MaĂnahmen oder Eingriffe wie eine Ballondilatation sowie hyperbare Sauerstofftherapien (HBOT) die Durchblutung verbessern.
Gemeinsam mit speziellem Wundmanagement und Druckentlastungsschuhen lĂ€sst sich die Heilung oft ohne Operation unterstĂŒtzen. Zudem raten Experten zu einer regelmĂ€Ăigen podologischen Versorgung, die Ă€rztlich verordnet und von gesetzlichen Krankenkassen anteilig ĂŒbernommen werden kann.
