Diabetes-Leitlinien: SGLT2-Hemmer und GLP-1-Therapien frĂŒher einsetzen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung des Typ-2-Diabetes erfÀhrt eine grundlegende Neuausrichtung. Ein am 2. Oktober 2026 in den Fachzeitschriften Diabetologia und Diabetes Care veröffentlichter gemeinsamer Konsens der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) markiert einen deutlichen Kurswechsel.
Die therapeutische Strategie löst sich von der rein glykÀmischen Kontrolle und begreift Typ-2-Diabetes primÀr als Systemerkrankung, die Herz, Nieren, Leber und die allgemeine LebensqualitÀt der Betroffenen betrifft. An der Ausarbeitung war unter anderem Peter Rossing vom dÀnischen Steno Diabetes Center Copenhagen als Koautor beteiligt.
FrĂŒher Einsatz organprotektiver Substanzklassen
Ein zentrales Element der aktualisierten Empfehlungen ist der deutlich frĂŒhere Einsatz organprotektiver Medikamente. SGLT2-Hemmer sowie GLP-1-basierte Therapien werden fĂŒr die Mehrheit der Patienten mit Typ-2-Diabetes frĂŒhzeitig empfohlen, potenziell bereits ab dem Zeitpunkt der Erstdiagnose. Die Auswahl richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil, dem Körpergewicht und bestehenden Begleiterkrankungen.
Liegt ein hohes kardiovaskulĂ€res Risiko oder eine manifeste Herz-Kreislauf- beziehungsweise Nierenerkrankung vor, sieht der Konsens eine Kombination beider Substanzklassen vor â und zwar unabhĂ€ngig vom aktuellen HbA1c-Wert. Bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz oder einer chronischen Nierenerkrankung bilden SGLT2-Hemmer das therapeutische Fundament.
Metformin behĂ€lt zwar seinen Stellenwert, muss jedoch nicht mehr zwingend als erste Behandlungsstufe vorgeschaltet werden, wenn eine gezielte Organprotektion erforderlich ist. Ein stufenweises Vorgehen gilt laut ADA und EASD lediglich bei Patienten mit geringem kardiovaskulĂ€rem Risiko, moderatem Ăbergewicht und ohne bestehende OrganschĂ€den als vertretbar.
Zudem zeigte eine aktuelle Studie, dass Gliflozine bei unkompliziertem, neu diagnostiziertem Diabetes keine Ăberlegenheit gegenĂŒber Metformin hinsichtlich kardiovaskulĂ€rer, mikrovaskulĂ€rer oder tödlicher Endpunkte aufwiesen.
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Erweiterte Diagnostik und ganzheitliches Screening
Der Konsens fordert zudem ein engmaschigeres Screening bei der Diagnose und im weiteren Krankheitsverlauf. Neben Herzinsuffizienz und obstruktiver Schlafapnoe sollen Ărzte gezielt auf die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), parodontale Erkrankungen, psychische Belastungen sowie geschlechtsspezifische Gesundheitsaspekte achten.
Erstmals stufen die Fachgesellschaften eine chronische, niedriggradige Inflammation als ergĂ€nzendes und modifizierbares Behandlungsziel ein. Differenzialdiagnostisch muss zudem regelmĂ€Ăig abgeklĂ€rt werden, ob ein Typ-1-Diabetes, monogene Formen oder sekundĂ€re Ursachen wie ein Hyperkortisolismus vorliegen.
Begleitend betonen die Richtlinien strukturierte LebensstilmaĂnahmen. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird eine mediterrane ErnĂ€hrung empfohlen. Der Alltag soll sich an fĂŒnf Kernbereichen ausrichten: weniger Sitzen, tĂ€glich 8.000 bis 10.000 Schritte, mindestens 150 Minuten schweiĂtreibende AktivitĂ€t pro Woche, Krafttraining an zwei bis drei Tagen pro Woche sowie eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden.
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Auf technologischer Ebene rĂŒckt das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) weiter vor. FĂŒr Erwachsene mit Typ-1-Diabetes gilt es laut dem Konsens als Behandlungsstandard, wobei die ADA-Leitlinien Vorbedingungen fĂŒr die Nutzung von Insulinpumpen oder automatisierten Systemen strichen. Auch bei Typ-2-Diabetes wird der Einsatz von CGM empfohlen, insbesondere bei einer Insulintherapie.
Unterschiedliche Tempi bei der nationalen Umsetzung
Trotz des internationalen VorstoĂes verlĂ€uft die Anpassung regionaler Vorgaben uneinheitlich. So hielt der dĂ€nische MedicinrĂ„d in seinem Algorithmus aus dem Oktober 2026 an einer zurĂŒckhaltenderen Linie fest: Sofern keine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung vorliegt, bleibt Metformin dort der Ausgangspunkt.
GLP-1-PrĂ€parate werden dort primĂ€r als ErgĂ€nzung zu SGLT2-Hemmern gefĂŒhrt, wenn eine zusĂ€tzliche Blutzuckersenkung notwendig ist und kostengĂŒnstigere Alternativen nicht ausreichen.
