Echolokation, Erwachsene

Echolokation: Erwachsene lernen Orientierung per Schall in zehn Wochen

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein zehnwöchiges Programm steigerte die Echoortungsleistungen blinder und sehender Erwachsener; die Studie nennt zugleich methodische Grenzen.
Ein heller, leerer Architekturraum mit BetonwĂ€nden und Holzboden, der durch seine Tiefe und Akustik ein GefĂŒhl von Raumorientierung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die FÀhigkeit, sich mithilfe von reflektierten Schallwellen im Raum zu orientieren, ist nicht auf bestimmte Tierarten oder ein angeborenes Talent beschrÀnkt. Wie eine im Juni 2021 im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Untersuchung der Durham University durch Norman und Thaler zeigt, können Menschen diese Form der Echoortung auch im Erwachsenenalter systematisch erlernen.

An der Studie nahmen 26 Erwachsene im Alter von 21 bis 79 Jahren teil, die ĂŒber einen Zeitraum von zehn Wochen in 20 Sitzungen von jeweils zwei bis drei Stunden Dauer trainierten und ihre Fertigkeiten messbar verbesserten.

Messbare Leistungssteigerungen in Tests und Labyrinthen

Die Untersuchungsgruppe setzte sich aus zwölf blinden Personen im Alter von 27 bis 79 Jahren sowie 14 sehenden Teilnehmenden im Alter von 21 bis 71 Jahren zusammen. Das Trainingsprogramm umfasste verschiedene standardisierte Aufgabenstellungen zur akustischen Raumwahrnehmung.

Bei einer GrĂ¶ĂŸen-Aufgabe mit zwei Wahlmöglichkeiten steigerte sich die Trefferquote von durchschnittlich 54 Prozent in der ersten Sitzung auf 79 Prozent in der 20. Sitzung. Ähnliche Fortschritte zeigten sich bei Richtungs-Aufgaben mit vier Wahlmöglichkeiten: Hier verbesserte sich die Erfolgsquote von anfĂ€nglich 38 Prozent auf 69 Prozent zum Ende des Programms.

Auch die Navigation in komplexeren Umgebungen wurde erfasst. In einem virtuellen Labyrinth reduzierte sich die benötigte Durchquerungszeit von 119 Sekunden auf 48 Sekunden in der 14. Sitzung. Parallel dazu kletterte die Erfolgsquote in dieser Testumgebung von 62 Prozent auf 94 Prozent.

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Zum Vergleich zog das Forschungsteam eine Expertengruppe heran: Sieben blinde Personen, die Echolokation bereits seit mehr als zehn Jahren tĂ€glich anwendeten, erreichten bei der GrĂ¶ĂŸen-Aufgabe eine Trefferquote von 91 Prozent.

Alltagserfahrungen und methodische Grenzen

Drei Monate nach Abschluss des Trainingsprogramms gaben alle zwölf blinden Teilnehmenden in einer Selbstauskunft an, dass sich ihre alltĂ€gliche MobilitĂ€t erleichtert habe. Trotz der dokumentierten Lernfortschritte weist die Untersuchung methodische EinschrĂ€nkungen auf: Die Autoren verweisen auf die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleine StichprobengrĂ¶ĂŸe sowie das Fehlen einer Kontrollgruppe.

Hören und Sehen im Zusammenspiel bei der Rehabilitation

ErgÀnzende Aspekte zur auditiven Raumorientierung lieferte eine weitere, in einem Bericht vom Februar thematisierte Studie mit 58 Erwachsenen, die unterschiedliche Grade an Blindheit und HörfÀhigkeit aufwiesen.

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Die Daten zeigten einen Zusammenhang zwischen der FÀhigkeit zur Schalllokalisation und der AlltagsbewÀltigung. Teilnehmende mit besser ausgeprÀgter Schalllokalisation wiesen unabhÀngig von ihrem konkreten Hörstatus stÀrkere EcholokationsfÀhigkeiten auf.

Hintergrund dieser Unterschiede sind hĂ€ufig divergierende Versorgungswege: FrĂŒh erblindete Personen erhalten oft frĂŒhzeitig UnterstĂŒtzung und bilden infolgedessen fortgeschrittene auditive Strategien aus. SpĂ€ter erblindete Menschen erhalten hingegen seltener ein spezialisiertes Training.

Der Studienautor Nemargut plĂ€diert vor diesem Hintergrund fĂŒr eine integrierte Rehabilitation bei kombinierten Seh- und HörbeeintrĂ€chtigungen. Erforderlich sei eine engere Zusammenarbeit von Orientierungsfachleuten und Audiologen. Dazu gehöre auch eine gezielte Anpassung von HörgerĂ€ten, bei der Verkehrs- und TransitgerĂ€usche verstĂ€rkt werden, wĂ€hrend störender HintergrundlĂ€rm gedĂ€mpft wird.

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de | wissenschaft | 70437405 |