Weltweite, Notlage

Weltweite Notlage wegen Mpox - nicht genĂŒgend Impfstoff

15.08.2024 - 02:30:36

Die WHO schlĂ€gt Alarm: Neue Mpox-AusbrĂŒche in Afrika bedrohen die öffentliche Gesundheit weltweit. Ein wichtiges Werkzeug zur EindĂ€mmung fehlt in Afrika.

  • Konkrete Folgen hat die ErklĂ€rung einer Notlage zunĂ€chst nicht (Archivbild) - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa

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  • Der Infektiologe Leif Erik Sander sieht Deutschland gut gewappnet. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa

    Michael Kappeler/dpa

  • In Afrika fehlt Mpox-Impfstoff. (Archivbild) - Foto: Moses Sawasawa/AP

    Moses Sawasawa/AP

Konkrete Folgen hat die ErklÀrung einer Notlage zunÀchst nicht (Archivbild) - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpaDer Infektiologe Leif Erik Sander sieht Deutschland gut gewappnet. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpaIn Afrika fehlt Mpox-Impfstoff. (Archivbild) - Foto: Moses Sawasawa/AP

Mehrere Mpox-AusbrĂŒche in Afrika und eine neue womöglich gefĂ€hrliche Variante bedrohen die öffentliche Gesundheit weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb die höchste Alarmstufe ausgerufen. Sie erklĂ€rte eine «Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite» (PHEIC). 

Konkrete Folgen hat dies nicht. Die WHO will damit zum einen Behörden in aller Welt zu erhöhter Wachsamkeit bringen. Sie hofft zudem auf mehr finanzielle UnterstĂŒtzung von EindĂ€mmungsmaßnahmen in Afrika. Die AbkĂŒrzung PHEIC steht fĂŒr «public health emergency of international concern». Ein CharitĂ©-Infektiologe sieht Deutschland gut gewappnet gegen die neue Virenvariante, mahnt aber zur Achtsamkeit. 

Neue Variante womöglich ansteckender

Besondere Sorge bereitet der WHO die neue Variante, die Ende 2023 in der Demokratischen Republik Kongo entdeckt worden ist. Es handelt sich um eine Sublinie der Mpox-Klade I (römisch eins). Sie wird als Ib bezeichnet. 

Nach Beobachtung von Experten vor Ort dĂŒrfte sie ansteckender sein als bisherige Varianten und eine schwerere Infektion auslösen, sagte Dimie Ogoina, ein nigerianischer Spezialist fĂŒr Infektionskrankheiten an der Niger Delta-UniversitĂ€t. Er leitete den WHO-Notfallausschuss unabhĂ€ngiger Experten, die der WHO die Ausrufung der Notlage empfohlen haben. 

EU-Behörde sieht wenig Risiko in Europa 

Die EuropÀische Gesundheitsbehörde ECDC hat das Risiko einer Ausbreitung der neuen Variante in Europa Ende Juli als «sehr gering» eingeschÀtzt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gibt es bislang keine bekannten FÀlle der Klade I.

«Mpox ist nicht so leicht ĂŒbertragbar», sagte Virenforscherin Marion Koopmans von der Erasmus-UniversitĂ€t Rotterdam. «Es wird durch direkten Kontakt verbreitet und ist daher ­­– theoretisch – relativ leicht zu stoppen, wenn es diagnostiziert und erkannt wird.» 

Die Ib-Variante breitet sich unter anderem durch Sexualkontakte aus, so Ogoina. In der Demokratischen Republik Kongo seien aber auch vor allem kleine Kinder infiziert, die einen Großteil der TodesfĂ€lle ausmachten. 

Infektiologe: keine unmittelbare Gefahr fĂŒr Deutschland

FĂŒr Menschen in Deutschland besteht nach Ansicht des Infektiologen Leif Erik Sander zunĂ€chst keine unmittelbare Gefahr. «Wir brauchen momentan ganz sicher keine flĂ€chendeckende Impfung fĂŒr eine Erkrankung, die jetzt primĂ€r Menschen in unterprivilegierten Gegenden von Afrika betrifft», sagte der CharitĂ©-Experte der Deutschen Presse-Agentur. «Ich glaube nicht, dass eine Eintragung nach Europa jetzt unmittelbar bevorsteht, aber es ist natĂŒrlich total realistisch, dass das bei einer weiteren Ausweitung des Infektionsgeschehens passieren kann», sagte Sander. 

Konkret Sorgen machen, mĂŒsse man sich derzeit aber nicht. Trotzdem sei es wichtig, ein Bewusstsein fĂŒr die Krankheit und ihre Gefahren zu schaffen. Menschen sollten weiter wachsam sein und sich bei Symptomen testen lassen. 

Mehr als 14.000 VerdachtsfÀlle nur Spitze des Eisbergs?

Es wurden in diesem Jahr schon mehr als 14.000 Mpox-VerdachtsfĂ€lle und mehr als 500 TodesfĂ€lle aus der Demokratischen Republik Kongo und anderen LĂ€ndern gemeldet - mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Ogoina warnte, das sei womöglich nur die Spitze des Eisbergs, weil nicht genĂŒgend getestet werde und nicht alle Infizierten zu Ärzten gingen. 

Mpox hießen frĂŒher Affenpocken, weil sie zufĂ€llig erstmals bei Affen nachgewiesen worden waren. Generell will die WHO Krankheiten aber nicht nach Tieren oder LĂ€ndern benennen, in denen sie entdeckt werden, um Diskriminierungen vorzubeugen.

Das Virus ist mit dem klassischen Pockenvirus verwandt. Es löst vor allem Hautausschlag aus, aber auch Fieber und Muskelschmerzen. Es gibt zwei Impfstoffe, aber bei weitem nicht genĂŒgend Dosen, vor allem nicht in Afrika. 

Wer hat Impfstoff? 

Tim Nguyen von der WHO sagte, es stĂŒnden 500.000 Impfdosen vom MVA-BN-Impfstoff zum Kauf bereit. Weitere 2,4 Millionen könnten bis Ende des Jahres produziert werden, wenn es feste AuftrĂ€ge gebe. Die WHO appellierte an GeberlĂ€nder, dafĂŒr Geld bereitzustellen. Sie bat LĂ€nder mit LagerbestĂ€nden auch darum, Impfdosen abzugeben. Der zweite Impfstoff LC16 werde in Japan hergestellt. Die EU hat bereits angekĂŒndigt, gut 175.000 Dosen des MVA-BN-Impfstoffs zur VerfĂŒgung zu stellen. Der Hersteller, das Pharmaunternehmen Bavarian Nordic, wollte 40.000 Dosen spenden.

Wie die Welt die AusbrĂŒche 2022 meisterte 

Die WHO hatte bereits im Juli 2022 einmal eine Notlage wegen Mpox ausgerufen. Damals wurden plötzlich aus mehr als 60 LĂ€ndern FĂ€lle der Krankheit, die bis dahin praktisch nur in Afrika bekannt war, gemeldet, darunter auch Deutschland. Die Ansteckungen gingen auf Klade II zurĂŒck. Im Mai 2023 hatte die WHO die Notlage wieder aufgehoben, weil das Infektionsgeschehen in den meisten LĂ€ndern unter Kontrolle gebracht worden war.

@ dpa.de