Dorsch, DorschbestÀnde

Dorsch schrumpfte durch Überfischung

25.06.2025 - 20:00:37 | dpa.de

Die jahrzehntelange Überfischung der DorschbestĂ€nde in der Ostsee hat zu einer VerĂ€nderung im Erbgut der Fische gefĂŒhrt. Sie pflanzen sich bei immer geringerer GrĂ¶ĂŸe fort - ein Überlebensvorteil.

Die Dorsche in der Ostsee waren einst wesentlich grĂ¶ĂŸer. - Foto: Jesper Bay Of The Danish/Danish Institute for Fisheries and Marine Research/dpa
Die Dorsche in der Ostsee waren einst wesentlich grĂ¶ĂŸer. - Foto: Jesper Bay Of The Danish/Danish Institute for Fisheries and Marine Research/dpa

Überfischung hat sowohl die BestĂ€nde an Dorschen in der Ostsee als auch die GrĂ¶ĂŸe der Fische stark vermindert. Sie seien heutzutage viel seltener und kleiner als frĂŒher, teilte das Geomar Helmholtz-Zentrum fĂŒr Ozeanforschung in Kiel mit. Mit ĂŒber einem Meter LĂ€nge bei bis zu 40 Kilogramm Gewicht sei der östliche Ostseedorsch frĂŒher ein Gigant gewesen. «Heute wĂŒrde ein ausgewachsener Dorsch auf einen Teller passen.» Der gezielte Fang ist aufgrund des Zusammenbruchs der BestĂ€nde aber seit 2019 verboten.

Im Zusammenspiel mit UmweltverĂ€nderungen habe sich die jahrzehntelange intensive Befischung gravierend auf das Erbgut der Fische ausgewirkt, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal «Science Advances». Dadurch wĂŒrden die Fische bei immer geringerer GrĂ¶ĂŸe geschlechtsreif und pflanzen sich schon bei unter 20 Zentimetern LĂ€nge fort.

«Wenn ĂŒber Jahre hinweg bevorzugt die grĂ¶ĂŸten Tiere weggefangen werden, gibt das den kleineren, schneller reifen Individuen einen evolutionĂ€ren Vorteil», sagte Thorsten Reusch, Leiter des Forschungsbereichs Marine Ökologie am Geomar. «Was wir beobachten, ist eine durch Menschen ausgelöste Evolution – fischereiinduzierte Selektion.»

Wachstumsringe wie bei BĂ€umen

FĂŒr den Nachweis hatten die Forschenden die Gehörsteinchen von 152 Dorschen (Gadus morhua) analysiert, die zwischen 1996 und 2019 im Bornholm-Becken gefangen worden waren. An den sogenannten Otolithen kann das Alter anhand von Wachstumsringen – vergleichbar mit den Jahresringen von BĂ€umen – abgelesen werden.

Erbgutanalysen ließen bestimmte Genvarianten erkennen, die mit dem Körperwachstum in Verbindung stehen und ĂŒber die Zeit hinweg Anzeichen gerichteter Selektion zeigten – also systematisch hĂ€ufiger oder seltener wurden. Tiere mit einer genetischen Ausstattung, die sie vergleichsweise schnell wachsen lĂ€sst, sind demnach im Vergleich zu vor 30 Jahren beinahe ausgestorben. 

Kleiner Fische haben weniger Nachwuchs

Ökologisch sei das hochdramatisch, erklĂ€rte Reusch: Die nun auf frĂŒhe Geschlechtsreife programmierten, kleineren Fische bringen weniger Nachwuchs zur Welt. Aktuelle Daten zeigten, dass trotz mehrjĂ€hrigem Fangverbot bisher keine Erholung der GrĂ¶ĂŸenverteilung zu erkennen ist. Auch die Gesamtpopulation hat sich bisher nicht erholt.

Der östliche Ostseedorsch ist eine Population des atlantischen Dorsches (Gadus morhua), die in der zentralen Ostsee beheimatet ist. Die Population trennte sich vor 7.000 bis 8.000 Jahren von den anderen atlantischen Populationen, als die Ostsee entstand. Biologisch und genetisch unterscheidet er sich von anderen atlantischen BestÀnden wie dem westlichen Ostseedorsch oder dem Nordsee-Kabeljau.

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