USA-Forschung, Druck

USA-Forschung unter Druck - Eine Chance fĂŒr Deutschland?

08.05.2025 - 05:00:42

Donald Trump kĂŒrzt Stellen bei der Nasa, streicht Jobs an den Unis, hĂ€lt Fördergelder zurĂŒck. Die Wissenschaft in den USA wird massiv bedroht. Welche Folgen das fĂŒr Deutschland haben könnte.

  • Die Max-Planck-Gesellschaft will unter PrĂ€sident Patrick Cramer Wissenschaftlern, die ihre Forschung in den USA nicht weiterfĂŒhren können, Optionen in Deutschland eröffnen. (Archivbild)  - Foto: Swen Pförtner/dpa

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  • Der DAAD rechnet damit, dass das Interesse am Forschungsstandort Deutschland steigt (Symbolbild). - Foto: Friso Gentsch/dpa

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  • Der PrĂ€sident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Robert Schlögl, sieht das beste Wissenschaftssystem der Welt bedroht. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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Die Max-Planck-Gesellschaft will unter PrĂ€sident Patrick Cramer Wissenschaftlern, die ihre Forschung in den USA nicht weiterfĂŒhren können, Optionen in Deutschland eröffnen. (Archivbild)  - Foto: Swen Pförtner/dpaDer DAAD rechnet damit, dass das Interesse am Forschungsstandort Deutschland steigt (Symbolbild). - Foto: Friso Gentsch/dpaDer PrĂ€sident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Robert Schlögl, sieht das beste Wissenschaftssystem der Welt bedroht. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

An zahlreichen UniversitĂ€ten und Forschungseinrichtungen in den USA fĂŒhrt die Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump zu tiefgreifenden Einschnitten: Stellen werden abgebaut, Fördergelder gekĂŒrzt, Mitarbeiter entlassen. Dadurch werde nicht nur das stĂ€rkste und beste Wissenschaftssystem der Welt bedroht, Trumps Vorgehen gefĂ€hrde auch Wissenschaft und Wohlergehen weltweit, sagte kĂŒrzlich der PrĂ€sident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Robert Schlögl.

In Deutschland möchten Forschungseinrichtungen und UniversitÀten angesichts des massiven Angriffs auf die Wissenschaft daher enger mit US-Forschern zusammenarbeiten. Gezielt Talente nach Deutschland locken, wollen die meisten nicht, setzen aber durchaus andere Mittel ein.

MPG will Optionen in Deutschland ermöglichen

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zum Beispiel will das sogenannte Transatlantik-Programm mit zusĂ€tzlichen privaten Mitteln ausgestattet. Dadurch solle Wissenschaftlern, die ihre Forschung in den USA nicht weiterfĂŒhren können, Optionen in Deutschland eröffnet werden. Die USA seien bisher der wichtigste Motor fĂŒr die Wissenschaft und das wichtigste Partnerland der MPG - jede vierte Publikation in der MPG entstehe in Zusammenarbeit mit Forschenden in den USA. 

Auf die jĂŒngste Ausschreibung fĂŒr die Leitung von Forschungsgruppen hat die MPG doppelt so viele Bewerbungen aus den USA erhalten wie im Vorjahr, wie MPG-PrĂ€sident Patrick Cramer in einem «Spiegel»-Interview sagte. 

Gezielte Abwerbung wĂŒrde US-Wissenschaft schwĂ€chen

Der Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft, Tim Urban, teilte auf Anfrage mit: «Eine gezielte Abwerbung von amerikanischen Kolleginnen und Kollegen birgt das Risiko, die amerikanische Wissenschaft nur noch mehr zu schwĂ€chen und wird deshalb von uns nicht betrieben.» Wichtig sei jetzt, Kooperationen zu verstĂ€rken und dadurch die amerikanischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstĂŒtzen. 

Gleichzeitig wird nicht ausgeschlossen, kurzfristig zu reagieren. Je nachdem, wie sich die Situation entwickle, könnten kurzfristige Zwischenfinanzierungen, zum Beispiel fĂŒr zeitlich begrenzte Forschungsaufenthalte in Deutschland, durchaus hilfreich sein. Das gelte insbesondere fĂŒr Forscher aus den Bereichen Klima, Ungleichheit und den Lebenswissenschaften, die in den USA keine akzeptablen Arbeitsbedingungen mehr vorfĂ€nden.

