Deutschland, Impfstoff

Deutschland bunkert keinen Impfstoff gegen Vogelgrippe

08.12.2024 - 05:00:37

Die Vogelgrippe hat weltweit Millionen Tiere getötet, darunter auch SÀugetiere. Es gibt Impfstoffe gegen die Krankheit. Einige LÀnder halten diese vor, die Bundesregierung nicht.

Die Bundesregierung hat bisher keine Impfstoffe gegen die Vogelgrippe zentral beschafft. Das geschehe nur «im Falle einer bestehenden oder drohenden bedrohlichen ĂŒbertragbaren Krankheit», erklĂ€rte das Gesundheitsministerium auf Anfrage. Das aktuelle Risiko fĂŒr die allgemeine Bevölkerung schĂ€tzt die EuropĂ€ische Seuchenschutzbehörde ECDC als gering ein.

Fachleute betrachten das Vogelgrippevirus H5N1 jedoch als potenziellen Pandemie-Kandidaten. Das Virus hat in den vergangenen Jahren Millionen Tiere getötet, darunter viele SÀugetiere.

Immer wieder kommt es auch zu Erkrankungen von Menschen, zuletzt vor allem in den USA, wo sich Mitarbeiter von GeflĂŒgel- und Milchviehbetrieben infizierten. Eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung gab es bisher jedoch nicht.

EU und UK sicherten sich Impfdosen

Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) wurden bereits mehrere Impfstoffe gegen Vogelgrippe entwickelt. Weitere, auch mRNA-basierte Impfstoffe seien in Entwicklung.

Die EU sicherte sich 665.000 Impfdosen des Herstellers CSL Seqirus fĂŒr mehrere Mitgliedsstaaten. Deutschland beteiligte sich nicht. Gerade erst wurde bekannt, dass auch die britische Regierung fĂŒnf Millionen Impfdosen gegen H5N1 bestellte. 

«Es ist wichtig, dass wir gegen eine Reihe verschiedener Grippeviren gewappnet sind, die ein Risiko fĂŒr die menschliche Gesundheit darstellen können», sagte Meera Chand von der Gesundheitsbehörde UK Health Service Agency. «Ein frĂŒher Zugang zu Impfstoffen rettet Leben.»

Herstellung schnell möglich

Zahlreiche Unternehmen können neue Grippe-Impfstoffe herstellen, weil sie das zweimal jĂ€hrlich auch fĂŒr die saisonalen Impfstoffe machen. Bei Bedarf könnten diese angepasst werden, erklĂ€rte das Gesundheitsministerium in Berlin.

Die StĂ€ndige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Personen mit erhöhter GefĂ€hrdung durch direkten Kontakt zu GeflĂŒgel und Wildvögeln die saisonale Grippeschutzimpfung. Sie erfolge nicht zum Schutz vor Infektionen mit den Vogelgrippeviren, könne jedoch eine Doppelinfektion mit aktuell zirkulierenden menschlichen Grippeviren verhindern, erklĂ€rte das Ministerium. So werde das Risiko fĂŒr einen Austausch von genetischen Informationen der Viren reduziert. 

Diesen möglichen Austausch von Gen-Informationen in einem Menschen, der mit zwei Arten von Grippeviren infiziert ist, also H5N1 und humaner Influenza, sehen auch Virologen als Problem. Das aktuelle Infektionsgeschehen in den USA mache daher eine engmaschige Überwachung von Virus-Proben unbedingt erforderlich, erklĂ€rte Martin Schwemmle, Forschungsgruppenleiter am Institut fĂŒr Virologie des UniversitĂ€tsklinikums Freiburg. Nur so könne das Auftreten weiterer Mutationen, die das GefĂ€hrdungspotenzial fĂŒr den Menschen erhöhen, frĂŒhzeitig erkannt werden.

@ dpa.de