Diabetes weltweit: 830 Millionen Betroffene, 59 Prozent ohne Medikamente
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweite Belastung durch Diabetes hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv zugenommen. Wie Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, lebten im Jahr 2022 weltweit 830 Millionen Menschen mit Diabetes, verglichen mit 200 Millionen im Jahr 1990. Parallel dazu verdoppelte sich die PrÀvalenz unter Erwachsenen ab 18 Jahren im selben Zeitraum von 7 Prozent auf 14 Prozent. Mehr als 95 Prozent der FÀlle entfallen dabei auf Typ-2-Diabetes, wÀhrend im Jahr 2017 rund 9 Millionen Menschen mit Typ-1-Diabetes lebten.
Hohe Sterblichkeit und wachsende BehandlungslĂŒcken
Die gesundheitlichen Folgen der Stoffwechselerkrankung sind erheblich. Laut WHO verursachten Diabetes und diabetische Nierenerkrankungen im Jahr 2023 rund 2,4 Millionen TodesfÀlle.
Diabetes selbst war dabei die direkte Ursache fĂŒr 2,0 Millionen TodesfĂ€lle, wovon 44 Prozent vor dem Erreichen des 70. Lebensjahres eintraten. Hinzu kamen 390.000 TodesfĂ€lle infolge von Nierenerkrankungen. Zudem ist ein hoher Blutzucker fĂŒr etwa 10 Prozent der kardiovaskulĂ€ren TodesfĂ€lle verantwortlich.
Gleichzeitig klafft global eine erhebliche VersorgungslĂŒcke. Im Jahr 2022 nahmen 59 Prozent der betroffenen Erwachsenen ab 30 Jahren keine Diabetesmedikation ein, wobei die Abdeckung in LĂ€ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen am geringsten ausfĂ€llt.
Eine gemeinsame Auswertung der WHO und Lancet NCD-RisC verdeutlicht diese Dimension: Mehr als 800 Millionen Erwachsene weltweit sind betroffen, was einer Vervierfachung seit 1990 entspricht.
Im Jahr 2022 blieben fast 450 Millionen Erwachsene ab 30 Jahren unbehandelt â rund 59 Prozent aller Betroffenen â, was einem 3,5-fachen Anstieg gegenĂŒber 1990 entspricht. Von diesen unbehandelten Personen leben 90 Prozent in LĂ€ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Regionale Schwerpunkte und Zielvorgaben bis 2030
Besonders ausgeprĂ€gt ist die PrĂ€valenz in bestimmten Weltregionen. In der WHO-Region SĂŒdostasien sowie im Ăstlichen Mittelmeerraum liegt die Rate bei Erwachsenen ab 18 Jahren bei rund 20 Prozent. In diesen beiden Regionen sowie in Afrika nehmen weniger als 4 von 10 Erwachsenen mit Diabetes blutzuckersenkende Medikamente ein.
Weltweit sind zudem ĂŒber 40 Prozent der Menschen mit Diabetes ĂŒberhaupt nicht diagnostiziert, wodurch ihnen der Zugang zu notwendigen Therapien und BegleitmaĂnahmen fehlt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die WHO ein globales Diabetes-Monitoring gestartet. Die Mitgliedstaaten der Organisation haben sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 eine Diagnosequote von 80 Prozent zu erreichen.
Ebenso sollen bis 2030 rund 80 Prozent der bereits Diagnostizierten eine gute glykĂ€mische Kontrolle aufweisen. Der Weltdiabetes-Tag 2026 steht unter dem Leitthema einer frĂŒhzeitigen Intervention, um rechtzeitige Diagnosen, eine umfassende Versorgung sowie den Abbau von Stigmatisierung voranzutreiben.
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Besondere Herausforderungen auf dem afrikanischen Kontinent
In Afrika stellt sich die Versorgungslage besonders kritisch dar. Nach Angaben von WHO-Vertreter Mohamed Janabi kennen fast drei von vier Erwachsenen mit Diabetes in Afrika ihre Erkrankung nicht, was den weltweit höchsten Anteil undiagnostizierter FÀlle darstellt.
Vor dem Weltdiabetes-Tag am 14. November 2026 rief er zu verstĂ€rktem Bewusstsein, verlĂ€sslicher FrĂŒhdiagnostik und bezahlbarer Behandlung auf, um die wachsende Krankheitslast einzudĂ€mmen. Konkret forderte er bezahlbares Insulin, den Ausbau von TestkapazitĂ€ten in der PrimĂ€rversorgung sowie die gezielte Schulung von Gesundheitspersonal.
Nach Erhebungen der International Diabetes Federation lebten im Jahr 2024 rund 24,6 Millionen Erwachsene im Alter von 20 bis 79 Jahren in Afrika mit Diabetes. Bis zum Jahr 2050 prognostiziert die Organisation einen Anstieg auf 59,5 Millionen Betroffene.
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Sozioökonomische Faktoren und prÀventive Instrumente
Zehn-Jahres-Daten der WHO aus dem Zeitraum 2013 bis 2022 belegen zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Krankheitsrisiko: In LÀndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen weisen Menschen mit geringerer Bildung höhere Raten an Bluthochdruck und Diabetes auf. Bewohner lÀndlicher Regionen sind bei der Diagnose von Hypertonie besonders stark benachteiligt.
Angesichts dieser Strukturen empfiehlt die WHO den Einsatz fiskalischer und gesundheitspolitischer Instrumente. Dazu gehören höhere Gesundheitssteuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige GetrĂ€nke sowie maĂgeschneiderte Versicherungslösungen und staatliche Subventionen, um unterversorgte Gemeinschaften besser abzusichern.
