Diabetes, Hörverlust

Diabetes und Hörverlust: Jeder vierte Betroffene hat messbare Hörprobleme

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen verbinden Diabetes mit häufigerem Hörverlust; Fachleute empfehlen regelmäßige Hörtests und deren Integration in die Versorgung.
Ein minimalistischer, leerer Untersuchungsraum in einer Akustikpraxis mit neutraler Beleuchtung und ruhiger Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November rückt ein oft übersehenes Begleitsymptom von Stoffwechselerkrankungen in den Fokus: die Beeinträchtigung des Hörvermögens. Der Verband Individual Akustiker Service (IAS), der mehr als 300 Mitgliedsbetriebe und über 500 Fachgeschäfte umfasst, empfiehlt Menschen mit Diabetes mellitus eine halbjährliche Hördiagnostik mit dem auDIAtrie Hörtest.

In Deutschland leben derzeit etwa 11 Millionen Menschen mit Diabetes. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass das Gehör eng mit dem Blutzuckerspiegel und vaskulären Veränderungen verknüpft ist.

Jeder vierte Diabetes-Patient von Hörverlust betroffen

Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten belegen den engen Zusammenhang zwischen Diabetes und einer Minderung der Hörleistung. Laut einer Analyse der University of Queensland unter Leitung von Dr. Mehwish Nisar, die 29 Studien aus den Jahren 2000 bis 2025 mit über 17.000 Teilnehmern – überwiegend mit Typ-2-Diabetes und Prädiabetes – auswertete, lebt jeder vierte Erwachsene mit Diabetes mit einem klinisch signifikanten Hörverlust. Weltweit entspricht dies rund 130 Millionen Menschen.

In der Fachzeitschrift Diabetes/Metabolism Research and Reviews veröffentlichte Auswertungen zeigen, dass Erwachsene mit Diabetes eine 2,41-mal höhere Wahrscheinlichkeit für mittelschweren bis schweren Hörverlust aufweisen als Personen ohne Stoffwechselerkrankung.

Eine Teilgruppe von 23 Studien mit 5.221 Diabetes-Patienten ergab, dass 24 Prozent der Teilnehmer einen Hörverlust von mindestens 40 Dezibel aufwiesen. Eine solche Reduktion beeinträchtigt das Verstehen von Gesprächen spürbar, insbesondere in lauten Umgebungen.

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Erhöhtes Risiko bereits in jüngeren Jahren

Entgegen der Annahme, dass Hörverlust vor allem ein Altersproblem darstellt, tritt die Einschränkung bei Diabetikern häufig schon im Alter von 40 bis 50 Jahren auf. Bei Personen unter 60 Jahren war das Risiko für mittelschweren bis schweren Hörverlust etwa dreimal so hoch wie in der Kontrollgruppe. Bei Betroffenen ab 60 Jahren fiel dieser statistische Unterschied hingegen nicht mehr signifikant aus, da altersbedingte Prozesse das Bild überlagern.

Zudem dokumentierten die Forscher der University of Queensland ein höheres Risiko bei Menschen in ärmeren Ländern sowie bei Personen, deren Diabetesdiagnose weniger als zehn Jahre zurücklag. Für indigene Bevölkerungsgruppen, etwa die Aboriginal and Torres Strait Islander peoples in Australien, bestehen überdies besondere Risiken für einen Diabetes-assoziierten Hörverlust.

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Gefäß- und Nervenschäden als Ursache

Die biologischen Ursachen für die Hörminderung liegen in dauerhaft erhöhten Glukosewerten. Diese können feine Blutgefäße sowie Nervenstrukturen der Cochlea und des Innenohrs schädigen.

Optometristen verweisen auf parallele pathophysiologische Mechanismen, wie sie auch bei der diabetischen Retinopathie auftreten: Mikroangiopathie, Neuropathie, Stoffwechselstörungen und eine Verdickung der Basalmembran erhöhen das Risiko für sensorineuralen Hörverlust.

Das Vorliegen einer diabetischen Retinopathie oder spezifische Patientenbeschwerden gelten daher als klare Auslöser für eine weiterführende Überweisung.

Da ein audiometrisches Screening niedrigschwellig durchgeführt werden kann, fordern Studienautoren und Fachleute, systematische Hörtests standardmäßig in die Routineversorgung von Diabetes-Patienten zu integrieren.

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