Digitale, Kompetenzen

Digitale Kompetenzen: 56% der Unternehmen sehen dringenden Handlungsbedarf

25.06.2026 - 11:40:31 | boerse-global.de

Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht dringenden Handlungsbedarf bei digitalen Kompetenzen. Besonders Großfirmen und der Einzelhandel sind betroffen.

TÜV-Studie 2026: Digitaler Nachholbedarf in deutschen Firmen
Digitale - Geschäftsleute arbeiten in einem modernen Büro mit digitalen Geräten und Datenströmen, symbolisiert digitale Kompetenzentwicklung. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die aktuelle TÜV-Weiterbildungsstudie 2026 zeigt: Mehr als die Hälfte aller Unternehmen sieht dringenden Handlungsbedarf.

Weiterbildungsbedarf erreicht neue Höchstwerte

Die Studie, basierend auf einer Forsa-Umfrage unter 500 Unternehmen vom Februar 2026, identifiziert digitale Anwendungskompetenzen als das wichtigste Weiterbildungsfeld. 56 Prozent aller befragten Firmen sehen hier großen Nachholbedarf. Besonders betroffen sind Großunternehmen: Bei Organisationen mit 250 oder mehr Beschäftigten steigt der Wert auf 74 Prozent.

Die Nachfrage variiert stark nach Branche. Der Einzelhandel liegt mit 63 Prozent an der Spitze, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (59 Prozent) und dem Dienstleistungssektor (54 Prozent). Darüber hinaus melden 46 Prozent der Unternehmen spezifischen Bedarf an fortgeschrittenen digitalen Fähigkeiten – darunter IT-Sicherheit, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz.

Der TÜV-Verband fordert daher eine „digitale Kompetenzoffensive". Weitere Diskussionen zu den Ergebnissen sind für den 26. Juni 2026 auf der Veranstaltung TÜV TALK in Berlin geplant.

EU-Bericht: Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau hinterher

Der Digitale Dekade Bericht der Europäischen Kommission vom 24. Juni 2026 zeichnet ein gemischtes Bild der deutschen Digitalisierung. Deutschland belegt demnach den vorletzten Platz in der EU beim Glasfaserausbau und hinkt auch bei der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen hinterher.

Positiv hebt der Bericht hervor: Die Bundesrepublik bleibt der größte Mikroelektronik-Standort der EU und ist führend bei Quantentechnologien – etwa durch den Jupiter-Supercomputer in Jülich.

Die übergeordneten EU-Ziele, formuliert von UNESCO-UNEVOC, sehen vor, dass bis 2030 80 Prozent der EU-Bürger grundlegende digitale Fähigkeiten besitzen sollen. Um dies zu unterstützen, haben die EU-Kommission und die OECD kürzlich einen AI Literacy Framework vorgestellt. Der unverbindliche Leitfaden definiert 19 Kompetenzen in vier Bereichen: Umgang mit KI, Erstellung, Steuerung und Gestaltung. Diese Kompetenzen sollen in die PISA-Erhebung 2029 zur Medien- und KI-Kompetenz einfließen.

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Künstliche Intelligenz verändert die Bildungslandschaft

Die rasche Verbreitung von KI stellt neue Anforderungen an die Ausbildung. Erhebungen zeigen: 88 Prozent der europäischen Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren nutzen KI-Tools mehrmals wöchentlich. Doch nur ein Drittel der Lehrkräfte setzt KI im Unterricht ein, und drei Viertel fühlen sich unzureichend vorbereitet.

Die IHK Osnabrück reagierte am 5. Juni 2026 mit einem neuen, zertifizierten Qualifikationsangebot für KI-Experten. Der Lehrplan umfasst Datenanalyse, Programmierung und strategische KI-Implementierung. Hintergrund: Branchenstudien zufolge stellen 15 Prozent der Unternehmen KI-Talente ohne formale Qualifikationen ein, um den akuten Fachkräftemangel zu überbrücken.

Das McKinsey Global Institute schätzt, dass 59 Prozent der Arbeitsstunden in Deutschland technisch automatisierbar sind – 82 Prozent dieses Potenzials entfallen auf KI-Software-Agenten. Eine BCG-Studie warnt jedoch: Die massenhafte KI-Einführung könnte kritisches Denken, Urteilsvermögen und Ursachenanalyse gefährden – Fähigkeiten, die Führungskräfte weiterhin als hochwertig einstufen.

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Internationale Initiativen und demografischer Druck

Weltweit verankern Staaten digitale Weiterbildung zunehmend gesetzlich. Auf den Philippinen fördert der Enterprise-Based Education and Training Act Unternehmen bei der Qualifizierung ihrer Belegschaft – Ziel ist die Ausbildung von 18.000 Lernenden in KI bis Ende 2026. Katar hat ein Digitalisierungsprogramm für 2026/2027 aufgelegt, das Stipendien für Cybersicherheit, Datenwissenschaft und Cloud-Computing bietet.

In Nigeria bereitet die nationale Bildungskommission einen kompetenzbasierten digitalen Lehrplan zur Modernisierung der Lehrerausbildung vor. Lokale Initiativen in Regionen wie Jos North starten monatliche Programme zu digitalem Marketing und Webdesign gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Diese globalen Anstrengungen stehen vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden demografischen Entwicklung. Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sagen voraus: Dem deutschen Arbeitsmarkt werden bis 2036 rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Bereits heute klafft eine Lücke von 109.000 IT-Spezialisten. Der Wettbewerb um technische Führungskräfte wie Chief Technology Officers und CISOs wird damit immer härter.

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