GrĂ¶ĂŸere Abwanderung von Wissenschaftlern gab es immer wieder 

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vermutet, dass die Situation in den USA zukĂŒnftig zu einer globalen Verschiebung fĂŒhren könnte. «Top-Talente aus LĂ€ndern wie Indien, China oder Brasilien, die frĂŒher vor allem in die USA gegangen wĂ€ren, ĂŒberlegen nun, ob andere LĂ€nder, beispielsweise in Europa, eine bessere Option sein könnten», sagte DAAD-Sprecherin Cordula Luckassen.

Einen sogenannten «Brain Drain», also die Abwanderung von hochqualifizierten Wissenschaftlern, hat es in der Geschichte immer wieder gegeben. Nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 zum Beispiel emigrierten zahlreiche jĂŒdische und regimekritische Wissenschaftler aus Deutschland. Zuletzt fĂŒhrte auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dazu, dass hunderte russische Wissenschaftler ihr Land verließen. 

Interesse an Deutschland wÀchst

In den DAAD-BĂŒros in den USA gebe es derzeit ein wachsendes Interesse internationaler Promovierender und Postdocs am Wissenschaftsstandort Deutschland, so Luckassen. Viele von ihnen arbeiteten und forschten in den USA mit befristeten Visa und auf befristeten, oftmals aus föderalen Mitteln finanzierten Stellen. 

US-Wissenschaftler wenden sich direkt an Uni

An deutschen Unis machen sich die aktuellen Entwicklungen in den USA zum Teil schon jetzt bemerkbar. Man stelle fest, dass das Interesse der amerikanischen Partner an enger Kooperation sehr groß und sehr explizit sei, teilte eine Sprecherin der UniversitĂ€t Leipzig mit. Die Humboldt-UniversitĂ€t in Berlin hat nach Angaben der Pressestelle in den vergangenen Wochen vereinzelt direkte Anfragen von US-Wissenschaftlern erhalten. Auch die Rheinisch-WestfĂ€lische Technische Hochschule Aachen spĂŒrt einem Sprecher zufolge ein steigendes Interesse aus den USA.

Die Unis sehen das als Chance. «Wenn sich aus der Situation in den USA Gelegenheiten ergeben, das Profil der Goethe-UniversitĂ€t durch passende Besetzungen zu stĂ€rken, werden wir diese selbstverstĂ€ndlich nutzen», teilte die Pressestelle der Frankfurter UniversitĂ€t mit. Ein aktives Anwerben sei im Rahmen der Regeln fĂŒr Berufungsverfahren allerdings nur bedingt möglich.

Deutsche Wissenschaftler fordern spezielles Förderprogramm

FĂŒhrende deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten Anfang April in einem Gastbeitrag im «Spiegel» dazu aufgerufen, sich die Entwicklungen in den USA zu nutzen zu machen und gezielt um Forscherinnen und Forscher aus den USA zu werben. 

Sie forderten die Entwicklung eines sogenannten «Meitner-Einstein-Programms», das gezielt die Berufung von herausragenden Forscherinnen und Forschern aus den USA an deutsche UniversitĂ€ten und außeruniversitĂ€re Forschungseinrichtungen fördern solle. Unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft und finanziert vom Bundesforschungsministerium könne rasch eine grĂ¶ĂŸere Zahl von Professuren, zum Beispiel 100, geschaffen werden, schreiben die Autoren. Angesprochen werden sollen Wissenschaftler, deren Arbeit in den USA nicht oder nur eingeschrĂ€nkt fortgefĂŒhrt werden kann.

UnabhĂ€ngig von dieser Forderung hatte der PrĂ€sident der Alexander von Humboldt-Stiftung Robert Schlögl in einer Mitteilung erklĂ€rt, mit entsprechender finanzieller UnterstĂŒtzung mehr Spitzenforscher aus den USA zu fördern und ihnen auf Zeit Unterschlupf und Arbeitsmöglichkeiten zu gewĂ€hren.

@ dpa.de