Diabetischer, Fuß

Diabetischer Fuß: Früherkennung könnte bis zu 85 Prozent der Amputationen verhindern

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Früherkennung und abgestimmte Behandlung könnten schwere Fußkomplikationen verhindern; zugleich zeigen Daten hohe Sterberaten nach Amputationen.
Ein heller, steriler Krankenhausflur in einer modernen medizinischen Einrichtung ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Das diabetische Fußsyndrom zählt zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Internationale Erhebungen und klinische Analysen verdeutlichen die alarmierend hohen Sterblichkeitsraten sowie das ausgeprägte Risiko für operative Eingriffe bis hin zur Amputation.

Zugleich weisen Fachgesellschaften darauf hin, dass ein erheblicher Teil der schweren Verläufe durch frühzeitige Diagnostik und strukturierte, multidisziplinäre Behandlungsansätze vermeidbar wäre.

Erhebliche Sterblichkeit und strukturelle Versorgungsdefizite

Die statistischen Daten zur Überlebensrate nach diabetischen Fußkomplikationen sind gravierend. Laut Dr. Przemys?aw Lipi?ski von der Polnischen Gesellschaft für Wundbehandlung betrifft das diabetische Fußsyndrom in Polen bis zu 250.000 von rund vier Millionen Menschen mit Diabetes, von denen etwa 3,5 Millionen diagnostiziert sind.

Die Fünf-Jahres-Mortalität beläuft sich auf 30 Prozent ohne Amputation und steigt nach einer erfolgten Amputation auf 60 Prozent. Im polnischen Gesundheitssystem fehlt bislang ein koordiniertes Versorgungskonzept, während Neuropathien bis zu 80 Prozent der Diabetespatienten betreffen.

Vom 13. bis zum 20. November bieten rund 60 Zentren im Rahmen einer nationalen Aktionswoche kostenlose Fußuntersuchungen an. Nach Angaben von Dr. Piotr Liszkowski vom Krankenhaus Szamotu?y wurden positive Ergebnisse früherer Pilotprojekte nicht in das reguläre System überführt; Barrieren bildeten unter anderem fehlende ICD-9-Codes sowie Hürden bei Abrechnung und Leistungsbewertung.

Auch in Österreich zeigt sich eine hohe Krankheitslast. Wie Daten der Österreichischen Sozialversicherung und der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) belegen, kommt es jährlich zu gut 500 Majoramputationen oberhalb des Sprunggelenks infolge von Diabetes. Die Sterblichkeit innerhalb eines Jahres nach einem solchen Eingriff liegt bei über 36 Prozent.

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Bei mehr als 800.000 Diabetikern in Österreich ergab eine Auswertung von über 6,4 Millionen Nüchternblutzucker-Messwerten aus Vorsorgeuntersuchungen rund sechs Prozent bekannte Diabetesfälle, knapp drei Prozent unentdeckte Erkrankungen und etwa 20 Prozent mit Prädiabetes. Die ÖDG fordert daher, ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre den HbA1c-Wert im Rahmen der Vorsorge zu bestimmen, bei Prädiabetes jährlich.

Klinische Standards und multidisziplinäre Extremitätenerhaltung

Nach Angaben der spanischen Wundgesellschaft Sociedad Española de Heridas (Seher) entwickeln 15 bis 25 Prozent der Diabetespatienten ein Fußulkus; bei 80 Prozent dieser Betroffenen droht eine Amputation.

Seher-Präsident Daniel Chaverri betont, dass Gazeverbände und Joddesinfektion bei chronischen Wunden obsolet seien. Zeitgemäßer Standard sei die feuchte Wundversorgung mit Hydrokolloiden, Hydrogelen oder Polyurethanschäumen. Auf die Wundbehandlung entfallen vier Prozent des europäischen Gesundheitsbudgets.

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Fachleute in Mexiko verweisen darauf, dass bis zu 85 Prozent der Amputationen durch multidisziplinäre Früherkennung abgewendet werden könnten. Fast 60 Prozent der Ulzera weisen Infektionen auf.

Dr. Conrado Polanco Ortiz nennt elektrolytisierte Superoxidationslösungen mit neutralem pH-Wert als antimikrobiellen Hilfsstoff. Das Hospital Juárez de México führt jährlich rund 150 gefäßchirurgische und endovaskuläre Eingriffe zur Extremitätenerhaltung durch.

Die US-amerikanische ExAct-DFU-Kohortenstudie an 8.176 Patienten belegt zudem, dass starke Exsudation die Wundheilung drastisch verzögert und nach 52 Wochen mit zusätzlichen 227 Tagen ungeheilter Wunden einhergeht.

Eine systematische Übersicht in der Fachzeitschrift Foot & Ankle Orthopaedics mit 29.591 Patienten zeigte zudem, dass erhöhte HbA1c-Werte ab 7,0 bis über 7,5 Prozent mit signifikant höheren Infektions- und Komplikationsraten nach Operationen korrelieren.

Schmerzbelastung und Risikofaktoren im Fokus

Trotz peripherer Sensibilitätsverluste leiden Betroffene häufig unter massiven Beschwerden. Eine Dissertation von Anneli Ringblom an der Universität Göteborg ergab, dass diabetische Fußulzera unvorhersehbare, stechende Schmerzen verursachen, die den Schlaf und Alltag stark beeinträchtigen. Da Schmerzen im Versorgungssystem oft unzureichend thematisiert werden, behandeln Patienten diese meist in Eigenregie.

Zusätzlich warnt die American Academy of Orthopaedic Surgeons vor der Charcot-Arthropathie, bei der unbemerkte Knochenschäden zu Fehlstellungen führen. Die Korea Disease Control and Prevention Agency empfiehlt bei einer Diabetesdauer von über zehn Jahren eine jährlich Kontrolluntersuchung. Wunden, die länger als zwei Wochen nicht abheilen, bedürfen umgehender fachärztlicher Intervention.

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