VorlÀufige, SchÀtzung

VorlÀufige SchÀtzung: 1900 HIV-Neuinfektionen in Deutschland

23.11.2023 - 17:21:37

Die HIV-Neuinfektionen in Deutschland waren lange Zeit stark zurĂŒckgegangen. In einer Gruppe stagnieren sie derzeit, in anderen steigen sie leicht an.

SchĂ€tzungsweise 1900 Menschen in Deutschland haben sich vorlĂ€ufigen Ergebnissen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge vergangenes Jahr mit HIV infiziert. Weil noch Daten fehlten, sei der Stand noch nicht endgĂŒltig, teilte das RKI am Donnerstag mit. FĂŒr das Jahr 2021 schĂ€tzen die Experten die Zahl der HIV-Neuinfektionen auf 1800.

Bei MĂ€nnern, die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM), sank die Zahl der Neuinfektionen laut RKI seit 2007 zunĂ€chst deutlich. In den letzten drei Jahren blieb sie demnach relativ stabil und liegt derzeit bei etwa 1000. Kein RĂŒckgang sei bei der Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Heterosexuellen und bei Menschen, die intravenös Drogen konsumieren zu erkennen, heißt es im Bericht. Im Gegenteil: Die Zahlen stiegen in beiden Gruppen sogar leicht an. Das liegt den Angaben zufolge unter anderem daran, dass Heterosexuelle, die mit HIV leben oder ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, sich weniger in GroßstĂ€dten konzentrieren als MSM. Außerhalb der großen StĂ€dte sei das Testangebot aber schlechter.

Den Anstieg bei Drogenkonsumenten erklĂ€rt das RKI folgendermaßen: Immer mehr Konsumenten nĂ€hmen Drogen, die nicht zur Gruppe der Opiate gehörten. FĂŒr diese Drogen gibt es laut RKI keine Substitutionstherapie. Dadurch haben Konsumenten weniger Kontakt zu medizinischen Stellen und werden weniger auf HIV getestet. Die Folge: «HIV-Infektionen werden spĂ€ter entdeckt und spĂ€ter behandelt, dadurch entstehen mehr Möglichkeiten fĂŒr lokale Infektionscluster, die in den letzten Jahren zunehmend beobachtet werden.»

RKI: HIV-Elimination ohne Impfstoff «völlig unrealistisch»

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe sich zum Ziel gesetzt, HIV und Aids bis 2030 zu beenden, heißt es in dem Bericht. Das zu erreichen ist der EinschĂ€tzung des RKI zufolge «schwer vorstellbar». «Eine HIV-Elimination aus der menschlichen Population ist völlig unrealistisch, solange kein hochwirksamer Impfstoff zur VerfĂŒgung steht – und ein solcher ist nicht in Sicht.» Stigmatisierte, kriminalisierte und marginalisierte Gruppen, die besonders hĂ€ufig von HIV betroffen seien, wĂŒrden oft nicht durch Test- und Behandlungsangebote erreicht. Zum Teil gebe es schlichtweg keine Angebote. In Deutschland seien irregulĂ€re Migranten und Menschen ohne Krankenversicherung davon betroffen.

Im internationalen Vergleich allerdings stehe Deutschland noch gut da. In anderen LÀndern steigt die Zahl der Neuinfektionen laut RKI - in Osteuropa sogar stark, vor allem in Russland. In Teilen Osteuropas entwickle sich eine Epidemie mit heterosexuellen Kontakten. Schuld daran ist aus der Sicht des RKI das Fehlen einer effektiven PrÀventionsarbeit unter Drogenkonsumenten.

@ dpa.de