Digitale, Unsterblichkeit

Digitale Unsterblichkeit: Markt wächst bis 2034 auf 79 Milliarden Euro

28.06.2026 - 23:30:37 | boerse-global.de

Der Markt für digitale Abbilder Verstorbener könnte bis 2034 auf fast 79 Milliarden Euro wachsen. Unternehmen wie Microsoft und Meta treiben die Technologie voran, während ethische und rechtliche Fragen ungelöst bleiben.

KI-Avatare Verstorbener: Milliardenmarkt bis 2034 erwartet
Digitale - Transparenter digitaler Avatar interagiert mit einer Person, symbolisiert KI-Simulationen Verstorbener und digitale Unsterblichkeit. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Unternehmen entwickeln KI-Systeme, die Persönlichkeit und Stimme von Menschen nach deren Tod simulieren. Was wie Science-Fiction klingt, wird zunehmend Realität – und wirft grundlegende ethische Fragen auf.

Startups und Tech-Riesen im Wettlauf um digitale Ewigkeit

Mehrere Spezialfirmen wie HereAfter AI, Storyfile und Eternos arbeiten bereits an Plattformen, die Erinnerungen archivieren oder interaktive Versionen von Verstorbenen erschaffen. Ein Labortechniker nutzte etwa die Plattform Botify für umgerechnet 30 Euro, um eine KI-Version eines verstorbenen Verwandten zu erstellen – ein Beispiel, das zeigt: Die Technologie ist längst im Alltag angekommen.

Auch die ganz Großen der Branche sichern sich die Rechte an dieser Zukunftstechnologie. Microsoft hat ein System patentiert, das Verstorbene als digitale Avatare wiederauferstehen lässt. Meta wiederum sicherte sich ein Patent für eine Technologie, die das Social-Media-Verhalten von Verstorbenen simulieren könnte – auch wenn das Unternehmen betont, vorerst keine konkreten Pläne zur Umsetzung zu haben.

Rechtsstreit um digitale Hinterlassenschaften

Der Aufstieg digitaler Unsterblichkeit bringt komplexe rechtliche Fragen mit sich. Ein Fall aus Los Angeles zeigt die Brisanz: Dort ordnete ein Richter an, dass Apple der Unternehmerin Caitlyn Jenner Zugriff auf private E-Mails eines Geschäftspartners gewähren muss, der mit 29 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam. Das Gericht erzwang den Zugriff auf Konten, die mit Jenners Organisation und dem Unternehmen des Verstorbenen verbunden waren.

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Besonders dramatisch sind die Folgen, wenn digitale Vorsorge fehlt. Eine Witwe kämpft seit fünf Jahren vergeblich darum, das Facebook-Konto ihres verstorbenen Mannes in einen Gedenkzustand zu versetzen. Weil vor dessen Tod kein sogenannter „Legacy Contact" eingerichtet wurde, erkennen die Social-Media-Konzerne die Befugnisse der Testamentsvollstrecker nach geltendem Erbrecht nicht an.

Kultur und Wissenschaft debattieren über KI und Trauer

Die ethischen Implikationen beschäftigen längst auch die Kulturszene. Beim Filmfestival in Cannes feierte Regisseur Koreeda Hirokazu in diesem Frühjahr seinen Film Sheep in the Box Premiere. Er erzählt von einem Paar, das einen humanoiden Roboter als Nachbildung seines verstorbenen Sohnes adoptiert – und zeigt die KI als leere Hülle im Trauerprozess.

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Auf der Seoul International Book Fair diskutierten am Wochenende Neurowissenschaftler und Schauspieler über die Frage, ob Menschen echte Liebe zu KI-Entitäten empfinden können. Ein Neurowissenschaftler warnte, KI-Interaktionen könnten wie ein narzisstischer Spiegel für den Nutzer wirken. Ein Schauspieler betonte dagegen, dass körperliche Präsenz ein unersetzliches Element menschlicher Verbindung bleibe.

Schriftstellerin Margaret Atwood – bekannt durch dystopische Werke wie Der Report der Magd – bezeichnete auf dem Babell Literaturfestival in Porto einige Nutzer von KI schlicht als „Opportunisten". Sie wies darauf hin, dass aktuelle Modelle häufig falsche Informationen liefern. Ihre Kernbotschaft: Die Qualität von KI-Output hänge vollständig von den eingespeisten Daten ab – Müll rein, Müll raus.

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