Zukunft der WĂ€lder - umbauen, aber wie?
21.03.2024 - 09:03:49Viele Meter ragen die Kiefern in die Höhe. Darunter wachsen junge Eichen, Rotbuchen, Vogelbeeren, Birken und noch einige andere Baumarten. Ein Mischwald, wie er auf natĂŒrliche Weise rund um die bayerische Gemeinde Rohr in Mittelfranken nicht vorkommt. Doch er könne die Zukunft sein, hofft Waldbesitzer Ralf StrauĂberger. «Wenn die Kiefern sterben, habe ich den nĂ€chsten Wald schon dastehen.»
KiefernwĂ€lder, die die Gegend hauptsĂ€chlich prĂ€gen, haben nach Ansicht von Fachleuten wegen der KlimaerwĂ€rmung keine langfristige Ăberlebenschance. Deshalb hat sich der Forstwirt und Waldexperte vom Bund Naturschutz mit anderen Waldbesitzern in der Region zusammengetan, um insgesamt 300 Hektar zu einem «Zukunftswald» umzubauen, wie sie es nennen. Fast eine Million Setzlinge haben Baumschulen dafĂŒr seit 2011 gepflanzt. «Wir haben hier das gröĂte Waldumbauprojekt in Bayern im Privatwald», sagt StrauĂberger.
Auch anderswo in Deutschland machen sich Forstverwaltungen, Waldbesitzer, Initiativen und Wissenschaft Gedanken, wie der Wald steigenden Temperaturen und zunehmender zeitweiser Trockenheit trotzen kann. Wie wichtig der Erhalt der WĂ€lder ist, darauf weist jedes Jahr am 21. MĂ€rz der Internationale Tag des Waldes der Vereinten Nationen hin. Doch was macht den Wald in Deutschland eigentlich aus? Und wie kann der Umbau gelingen?
Die Ausgangslage
11,4 Millionen Hektar Deutschlands sind laut Bundeswaldinventur 2012 bewaldet und damit etwa ein Drittel der LandesflĂ€che. Die hĂ€ufigsten Baumarten sind Fichte und Kiefer - ein Erbe unserer Geschichte: Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden viele WĂ€lder kahlgeschlagen und mit diesen schnell wachsenden Baumarten aufgeforstet. Diese Monokulturen erweisen sich heute aber als besonders anfĂ€llig fĂŒr SchĂ€dlinge, StĂŒrme und Hitze. Fast drei Millionen Hektar Wald mĂŒssen deshalb nach Angaben des Verbands der WaldeigentĂŒmer in Deutschland umgebaut werden. Die Kosten liegen demnach bei bis zu 43 Milliarden Euro in den nĂ€chsten 30 Jahren.
Die mögliche Lösung und ein Problem
«Man versucht, das Artenspektrum zu vergröĂern, um das Risiko zu minimieren», fasst Erwin Hussendörfer, Professor fĂŒr Waldbau an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising, das allgemeine Credo zusammen. Dabei gibt es jedoch ein Problem: «BĂ€ume werden 100, 200 Jahre alt. Da wird es schwierig mit Prognosen, wie sich das Klima bis dahin verĂ€ndert.» Deshalb könne man aktuell nur Annahmen machen, bestimmte Baumarten wie Kiefer und Fichte ausschlieĂen und andere dafĂŒr favorisieren. Fest steht aus seiner Sicht: «Unsere WĂ€lder werden kĂŒnftig anders aussehen.» Und der Waldumbau gehe viel zu langsam. «Die Zeit lĂ€uft uns davon.»
Wald oft in Privatbesitz
Fast die HĂ€lfte des Waldes in Deutschland ist in Privatbesitz. «95 Prozent der Waldbesitzer haben eine WaldflĂ€che kleiner als 20 Hektar. FĂŒr viele sei der Wald ein Hobby, eine Familientradition», sagt Irene Seling, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin vom Verband der WaldeigentĂŒmer. Zum Teil wohnen sie weit entfernt von ihrem WaldstĂŒck oder finden aus beruflichen GrĂŒnden keine Zeit, es zu bewirtschaften - geschweige denn, es klimatauglich umzubauen. Zumal oftmals das Fachwissen dafĂŒr fehlt. «Es wird nicht möglich sein, die eine Lösung fĂŒr alle zu entwickeln», meint Seling.
Auch Ralf StrauĂberger hat seine 20 Hektar Wald von seinen Eltern geerbt. Als Experte ist er jedoch im Vorteil: Seit Langem experimentiert er in den zehn WaldstĂŒcken, wie sich Mischwald am besten nachziehen lĂ€sst. Seine Erfahrung: Auf kleinen FlĂ€chen sei es schwieriger, das umzusetzen. «Es ist teurer, ineffektiv und mit der Jagd funktioniert es auch nicht.»
Deshalb hat er sich in Rohr fĂŒr das Waldprojekt mit Nachbarn zusammengeschlossen. «Dadurch haben sich auch EigentĂŒmer motivieren lassen, die nicht so viel Ahnung haben.» Ein wichtiger Baustein dabei: StrauĂberger und andere RevierpĂ€chter gehen in dem Projektgebiet verstĂ€rkt auf Reh-Jagd, damit das Wild die jungen BĂ€umchen nicht massenhaft herunterknabbert. So komme man ohne teure ZĂ€une aus, sagt er. «Dadurch ist es wesentlich lukrativer. Mit Zaun zahlt man trotz staatlicher Förderung bei der WaldverjĂŒngung drauf.»
Wachsen lassen oder eingreifen?
Doch wieso kann man den Wald nicht einfach sich selbst ĂŒberlassen? Die Natur regelt es schon selbst - könnte man meinen. «Der Wald braucht den Menschen nicht. Aber wir brauchen den Wald», sagt Ulrich Schraml, Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-WĂŒrttemberg in Freiburg. Deshalb mĂŒsse man ihn so gestalten, dass auch die nĂ€chste Generation noch etwas von ihm habe. «Die Natur kann nur das abrufen, was da ist», ergĂ€nzt StrauĂberger. Sprich: In reinen Kiefern- und FichtenwĂ€ldern werden von allein keine Buchen wachsen, weil die MutterbĂ€ume mit ihren FrĂŒchten fehlen.
Seltene Arten und junge BĂ€ume haben aus Sicht von Schraml auĂerdem mehr Chancen zu wachsen, wenn man gezielt alte BĂ€ume fĂ€llt. «Wenn zu viele groĂe BĂ€ume stehen, dann nehmen diese den Kleinen Wasser und Licht weg.» Davon profitierte zum Beispiel auch die seltene Mehlbeere, die nicht besonders hoch werde, aber viel Sonne brauche. Allerdings stelle sich die Frage, wie stark man eingreife, meint Waldbauexperte Hussendörfer. «Auf vielen FlĂ€chen sollte man die natĂŒrliche Entwicklung eine Weile beobachten und diese dann sinnvoll ergĂ€nzen.»


