Die Erde reflektiert immer weniger Sonnenlicht
29.09.2025 - 21:00:07Die Erde ist von 2001 bis 2024 dunkler geworden - sie reflektiert also weniger Sonnenlicht. Und diese Entwicklung ist auf der Nordhalbkugel stĂ€rker ausgeprĂ€gt als auf der sĂŒdlichen HĂ€lfte des Planeten, wie ein Forschungsteam im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» («PNAS») berichtet. Eine solche Ungleichheit zwischen nördlicher und sĂŒdlicher HemisphĂ€re, die bisher nicht bekannt war, entdeckte ein Team um Norman Loeb vom Nasa Langley Research Center in Hampton (US-Bundesstaat Virginia) nach Analysen von Satellitendaten.Â
Generell gewinne die SĂŒdhalbkugel im Durchschnitt Strahlungsenergie an der Obergrenze der AtmosphĂ€re hinzu, wĂ€hrend es auf der Nordhalbkugel einen Nettoverlust gebe, schreibt die Gruppe. FrĂŒhere Studien ergaben demnach allerdings, dass dieses Ungleichgewicht in der Bilanz durch atmosphĂ€rische und ozeanische Zirkulationen ausgeglichen wird, die Energie ĂŒber den Ăquator von der SĂŒd- zur Nordhalbkugel transportieren.
RĂŒckgang der OberflĂ€chenalbedo auf der Nordhalbkugel
Die aktuelle Studie zeigt nun, dass die atmosphĂ€rischen und ozeanischen Zirkulationen in den letzten beiden Jahrzehnten die Unterschiede nicht ganz ausgleichen konnten. Bei einer durchschnittlichen Energieaufnahme durch die Sonneneinstrahlung von 240 bis 243 Watt pro Quadratmeter ist ein Auseinanderdriften um 0,34 Watt pro Quadratmeter und Jahrzehnt zwar nicht sehr viel. Dennoch sei der Wert statistisch bedeutsam, schreibt das Team.Â
Verantwortlich fĂŒr die unterschiedliche Entwicklung auf der Nord- wie auf der SĂŒdhalbkugel sind demnach Entwicklungen von Wasserdampf und Wolken in der AtmosphĂ€re sowie VerĂ€nderungen der Albedo an der ErdoberflĂ€che. Albedo ist das RĂŒckstrahlvermögen von OberflĂ€chen. So reflektieren etwa Eis und Schnee mehr Sonnenstrahlung als Gestein oder Wasser. Der Studie zufolge trĂ€gt auf der Nordhalbkugel die Abnahme der Meereiskonzentration und der Schneebedeckung zur Verdunkelung bei.
BuschbrĂ€nde in Australien und Vulkanausbruch im SĂŒdpazifik
Neben diesen Faktoren leistet die Wechselwirkung zwischen Strahlung und Aerosolen - also winzigen Schwebeteilchen - den gröĂten Beitrag zu der Differenz. Denn diese Teilchen tragen als Kondensationskerne zur Wolkenbildung bei, was wiederum die Reflexion der Sonnenstrahlung fördert. Den gefundenen Trend erklĂ€ren die Forscher damit, dass auf der Nordhalbkugel die Feinstaubbelastung aufgrund von UmweltschutzmaĂnahmen - etwa in Europa, den USA und China - deutlich gesunken ist.Â
Im Gegensatz dazu hĂ€tten auf der SĂŒdhalbkugel unter anderem die BuschbrĂ€nde in Australien und der Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga im sĂŒdlichen Pazifik in den Jahren 2021 und 2022 zu einer gröĂeren Menge von Aerosolen gefĂŒhrt.Â
Erkenntnisse wichtig fĂŒr Modelle zum Klimawandel
Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Unterschiede bei der Abdunkelung zwischen den beiden Erdhalbkugeln auch durch VerĂ€nderungen in der Wolkenbedeckung kompensiert werden. Die Studie deute jedoch darauf hin, dass die Rolle von Wolken bei der Aufrechterhaltung der hemisphĂ€rischen Symmetrie begrenzt sein könnte, heiĂt es nun. Das VerstĂ€ndnis dieser ZusammenhĂ€nge sei auch wichtig dafĂŒr, Klimamodelle zu verbessern, betonen die Forscher.









