Diabetische Nierenerkrankung: Hederagenin aus Efeu zeigt Schutzeffekt
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 13:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Diabetische Nierenerkrankung gehört zu den häufigsten Folgeschäden von Diabetes und stellt Gesundheitssysteme weltweit vor wachsende Herausforderungen. Zwei aktuelle Forschungsrichtungen widmen sich diesem Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln: die Wirkung eines pflanzlichen Triterpenoids sowie eine neue Klasse molekularer Zielstrukturen.
Eine Studie im Chinese Journal of Natural Medicines rĂĽckt dabei den Wirkstoff Hederagenin in den Fokus, wie heilpraxisnet.de in einem Bericht vom 10.09.2026 darstellte.
Hederagenin aus Efeu, SchwarzkĂĽmmel und der TCM
Hederagenin ist ein Triterpenoid, das unter anderem in Efeu und Schwarzkümmel vorkommt und auch in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung findet. Laut der im Chinese Journal of Natural Medicines diskutierten Studie könnte der Stoff eine Rolle bei der Verhinderung diabetischer Nierenschäden spielen.
Im Mausmodell reduzierte Hederagenin demnach diabetische Nierenalterung, Fibrose und DNA-Schäden. Ein zentraler Mechanismus, den die Forschenden beschreiben, ist die Reaktivierung des Klotho-Gens über eine Hemmung der DNMT1.
Klotho gilt als wichtiger Faktor für die Nierengesundheit. Die Studie stützt diese Annahme durch eine Analyse von fast 120 menschlichen Nierenproben, die zeigte, dass Klotho bei diabetischer Nierenerkrankung signifikant reduziert ist. Die Reaktivierung dieses Gens durch Hederagenin wird von den Autoren als möglicher Ansatzpunkt für therapeutische Strategien gewertet.
Konkrete Verbesserungen zeigten sich auch bei funktionellen Nierenparametern: Eine 12-wöchige orale Gabe von Hederagenin verbesserte laut der Studie die Nierenfunktion und senkte Harnstoff-Stickstoff, Serumkreatinin sowie die 24-Stunden-Proteinurie. Diese Werte gelten in der Nephrologie als etablierte Marker für den Zustand der Nierenfunktion, sodass ihre Verbesserung im Tiermodell als deutliches Signal gewertet werden kann.
Phosphatasen als weiteres Therapieziel
Wer nach der Diagnose Diabetes auf seine Nieren achtet, stößt auf viele Zahlen und wenige klare Antworten. Eine aktuelle Studie rückt den Pflanzenstoff Hederagenin aus Efeu und Schwarzkümmel in den Fokus: Im Mausmodell verbesserte er die Nierenfunktion und senkte Serumkreatinin sowie die 24-Stunden-Proteinurie — ein Signal, das Betroffene kennen sollten. Jetzt kostenlosen Report zu Nierenschutz bei Diabetes anfordern
Parallel dazu benennt ein Review im Journal of Biomedical Science klassische Protein-Tyrosin-Phosphatasen als neues Therapieziel bei diabetischer Nierenerkrankung, wie scienmag.com berichtete. Die Ăśbersichtsarbeit verweist auf das AusmaĂź des Problems: Die chronische Nierenerkrankung durch Typ-2-Diabetes hat sich demnach zwischen 1990 und 2021 fast verdoppelt, mit einem Anstieg von 80 bis 90 Prozent.
Auch die wirtschaftliche Dimension wird in dem Review thematisiert. Demnach liegen die Kosten pro Patient in den USA bei rund 30.000 US-Dollar im FrĂĽhstadium und steigen auf rund 119.000 US-Dollar im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.
Das Review katalogisiert insgesamt 38 klassische Phosphatasen, darunter 21 vom Rezeptor-Typ und 17 vom Nicht-Rezeptor-Typ. Besondere Aufmerksamkeit gilt PTP1B- und SHP2-Inhibitoren: Der Wirkstoff SHP099 senkte in Mausmodellen die Albuminurie, ein weiterer klinisch relevanter Marker für Nierenschäden bei Diabetes.
Zwei Ansätze, ein gemeinsames Problem
Beide Forschungsstränge – der pflanzliche Wirkstoff Hederagenin und die Phosphatase-Inhibitoren – adressieren aus unterschiedlichen molekularen Perspektiven dasselbe klinische Problem.
Kreatinin leicht erhöht, Proteinurie im Befund — und keine zugelassene Therapie, die den Verlauf aufhält? Genau hier setzen zwei Forschungslinien an: Hederagenin reaktiviert im Tiermodell das schützende Klotho-Gen, Phosphatase-Inhibitoren wie SHP099 senkten die Albuminurie. Beide Ansätze sind präklinisch — dieser Leitfaden ordnet ein, was heute belegt ist und was nicht. Leitfaden Nierenwerte richtig lesen — jetzt sichern
Während die Hederagenin-Studie auf epigenetische Mechanismen und die Reaktivierung eines schützenden Gens setzt, zielt der Phosphatasen-Ansatz auf spezifische Enzyme, die an der Entstehung von Nierenschäden beteiligt sind.
Beide Ansätze befinden sich bislang im Bereich der präklinischen beziehungsweise Grundlagenforschung, liefern aber angesichts der stark steigenden Fallzahlen und der hohen Behandlungskosten Ansatzpunkte für künftige Therapieentwicklungen bei diabetischer Nierenerkrankung.
