Digitale Abos: Deutsche geben durchschnittlich 62 Euro monatlich aus
20.06.2026 - 01:30:43 | boerse-global.de
Die Deutschen sparen beim Klamottenkauf und im Kino – doch bei digitalen Abos wird kaum gespart. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung BearingPoint. Demnach geben die Haushalte hierzulande im Schnitt 62 Euro pro Monat für digitale Dienste aus. Im Vorjahr waren es noch 55 Euro. Die Erhebung basiert auf einer Befragung von rund 7.500 Teilnehmern.
Sparen beim Shoppen, Ausgaben bei Streaming
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Der Anstieg fällt in eine Zeit, in der viele Verbraucher ihre Budgets für materielle Güter zusammenstreichen. Eine Umfrage von Kantar und Idealo vom Juni 2026 zeigt: 52 Prozent der Befragten sparen bei Kleidung und Accessoires, 46 Prozent haben ihre Ausgaben für Kinobesuche reduziert. Eine BCG-Studie aus dem April belegt zudem, dass 81 Prozent der Konsumenten ihre Ausgaben genauer unter die Lupe nehmen. 44 Prozent gaben an, weniger zu konsumieren als im Vorjahr.
Ganz anders sieht es im digitalen Bereich aus. 19 Prozent der deutschen Haushalte geben inzwischen mehr als 100 Euro monatlich für Abos aus – ein Anstieg von 15 Prozent im Vorjahr. Besonders auffällig: 28 Prozent der Befragten zahlen mittlerweile für Inhalte von Influencern. Im europäischen Vergleich liegen die Deutschen damit vorn. Französische Haushalte geben im Schnitt nur 41 Euro pro Monat für vergleichbare Dienste aus.
Nachrichten-Abos: Die große Zurückhaltung
Während Unterhaltungsangebote boomen, tun sich Nachrichtenverlage weiterhin schwer. Nur 14 Prozent der Deutschen haben ein kostenpflichtiges Online-Nachrichtenabo. Das liegt auch an den steigenden Preisen. Eine Analyse von Oxylabs zeigt: 60 Prozent der Nachrichtenplattformen setzen inzwischen auf harte Bezahlschranken. Zwischen 2020 und 2026 stiegen die Preise für Nachrichtenabos um durchschnittlich 17 Prozent. Die "New York Times" verdoppelte ihren monatlichen Preis auf umgerechnet rund 30 Euro.
Wer zahlt, gibt allerdings ordentlich aus. In den USA liegen die durchschnittlichen monatlichen Abo-Ausgaben bei umgerechnet rund 204 Euro. Der deutsche Markt bleibt hier deutlich zurück.
Der Nachrichtenmarkt erlebte zudem eine bedeutende Konsolidierung: Axel Springer übernahm den "Telegraph" für 575 Millionen Pfund – obwohl Analysten den Wert des Blatts auf nur 350 Millionen Pfund schätzten. Das Blatt selbst vermeldete ein digitales Abo-Wachstum von 18 Prozent im Jahr 2024 auf insgesamt 1,086 Millionen Abonnenten.
Neue Plattformen und milliardenschwere Regulierung
Der Markt wächst weiter. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) startete am 22. Mai 2026 seinen eigenen Streaming-Dienst DFB.TV+. Das Angebot bündelt Inhalte der Nationalmannschaften und der Frauen-Bundesliga. Auch Google ist mit einem neuen Premium-Angebot am Start: "Google AI Ultra" kostet in Deutschland 274,99 Euro pro Monat und bietet Videoproduktions-Tools, Gemini-Zugang und werbefreies YouTube.
Dieses kommerzielle Wachstum wird künftig strenger reguliert. Am 27. Mai 2026 billigte das Bundeskabinett den Entwurf des Medieninvestitionsgesetzes (MedienInvestVG). Es soll ab dem 1. Januar 2027 gelten. Dann müssen Video-on-Demand-Dienste acht Prozent ihrer jährlichen Netto-Erlöse aus Deutschland in europäische Produktionen investieren. 60 Prozent dieser Mittel müssen in neue Werke fließen, 70 Prozent an unabhängige Produzenten.
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Werbemarkt im Wandel
Die Verbraucher werden preissensibler: Laut BCG werden 74 Prozent aller Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflusst. Der Werbemarkt reagiert darauf mit einer klaren Verschiebung ins Digitale. Die Nielsen-Daten für Mai 2026 zeigen: Der deutsche Werbemarkt wuchs auf einen Bruttowert von 3,03 Milliarden Euro. Online-Werbung legte um 12,8 Prozent auf 472,1 Millionen Euro zu. Zeitungen und Zeitschriften verloren dagegen 3,2 beziehungsweise 3,0 Prozent.
Der Trend zum Digitalen zeigt sich auch bei den Zahlungsgewohnheiten. Eine Bundesbank-Studie aus dem Jahr 2025 belegt: Bargeldloses Bezahlen machte erstmals 55 Prozent aller Transaktionen in Deutschland aus – und schafft damit die Infrastruktur für die wachsende Abo-Ökonomie.
