Digitaler Euro: EZB startet Pilotprojekt mit 36 Zahlungsanbietern
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 01:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Eurosystem haben das Verfahren zur Interessenbekundung für E-Commerce- und M-Commerce-Händler gestartet, die am Pilotprojekt für den digitalen Euro teilnehmen möchten.
Die Testphase im gesamten Euroraum soll nach aktuellen Planungen in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen und ist auf eine Dauer von zwölf Monaten ausgelegt. Händler haben damit erstmals die Möglichkeit, die Integration der digitalen Zentralbankwährung in ihre Zahlungssysteme unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben.
Bewerbungsverfahren und Teilnahmebedingungen für Händler
Interessierte Unternehmen können ihre Bewerbung bis zum 27. Oktober 2026 um 17:00 Uhr CET einreichen. Für Rückfragen und detaillierte Erläuterungen zum Verfahren bietet die EZB am 6. Oktober 2026 eine Informationsveranstaltung für Händler an. Die Teilnahme am Pilotprojekt ist für die Unternehmen freiwillig und wird nicht vergütet. Zudem betont die EZB, dass der digitale Euro in seiner Beta-Version noch kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellt.
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt auf Basis definierter Kriterien, zu denen unter anderem die Marktreichweite, die allgemeine Betriebsbereitschaft sowie die spezifische Eignung für die Testumgebung gehören. Erfolgreiche Bewerber müssen eine formale Vereinbarung mit der EZB eingehen und zudem einen Vertrag mit einem akquirierenden Zahlungsdienstleister (Payment Service Provider, PSP) schließen.
Fokus auf technische Funktionalität und Nutzererfahrung
Im Rahmen des Pilotprojekts sollen verschiedene technische und operative Aspekte evaluiert werden. Dazu zählen die Stabilität der Schnittstellen (APIs), das Routing von Zahlungen sowie die Abwicklung in Echtzeit. Darüber hinaus stehen Prozesse wie Rückerstattungen, das Management von Zahlungsstreitigkeiten (Dispute-Management) und die gesamte Customer Journey im Checkout-Prozess im Fokus der Untersuchung.
Die Beta-Version der Währung wird dabei über verschiedene Kanäle hinweg getestet, einschließlich Online- und Mobilzahlungen, Transaktionen im stationären Handel sowie Zahlungen zwischen Privatpersonen (P2P).
Ziel sei es, die technische Funktionalität, die Betriebsprozesse und die allgemeine Nutzererfahrung umfassend zu prüfen. EZB-Direktor Piero Cipollone verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das starke Marktinteresse die grundsätzliche Bereitschaft des Privatsektors für dieses Vorhaben unterstreiche.
Die EZB nimmt bis zum 27. Oktober 2026 Bewerbungen von E-Commerce- und M-Commerce-Händlern für den Digital-Euro-Pilot an — Start ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant, die Teilnahme ist freiwillig und unbezahlt. Wer jetzt prüft, ob der eigene Checkout API-Stabilität, Echtzeit-Abwicklung und Rückerstattungen abbildet, geht mit klarem Fahrplan in die Bewerbung. Kostenlosen Bewerbungs-Guide für den Digital-Euro-Pilot anfordern
Strategische Einordnung und operative Partnerschaften
Das Projekt verfolgt das Ziel, die europäische Abhängigkeit von US-amerikanischen Zahlungssystemen und Dollar-basierten Stablecoins wie USDT oder USDC zu verringern. Daten aus dem Jahr 2025 verdeutlichen diesen Kontext: Demnach entfallen rund 61 % der Kartenzahlungen in der Eurozone auf die Anbieter Visa und Mastercard.
Isadora Arredondo von Hedera ordnete die kommerzielle Tragfähigkeit als eine der größten Herausforderungen ein und nannte niedrigere Gebühren für Zahlungsdienstleister als einen möglichen Anreiz für die Marktakzeptanz.
Für die technische Umsetzung wurden bereits im Juli 2026 insgesamt 36 Zahlungsdienstleister aus über 50 Bewerbern ausgewählt. Zu diesem Kreis gehören Institute wie Revolut, Stripe, die Deutsche Bank, UniCredit, CaixaBank, BNP Paribas und ING. Neben diesen Dienstleistern sind auch 19 nationale Zentralbanken an dem Pilotprojekt beteiligt.
Eine endgültige Entscheidung über die tatsächliche Ausgabe des digitalen Euro steht noch aus und wird frühestens für das Jahr 2029 angestrebt, sofern die entsprechende EU-Gesetzgebung verabschiedet wurde und der EZB-Rat einen positiven Beschluss fasst.
Kontext der Bargeldversorgung und Währungsentwicklung
Parallel zur digitalen Transformation treibt die EZB die Modernisierung des physischen Bargelds voran. Laut Angaben des EZB-Direktoriums vom September 2026 sind derzeit Banknoten im Wert von über 1,6 Billionen Euro im Umlauf, was einem jährlichen Zuwachs von 3 % entspricht. Der Euro fungiert dabei als einigendes Element für 21 Länder mit mehr als 358 Millionen Bürgern.
Rund 61 % der Kartenzahlungen in der Eurozone laufen über Visa und Mastercard — der Digital-Euro-Pilot soll genau diese Abhängigkeit testen und perspektivisch verringern. Für Händler bedeutet das: Wer heute keinen PSP-Vertrag mit einem der 36 ausgewählten Zahlungsdienstleister prüft, verliert im Pilot den Anschluss. Der Leitfaden zeigt, welche Fragen Sie Ihrem PSP jetzt stellen sollten. PSP-Auswahl-Checkliste jetzt abrufen
Eine aktuelle Umfrage zu neuen Banknoten-Designs, die Themen wie die europäische Kultur sowie Flüsse und Vögel umfasst, endet am 21. September 2026. Mit bereits über 9 Millionen abgegebenen Stimmen liegt die Beteiligung deutlich über der einer ersten Umfrage aus dem Jahr 2023, die 365.000 Teilnehmer verzeichnete.
Die Ergebnisse sollen Ende 2026 in die Entscheidung des EZB-Rats einfließen, wobei neue, sicherere und nachhaltigere Banknoten ebenfalls ab 2029 schrittweise eingeführt werden könnten. Bestehende Banknoten behalten dabei weiterhin ihre Gültigkeit.
