Digitale Gesundheit: KBV plant elektronische Überweisungen für 170 Millionen
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die kv.digital GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), treibt die digitale Transformation der medizinischen Infrastruktur weiter voran. Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen stehen die Kommunikationsdienste im Medizinwesen (KIM) sowie die Optimierung des 116117 Terminservice. Durch eine Reihe strategischer Veranstaltungen und technischer Neuerungen soll die Interoperabilität zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens nachhaltig verbessert werden.
Strategische Vernetzung und digitale Fachdienste
Das Unternehmen kv.digital setzt verstärkt auf den Ausbau seines KIM-Dienstes kv.dox, um einen sicheren Datenaustausch innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) zu gewährleisten. Bereits im Frühjahr präsentierte sich das Unternehmen auf der Branchenmesse DMEA, die vom 21. bis zum 23.04.2026 stattfand. Ein weiteres zentrales Ereignis war ein Partnermeeting am 17.06.2026 in Berlin, bei dem die Zusammenarbeit mit verschiedenen Systemhäusern und Dienstleistern im Fokus stand. Für den 24.09.2026 ist zudem ein Interoperabilitätsworkshop geplant, der technische Standards und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme weiter vertiefen soll.
Parallel dazu unterstützt die Muttergesellschaft KBV die Einführung der elektronischen Überweisung (GeDIG). Das vorgelegte Konzept sieht einen speziellen Versorgungsfachdienst innerhalb der TI vor, um den Austausch von Überweisungsdaten effizient zu gestalten. Nach Einschätzung der KBV sei die elektronische Patientenakte (ePA) für diesen spezifischen Zweck nicht geeignet. Das geplante System sieht dezidierte Zugriffsrechte für Ärzte, Patienten sowie die Terminservicestellen vor. Branchenexperten gehen davon aus, dass die Anzahl der Überweisungen im Primärarztsystem durch die Digitalisierung von derzeit etwa 170 Millionen pro Jahr ansteigen könnte.
Erweiterte Funktionen der Telematikinfrastruktur
In den letzten Wochen wurden zudem bedeutende Neuerungen im Bereich der Versichertenanwendungen umgesetzt. Seit dem 01.07.2026 sind Push-Benachrichtigungen in den ePA-Apps der gesetzlichen Krankenversicherungen live geschaltet. Darüber hinaus startete Mitte Juli die Pilotierung des elektronischen Medikationsplans (eMP). Dieser soll den bisherigen bundeseinheitlichen Medikationsplan in Papierform ablösen und eine einrichtungsübergreifende, integrierte Sicht auf die Medikation der Patienten ermöglichen.
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Effizienzsteigerung in der Arzneimittelversorgung
Ein weiterer Fortschritt bei der Digitalisierung zeigt sich in der Apothekenabrechnung. Die GfS bietet seit März 2026 ein System zur Echtzeitprüfung von E-Rezepten an, das mit einem Ampelsystem arbeitet. Rund 4.000 Apotheken nutzen diesen Dienst bereits, wobei bisher über 200.000 E-Rezepte fehlerfrei verarbeitet wurden. Die technische Bearbeitungszeit pro Rezept wird mit 0,5 Sekunden angegeben. Durch das System konnten laut Angaben der Betreiber bereits 10.000 Retaxationen verhindert werden. Zu den teilnehmenden Kostenträgern gehören unter anderem die Mobil Krankenkasse und die HEK.
Während die technische Umsetzung voranschreitet, bleibt das regulatorische Umfeld komplex. Das GKV-Spargesetz sieht eine Erhöhung des Apothekenrabatts vor, zudem gibt es Diskussionen über mögliche Verzögerungen bei der Apothekenvergütung. Auf europäischer Ebene stößt die Verschärfung von Temperaturregeln für den Pharmagroßhandel derzeit auf Widerstand.
Konzepte für die Primärversorgung und digitale Assistenz
Zusätzlich zu den technischen Infrastrukturprojekten werden neue Konzepte für die strukturelle Patientenversorgung diskutiert. Der SoVD legte ein Modell vor, das den Hausarzt als zentrale erste Anlaufstelle in Primärversorgungszentren vorsieht. Hierbei sollen interprofessionelle Teams verstärkt auf Berufe wie Physician Assistants und Advanced Practice Nurses setzen. Auch die Bundesländer fordern in diesem Zusammenhang eine Stärkung nichtärztlicher Gesundheitsberufe.
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Unterstützt wird die Informationsbereitstellung zunehmend durch automatisierte Systeme. Der Medizinische Dienst Bayern hat hierzu den KI-Chatbot „Pia“ eingeführt. Das System steht Versicherten und Einrichtungen rund um die Uhr für qualitätsgesicherte Pflegeinformationen zur Verfügung, wobei betont wird, dass die Anwendung eine individuelle Fachberatung ergänzt, aber nicht ersetzt.
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