Diabetes-Leitlinien: PTD setzt LDL-Ziel für Hochrisikopatienten unter 40 mg/ dl
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Betreuung von Menschen mit Diabetes wandelt sich zunehmend von einer rein blutzuckerzentrierten Behandlung hin zu einem umfassenden kardiometabolischen Risikomanagement. Neben der Glukosekontrolle rückt der Schutz von Herz, Gefäßen und Nieren in den Mittelpunkt der fachgesellschaftlichen Vorgaben.
Die Polnische Diabetesgesellschaft (PTD) hat in ihren Leitlinien für das Jahr 2026 eine neue Kategorie für ein extrem hohes kardiovaskuläres Risiko eingeführt, wie aus einem Fachbericht von Mitte Oktober 2026 hervorgeht.
Neue Risikokategorie verlangt drastische Lipidsenkung
In der aktualisierten Leitlinie der PTD wird für Patienten mit extrem hohem kardiovaskulärem Risiko ein Zielwert für das LDL-Cholesterin (LDL-C) von unter 40 mg/dl definiert. Diese Einstufung betrifft unter anderem Personen, die trotz einer optimal eingestellten Statintherapie ein erneutes kardiovaskuläres Ereignis erleiden, sowie Patienten mit einer diagnostizierten Mehrgefäß-Atherosklerose.
Die Notwendigkeit einer konsequenten Lipidsenkung unterstrich auch Prof. Dr. Ingo Eitel aus Lübeck auf einer Pressekonferenz Anfang Oktober 2026. Die kumulative Belastung durch LDL-Cholesterin stelle einen kausalen Risikofaktor dar, weshalb eine Senkung des Spiegels zu jedem Zeitpunkt das Risiko verringere. Ein frühzeitiges Eingreifen könne dazu beitragen, potenziell mehr Lebensjahre zu gewinnen.
Bei speziellen Patientengruppen erfordert das Lipidmanagement jedoch differenzierte Ansätze. Prof. Yoo Mi-yeon vom Hanyang-Universitätsklinikum Guri betonte Mitte Oktober 2026 auf der KSC-Konferenz in Seoul, dass Standard-Lipidleitlinien bei chronischer Nierenerkrankung (CKD) nur eingeschränkt greifen.
Die glomeruläre Filtrationsrate allein reiche nicht aus, vielmehr müsse auch eine Albuminurie in die kardiovaskuläre Risikobewertung einfließen. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz und Dialyse könne ein niedriges LDL-C auch Ausdruck von Entzündungsprozessen oder Mangelernährung sein.
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Bezug nehmend auf die SHARP-Studie wies die Expertin darauf hin, dass die Kombination aus Statin und Ezetimib atherosklerotische Ereignisse insgesamt reduziere, der Nutzen bei Patienten ohne Dialyse jedoch deutlicher ausfalle.
Bei einer Filtrationsrate von unter 60 ml/min/1,73 m², unter Dialyse oder nach Transplantation seien Dosisreduktionen geboten; hochdosiertes Rosuvastatin sei möglichst zu vermeiden und Interaktionen mit Ciclosporin müssten beachtet werden.
Erweiterte Empfehlungen zu Technologie, Stress und Bewegung
Über die Lipidwerte hinaus präzisiert die PTD in ihren Vorgaben für 2026 die Qualitäts- und Wirksamkeitskriterien für Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Diese besitzen einen besonderen Stellenwert bei Typ-1-Diabetes mit schwankenden Verläufen, häufigen Hypoglykämien oder einer gestörten Hypoglykämiewahrnehmung.
Zudem empfehlen die polnischen Experten, diabetischen Stress mindestens einmal jährlich strukturiert über Fragebögen zu erfassen, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen. Hinsichtlich der körperlichen Aktivität rät die Gesellschaft aktiven Erwachsenen zu etwa 10.000 Schritten pro Tag, während für Menschen über 60 Jahre ein Richtwert von 6.000 bis 8.000 Schritten täglich empfohlen wird.
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Internationaler Wandel im Therapiemanagement
Die Akzentverschiebung hin zu einem frühzeitigen Organschutz spiegelt sich auch in internationalen Empfehlungen wider. Im gemeinsamen Konsensuspapier der ADA und der EASD von Anfang Oktober 2026 gilt Metformin nicht mehr ausnahmslos als verpflichtende Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes.
Liegen atherosklerotische Gefäßerkrankungen, chronische Nierenschäden, Herzinsuffizienz oder Adipositas vor, kann die Behandlung direkt mit SGLT2-Hemmern oder GLP-1-Rezeptoragonisten begonnen werden.
Ähnliche Schwerpunkte setzt ein Leitlinienentwurf der Koreanischen Diabetesgesellschaft von Mitte Oktober 2026. Das Konzept gliedert sich in patientenspezifische Strategien für Organschutz, Gewichtsmanagement, Glukosesenkung und Vermeidung von Hypoglykämien, wobei modernen Substanzklassen die höchste Priorität bei der Gewichts- und Stoffwechselkontrolle eingeräumt wird.
