Digitale Entgiftung: Mehr als acht von zehn Befragten stehen ihr positiv gegenüber
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Reduzierung von Bildschirmzeiten und die temporäre Trennung von vernetzten Endgeräten gewinnen in der verhaltenswissenschaftlichen Forschung zunehmend an Bedeutung.
Forschende der Universität Bath und der Goethe-Universität Frankfurt haben mit der Skala „Attitude toward Digital Detox“ (ADD) erstmals ein validiertes Messinstrument vorgestellt, das die Einstellung von Personen zu einer zeitweisen Reduktion ihres digitalen Konsums erfasst.
Die in der Fachzeitschrift „Psychology & Marketing“ von den Autoren Winkler, Eckmann, Bornemann und Landwehr veröffentlichte Skala besteht aus sieben Testfragen und schließt eine methodische Lücke bei der Untersuchung von Erholungsphasen im digitalen Zeitalter.
Hohe Zustimmung, aber offene Fragen beim Handeln
Zur Entwicklung und Validierung des Messinstruments analysierte das Forschungsteam Daten aus sieben Teilstudien. Die Stichproben setzten sich aus erwachsenen Personen aus den USA, mitteleuropäischen Studierenden, Mitgliedern der Plattform Reddit sowie Experten für Verbraucherverhalten zusammen.
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Die Ergebnisse der Goethe-Universität Frankfurt verdeutlichen eine breite Akzeptanz des Konzepts: Mehr als acht von zehn Befragten standen einer digitalen Entgiftung positiv gegenüber. Allerdings erfasste die Erhebung ausschließlich die grundlegende Haltung der Teilnehmenden und überprüfte nicht, ob diese im Alltag tatsächlich praktische Reduktionsschritte unternahmen.
Zugleich zeigte sich, dass eine positive Einstellung zu digitalen Pausen statistisch mit Persönlichkeitsmerkmalen wie Achtsamkeit und Selbstbeherrschung zusammenhängt. Zudem konnte die Skala voraussagen, wie viel Zeit die Teilnehmenden mit dem Konsum von Online-Videos verbrachten. Prof. Landwehr von der Goethe-Universität Frankfurt hob hervor, dass ein latentes Bedürfnis nach Entgiftung in einer breiten Mehrheit der Bevölkerung vorhanden sei.
Wissenschaftliche Befunde zu Konsumreduktion und Wohlbefinden
Das wachsende Interesse an Nutzungspausen spiegelt sich auch in weiteren Untersuchungen zum Umgang mit Endgeräten wider. Eine im Jahr 2025 in „PNAS Nexus“ veröffentlichte Studie zeigte auf, dass eine zweiwöchige Blockade des Internets auf Mobiltelefonen – sowohl über WLAN als auch über mobile Datennetze – die Aufmerksamkeit, das subjektive Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Probanden verbessern konnte. Die beteiligten Personen reduzierten ihre Gerätenutzung und widmeten mehr Zeit anderen Beschäftigungen.
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Gleichzeitig fallen Ergebnisse zur Medienabstinenz nicht in allen Bereichen einheitlich aus. Eine 2025 im Journal „Scientific Reports“ veröffentlichte Meta-Analyse, die zehn Studien mit 4.674 Erwachsenen zusammenfasste, fand im Durchschnitt keinen statistisch signifikanten Effekt eines reinen Verzichts auf soziale Medien auf positive oder negative Emotionen sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit.
Eine klinische Studie mit 111 Universitätsstudenten wiederum dokumentierte bei einer Begrenzung der Smartphone-Nutzung auf maximal zwei Stunden pro Tag über drei Wochen kleine bis moderate Verbesserungen beim allgemeinen Wohlbefinden, bei depressiven Symptomen, bei der Schlafqualität sowie beim empfundenen Stress.
Dass die Diskrepanz zwischen Absicht und Handeln im Alltag weit verbreitet ist, belegen internationale Erhebungen. So gaben in der Befragung „TIC Kids Online Brasil 2024“ 25 Prozent der Internetnutzer im Alter von 15 bis 17 Jahren an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate vergeblich versucht zu haben, ihre Online-Zeiten zu reduzieren.
Vor diesem Hintergrund liefern standardisierte Messinstrumente wie die neu entwickelte Skala eine empirische Grundlage, um Motivationen und Barrieren bei der Regulierung des Medienkonsums künftig differenzierter zu erforschen.
