Diabetischer, Fuß

Diabetischer Fuß: FrĂŒhes Eingreifen könnte 85 Prozent der Amputationen verhindern

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RegelmĂ€ĂŸige Kontrollen, Wundbehandlung und GefĂ€ĂŸversorgung sind zentral; neue AnsĂ€tze werden entwickelt oder klinisch untersucht.
Ein steriler Behandlungsraum mit einer Untersuchungsliege und medizinischen Hilfsmitteln fĂŒr die Wundversorgung. Illustration mit AI erstellt.

Diabetische Fußkomplikationen stellen weltweit eine der gravierendsten Folgen von Stoffwechselerkrankungen dar. Wie Dr. Apurva Srivastava, GefĂ€ĂŸ- und endovaskulĂ€rer Chirurg am Sir Ganga Ram Hospital, bei einem Fachtreffen der Medizinerorganisation IMA South Delhi Branch im Rahmen der Initiative „Save the Limb India“ in Neu-Delhi darlegte, erfordern diese Beschwerden eine frĂŒhzeitige AbklĂ€rung.

Da diabetesbedingte NervenschÀden Schmerzen hÀufig maskieren und begleitende Durchblutungsstörungen die Wundheilung erheblich beeintrÀchtigen, werden LÀsionen von Betroffenen oft zu spÀt bemerkt.

MultidisziplinĂ€re Versorgung und GefĂ€ĂŸinterventionen

Die rechtzeitige Erkennung von GefĂ€ĂŸerkrankungen eröffnet wesentliche HandlungsspielrĂ€ume. Nach EinschĂ€tzung von Dr. Srivastava können je nach individuellem GefĂ€ĂŸ- und Allgemeinzustand der Patienten endovaskulĂ€re Eingriffe oder BypĂ€sse erwogen werden, um die Blutzufuhr wiederherzustellen.

Dr. M. K. Mudgal, PrĂ€sident der IMA South Delhi Branch, stufte regelmĂ€ĂŸige Fußuntersuchungen, eine unverzĂŒgliche Wundversorgung sowie rechtzeitige GefĂ€ĂŸinterventionen als ausschlaggebend ein.

Am Diabetic Foot Care Centre des Sir Ganga Ram Hospital setzt man auf einen multidisziplinĂ€ren Ansatz, der neben der Wundversorgung primĂ€r eine konsequente Druckentlastung und Infektionskontrolle vorsieht. Dr. Varun Gupta, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Medizintechnikunternehmens Medvital, verwies auf moderne Therapiemittel wie FlĂŒssigverbĂ€nde, Unterdruck-Wundtherapien sowie extrazellulĂ€re Matrizen, die den Heilungsprozess unterstĂŒtzen können.

FrĂŒherkennung schĂŒtzt vor schweren GewebeschĂ€den

Fachleute weisen international darauf hin, dass bereits minimale VerĂ€nderungen ernste Konsequenzen haben können. Dr. Raymond Rony Pav, Direktor der Klinik Keluarga Dan Surgeri 24 Jam im malaysischen Shah Alam, erklĂ€rte, dass kleine Wunden, Blasen, Schwellungen, VerfĂ€rbungen der Haut, FlĂŒssigkeitsaustritt sowie eine erhöhte Temperatur des Fußes einer sofortigen Diagnose bedĂŒrfen.

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Eine Therapie erfordere stets die KlÀrung der Grunderkrankung, InfektionsbekÀmpfung und Blutzuckereinstellung; bei Bedarf komme ein Debridement zur Entfernung abgestorbenen Gewebes hinzu.

Ob eine Amputation vermeidbar sei, hĂ€nge vom Grad der Infektion, der Blutversorgung und der GewebeschĂ€digung ab. Seine Einrichtung setze unterstĂŒtzend auf sauerstoffbasierte Wundtherapien, betone jedoch, dass Basismaßnahmen wie die chirurgische Wundreinigung und DurchblutungsprĂŒfung unersetzlich blieben.

Auch das sĂŒdkoreanische SeRan-Krankenhaus rief anlĂ€sslich des bevorstehenden Welttags des Diabetes am 14. November zu erhöhter Achtsamkeit auf. Mediziner Lee Won-woo hob hervor, dass Betroffene bei Schwellungen oder HitzegefĂŒhl auch ohne Schmerzsymptome unverzĂŒglich Ă€rztliche Hilfe suchen sollten, da diabetische Neuropathien Schmerzen unterdrĂŒcken und erste Röntgenbilder frĂŒhe Destruktionen oder Infektionen wie den Charcot-Fuß nicht immer eindeutig abbilden. Das Krankenhaus rĂ€t zur tĂ€glichen Inspektion, zu entlastenden Orthesen und warnt vor Barfußlaufen oder zu kurz geschnittenen FußnĂ€geln.

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Hohe globale Krankheitslast und innovative AnsÀtze

Die Notwendigkeit einer frĂŒhzeitigen Intervention unterstreichen epidemiologische Erhebungen. Nach Angaben von Dr. Conrado Polanco OrtĂ­z vom mexikanischen Gesundheitsunternehmen Esteripharma erleidet in Mexiko schĂ€tzungsweise ein Viertel aller Diabetespatienten im Leben ein FußgeschwĂŒr. Nahezu 60 Prozent dieser Ulzera sind infiziert und bilden die Hauptursache fĂŒr Amputationen.

Durch ein zeitnahes multidisziplinĂ€res Eingreifen ließen sich jedoch rund 85 Prozent der Amputationen vermeiden. Bei GeschwĂŒren, die nach 20 Wochen Behandlungsdauer weiter offen bleiben, verschlechtere sich die Prognose in 70 Prozent der FĂ€lle durch IschĂ€mien oder Infektionen dramatisch.

Parallel dazu treibt die medizinische Forschung neue Verfahren voran. Das biopharmazeutische Unternehmen PolyPid nahm PD01B, eine lokal freigesetzte Formulierung auf Basis von Doxycyclin, fĂŒr die Behandlung mĂ€ĂŸiger bis schwerer diabetischer Fußinfektionen in die Entwicklung auf. Erste klinische Studien sind fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte 2027 vorgesehen.

In Deutschland untersucht das LMU Klinikum zusammen mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum DĂŒsseldorf in einer Studie, ob mittels transverser Kallusdistraktion am Unterschenkelknochen ĂŒber einen Fixateur externe Durchblutung und Geweberegeneration so gefördert werden können, dass drohende Amputationen abgewendet werden.

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