Bundeskanzler wegen Chipfabriken-Subvention «zuversichtlich»
21.11.2023 - 17:19:41Nach dem weitreichenden Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zuversichtlich, dass die geplanten zehn Milliarden Euro an Subventionen fĂŒr den Bau einer Chipfabrik in Magdeburg weiter flieĂen können. «Wir wollen die Modernisierung unserer Volkswirtschaft weiter vorantreiben und da gehören Halbleiter und die Halbleiterindustrie dazu», sagte Scholz auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung in Jena. «Sie sehen mich jetzt hier nicht als einen Menschen ohne Zuversicht.»
Der Kanzler nutzte seinen Auftritt auf der Podiumsdiskussion allerdings nicht dazu, um die Subventionen fest zu garantieren. «Die Antwort können wir jetzt nicht aus der Hand schĂŒtteln, sondern wir mĂŒssen die uns mĂŒhsam erarbeiten.»
Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Umschichtung von 60 Milliarden Euro im Haushalt von 2021 fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Der Bund darf zur BekĂ€mpfung der Corona-Krise gedachte Gelder damit nicht fĂŒr den Klimaschutz nutzen. Das könnte sich stark auf den sogenannten Klima- und Transformationsfonds auswirken, aus dem die Bundesregierung zahlreiche Förderprogramme bezahlen wollte.
Der US-Chiphersteller Intel plant in Magdeburg den Bau einer neuen Chip-Fabrik. Die Investitionen liegen bei rund 30 Milliarden Euro, der Staat will rund 10 Milliarden Euro zuschieĂen. Ab 2027 sollen in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt die ersten Chips produziert werden.
Auch Habeck fĂŒr Fortsetzung der Chip-PlĂ€ne
Vor dem Auftritt von Scholz hatte sich schon Wirtschaftsminister Robert Habeck fĂŒr eine Fortsetzung der milliardenschweren Chip-PlĂ€ne ausgesprochen. Der GrĂŒnen-Politiker sagte, man könne nach dem Urteil aus Karlsruhe nicht nur Projekte umsetzen, fĂŒr die es bereits einen formalen Förderbescheid gebe. Nach der verhĂ€ngten Haushaltssperre sei zwar die Finanzierung aller Projekte sicher, die schon einen formalen Förderbescheid erhalten haben, sagte der Vizekanzler in Jena. «Der Umkehrschluss allerdings wĂ€re unzulĂ€ssig aus meiner Sicht.»
Das Chip-Projekt in Magdeburg wird von Vertretern der Digitalbranche als maĂgeblicher Meilenstein auf dem Weg in eine digitale SouverĂ€nitĂ€t gewertet, weil es die AbhĂ€ngigkeit von asiatischen Chipherstellern mindert. Der PrĂ€sident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht das Vorhaben dagegen kritisch: «Derzeit geht die Politik recht locker mit dem Geld um und verteilt Subventionen mit zweifelhafter BegrĂŒndung, so etwa die 10 Milliarden fĂŒr Intel in Magdeburg. Das Urteil erzwingt jetzt, vieles auf den PrĂŒfstand zu stellen», sagte der Ăkonom nach dem Entscheid aus Karlsruhe.


