Diabetes-Screening, Früherkennung

Diabetes-Screening: Früherkennung senkt schwere Ketoazidosen um 90 Prozent

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen steigende Typ-1-Diabetes-Zahlen bei jungen Menschen; Screening und strukturierte Programme sollen Komplikationen vorbeugen.
Frisches Gemüse und Vollkornprodukte auf einer hölzernen Küchenoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Fachleute warnen vor einer deutlichen Zunahme von Diabeteserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Angesichts steigender Fallzahlen rücken präventive Ansätze im Alltag, strukturierte Früherkennungsprogramme und moderne digitale Hilfsmittel verstärkt in den Fokus der medizinischen Versorgung.

Weltweit sind knapp 600 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. In Deutschland leben rund 11 Millionen Diabetes-Patienten inklusive Dunkelziffer, was mehr als zehn Prozent der Bevölkerung entspricht; etwa 95 Prozent davon entfallen auf Typ-2-Diabetes. Zugleich leben in Deutschland etwa 37.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes.

Bei den jüngeren Altersgruppen bereiten Fachleuten auch Ernährungsgewohnheiten Sorge: Kinder und Jugendliche in Deutschland nehmen teils über 15 Prozent ihrer täglichen Energie über freien Zucker auf und überschreiten damit die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

Deutlicher Anstieg bei Typ-1-Diabetes im Kindesalter

Eine weltweite Analyse der chinesischen Xi'an Jiaotong University und der australischen Monash University für die Altersgruppe von 0 bis 19 Jahren zeigt für den Zeitraum von 1990 bis 2021, dass sich die Inzidenz von Typ-1-Diabetes von 2,71 auf 7,42 Fälle pro 100.000 fast verdreifacht hat.

Die Prävalenz stieg demnach von 20,75 auf 56,59 pro 100.000. Im Jahr 2021 wiesen Nordamerika und Europa die höchsten Werte bei Inzidenz und Prävalenz auf. Länder in der unteren Hälfte der globalen Einkommensverteilung trugen dagegen rund 80 Prozent der Mortalität bei Typ-1-Diabetes sowie 86 Prozent der verlorenen Lebensjahre, während Afrika die meisten verlorenen Lebensjahre verzeichnete.

Regionale Erhebungen bestätigen den Trend. In Indonesien stieg die Typ-1-Diabetes-Prävalenz bei unter 18-Jährigen laut der Initiative Changing Diabetes in Children von 0,004 pro 100.000 im Jahr 2000 über 0,028 im Jahr 2010 auf 2 pro 100.000 im Jahr 2023. In Schweden erfasst die BDD-Studie unter der Leitung von Annelie Carlsson aus Lund seit 2005 nahezu alle Kinder mit einer Diabetes-Diagnose vor dem 18. Lebensjahr.

Rund 95 Prozent davon betreffen Typ 1, wobei Jungen häufiger erkranken. Typ-2- und monogene Formen erklären die Zunahme dort nicht. Als wesentliches Warnsignal gilt anhaltend starker Durst und häufiges Urinieren.

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Screening und Früherkennung zur Vermeidung von Komplikationen

In Spanien besitzen 85 Prozent der neu klinisch diagnostizierten Typ-1-Fälle keine entsprechende Familienanamnese. Bei 21 bis 43,7 Prozent der pädiatrischen Diagnosen tritt dort eine Ketoazidose auf. Das europäische Konsortium EDENT1F1 schlägt daher ein generelles Screening von Kindern in drei Altersfenstern vor: zwischen 2 und 4, 6 und 8 sowie 10 und 15 Jahren.

Im Rahmen von Pilotprogrammen in acht Ländern mit über 140.000 Kindern, darunter Deutschland, Schweden und Italien, wurde bei einem von 45 Kindern mit Familienanamnese und bei einem von 350 Kindern ohne familiäre Vorbelastung ein entsprechendes Stadium festgestellt.

Die Prävalenz ohne Anamnese lag bei 0,22 Prozent im Alter von 4 Jahren, bei 0,31 Prozent zwischen 4 und 8 Jahren sowie bei 0,40 Prozent im Alter von 8 bis 13 Jahren. Nach Angaben des Konsortiums kann ein solches Screening das Auftreten schwerer Ketoazidosen um über 90 Prozent senken und Krankenhausaufenthalte um 40 Prozent reduzieren.

Multimodale Präventionsansätze und digitale Unterstützung

Neben der Früherkennung gewinnen strukturierte Lebensstilprogramme an Bedeutung. Das in „The Lancet Regional Health – Europe“ untersuchte STARKIDS-Stufenmodell gegen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, geleitet von Florian Junne und Stefan Ehehalt, zeigte bei 559 Teilnehmenden nach zwölf Monaten bei 33 Prozent der STARKIDS-Gruppe eine klinisch relevante Verbesserung des Gewichtsverlaufs gegenüber 22 Prozent in der Kontrollgruppe mit einmaliger Beratung.

Nach 18 Monaten lag der Anteil bei 29 gegenüber 27 Prozent. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss empfahl die Überführung zentraler Bestandteile in die Regelversorgung.

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Im Behandlungsalltag ergänzen digitale Technologien zunehmend die Therapie. Fachleute verweisen auf automatisierte Insulindosiersysteme (AID), den Einsatz von Software für Retinopathie-Screenings sowie strukturierte digitale Informationsangebote wie den Online-Coach der AOK für Typ-2-Betroffene, der auf Verhaltensänderungen und Bewegung abzielt.

Für Kinder mit Typ-1-Diabetes betont etwa der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) praktische Alltagsstrategien: Bei sportlicher Aktivität sollten Bewegungsprofile automatisierter Systeme genutzt, Süßigkeiten bewusst gebündelt und Insulinanpassungen vorausschauend vorgenommen werden.

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