Digitale Kluft: Zehn Millionen Deutsche fühlen sich abgehängt
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die digitale Transformation stellt für weite Teile der Gesellschaft eine erhebliche Herausforderung dar. Aktuellen Berichten zufolge empfinden rund zehn Millionen Menschen in Deutschland den Anschluss an die digitale Welt als verloren. Während insbesondere die ältere Generation mit der Geschwindigkeit der Entwicklungen ringt, zeigt sich auch in jüngeren Altersgruppen eine zunehmende Belastung durch die technologische Komplexität.
Regionale Hilfsangebote in Rostock und Wiesbaden für Einsteiger
In Städten wie Rostock, in denen mit rund 53.000 Rentnern etwa ein Viertel der Bevölkerung zur Gruppe der Senioren gehört, wächst der Bedarf an Unterstützung. Lokale Institutionen wie Stadtteilbegegnungszentren (SBZ), die Volkshochschule sowie weitere Bildungszentren haben reagiert und bieten gezielte Hilfe für Digital-Einsteiger an. Ziel ist es, die Hürden bei der Nutzung von Smartphones und Computern abzubauen.
Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden wird das Unterstützungsnetzwerk ausgebaut. Ab September 2026 erweitern die sogenannten Digi-Lotsen ihre Sprechstunden für Senioren. In der Kirchgasse werden zusätzliche Termine am 30. September, 21. Oktober, 25. November und 16. Dezember angeboten. Diese kostenlosen Beratungen finden jeweils mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr statt und erfordern keine vorherige Anmeldung. Ein Koordinator des Projekts steht für Rückfragen zur Verfügung, um den Zugang zu digitalen Alltagshilfen zu erleichtern.
Steigende Online-Nutzung trifft auf komplexe Barrieren
Trotz der bestehenden Hürden verzeichnet die Internetnutzung bei älteren Menschen einen deutlichen Aufwärtstrend. Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom vom Anfang des Jahres nutzen mittlerweile 74 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland das Internet. Im Vergleich dazu lag dieser Wert im Jahr 2020 noch bei 48 Prozent und im Jahr 2014 bei lediglich 38 Prozent. Die Mehrheit der Senioren nutzt das Netz für die Freizeitgestaltung (91 Prozent) oder zur Pflege sozialer Kontakte (72 Prozent). Zudem gaben 81 Prozent an, die Digitalisierung grundsätzlich als Chance zu begreifen.
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Dennoch bleibt ein signifikanter Teil der Bevölkerung exkludiert. Rund 26 Prozent der über 65-Jährigen sind weiterhin offline, wobei fehlendes Wissen als Hauptgrund angeführt wird. Besonders deutlich wird die Überforderung in der Gruppe der über 75-Jährigen, von denen sich 60 Prozent von der digitalen Entwicklung überfordert fühlen. Überraschenderweise empfinden laut Berichten aus dem Juli 2026 auch 25 Prozent der 16- bis 49-Jährigen die digitale Dynamik als belastend.
Defizite bei der Digitalen Rentenübersicht
Ein konkretes Beispiel für die Akzeptanzprobleme digitaler Behörden- und Finanzdienstleistungen ist die Digitale Rentenübersicht. Eine INSA-Umfrage im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) im Juli 2026 ergab, dass 50 Prozent der Befragten dieses Angebot überhaupt nicht kennen. Lediglich 12 Prozent nutzen die Übersicht tatsächlich.
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Als Gründe für die Zurückhaltung wurden neben mangelndem Interesse (25 Prozent) vor allem ein zu aufwendiger Registrierungsprozess (23 Prozent) sowie Datenschutzbedenken (22 Prozent) genannt. Mit steigendem Alter sinkt die Bekanntheit des Dienstes weiter: Bei den über 70-Jährigen gaben 66 Prozent an, noch nie davon gehört zu haben. Ein Sprecher des DIA forderte angesichts dieser Zahlen einen deutlich einfacheren Zugang zu solchen digitalen Angeboten.
Internationale Ansätze zur Förderung der digitalen Teilhabe
Andere Länder setzen verstärkt auf strukturierte Förderprogramme, um die digitale Kluft zu schließen. In Südkorea bietet die Samsung Senior Digital Academy (SSDA) spezielle Schulungen an, die über die reine Anwendung hinausgehen. Rund 68 Prozent der Absolventen finden im Anschluss an die Kurse eine Beschäftigung, etwa in der Logistik oder als Kursleiter. Dies ist vor dem Hintergrund bedeutsam, dass der Digitalisierungsgrad der über 65-Jährigen in Südkorea laut einer Erhebung von 2025 mit 71,8 Prozent unter dem Durchschnitt anderer Altersgruppen liegt.
In Griechenland kündigte das zuständige Ministerium ein Programm namens „Digital Empowerment“ an. Es richtet sich an 6.500 Personen über 65 Jahre sowie an Menschen mit Behinderungen. Hierfür werden landesweit 194 Zentren genutzt, um digitale Kompetenzen direkt in Seniorenstrukturen und Behindertenorganisationen zu vermitteln.
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