Quadrat, KrÀhen

Das ist kein Quadrat! - KrÀhen erkennen geometrische Formen

11.04.2025 - 20:00:40

Ein weiterer Puzzlestein zum Wissen ĂŒber die verblĂŒffenden FĂ€higkeiten von Rabenvögeln: KrĂ€hen vermögen bei geometrischen Figuren sogar Feinheiten wie nicht parallel laufende Linien zu erkennen.

  • In StĂ€dten werfen KrĂ€hen gern WalnĂŒsse oder andere hartschalige Dinge vor Autos, RĂ€der oder FĂŒĂŸe - in der Hoffnung, sie aufgeknackt zu bekommen. - Foto: picture alliance / dpa

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  • Versuche zeigten, dass KrĂ€hen rudimentĂ€r zĂ€hlen können. - Foto: picture alliance / Ingo Wagner/dpa

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  • Ihnen vertrauten netten Menschen kommen KrĂ€hen hĂ€ufig sehr nahe und lassen sich fĂŒttern. - Foto: picture alliance / dpa

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  • FĂŒnf Quadrate und dazwischen ein Trapez. Viele KrĂ€hen im Versuch konnten den Unterschied erkennen. - Foto: --/Eurekalert.org/dpa

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In StĂ€dten werfen KrĂ€hen gern WalnĂŒsse oder andere hartschalige Dinge vor Autos, RĂ€der oder FĂŒĂŸe - in der Hoffnung, sie aufgeknackt zu bekommen. - Foto: picture alliance / dpaVersuche zeigten, dass KrĂ€hen rudimentĂ€r zĂ€hlen können. - Foto: picture alliance / Ingo Wagner/dpaIhnen vertrauten netten Menschen kommen KrĂ€hen hĂ€ufig sehr nahe und lassen sich fĂŒttern. - Foto: picture alliance / dpaFĂŒnf Quadrate und dazwischen ein Trapez. Viele KrĂ€hen im Versuch konnten den Unterschied erkennen. - Foto: --/Eurekalert.org/dpa

FĂŒnf Quadrate und dazwischen ein Trapez - so manches Kind tĂ€te sich schwer, die abweichende geometrische Form zu erkennen. KrĂ€hen aber schaffen das verblĂŒffenderweise, wie ein Team um Andreas Nieder von der UniversitĂ€t TĂŒbingen im Fachjournal «Science Advances» berichtet. 

Das Team um Nieder trainierte zwei zehn und elf Jahre alte RabenkrÀhen (Corvus corone) darauf, auf einem Bildschirm unter sechs Formen die jeweils abweichende zu erkennen. Hatten die Vögel den «Abweichler» erkannt, pickten sie auf diese Form. Zur Belohnung gab es Futter.

Abweichende Winkel oder nicht parallele Linien werden erkannt

Anfangs lernten die KrĂ€hen, ein deutlich unterschiedliches Bild aus einer Reihe von sechs Bildern zu erkennen, zum Beispiel einen Stern unter fĂŒnf Kreisen. Nachdem die KrĂ€hen das Prinzip verstanden hatten, wurden in einer HĂ€lfte der VersuchsdurchlĂ€ufe ohne weiteres Training viereckige Formen gezeigt - zum Beispiel fĂŒnf Quadrate mit einem unsymmetrischen Viereck dazwischen. 

Die Vögel erkannten die Formen, die sich aufgrund geometrischer Parameter wie zum Beispiel Asymmetrie unterschieden, spontan hĂ€ufiger als durch die zufĂ€llige statistische Verteilung zu erwarten wĂ€re. Eine KrĂ€he erkannte zum Beispiel ein «falsches» Viereck in knapp 50 Prozent der FĂ€lle, die andere in knapp 60 Prozent der FĂ€lle. Der Wert fĂŒr rein zufĂ€llige Treffer lĂ€ge bei 16,7 Prozent. Bei komplexeren Vierecken mit variableren Winkeln und weniger Symmetrie lagen die Erfolgsquoten niedriger - ein Effekt, der auch bei Menschen auftritt, wie Nieder erklĂ€rt.

Eine detaillierte Analyse der Leistungen deutet den Forschenden zufolge darauf hin, dass die KrĂ€hen ihre Wahrnehmung von RegelmĂ€ĂŸigkeit nicht durch das Lernen wĂ€hrend der Versuche erwarben, sondern dass diese FĂ€higkeit schon zuvor vorhanden war.

GrĂ¶ĂŸenordnungen und Geometrie in der biologischen Evolution verwurzelt

KrÀhen erkennen - wie auch Menschen - spontan geometrische
RegelmĂ€ĂŸigkeit in visuellen Formen, schließen die Forschenden. Diese grundlegende Intuition veranschauliche, dass Kernwissen ĂŒber GrĂ¶ĂŸenordnungen und Geometrie in der biologischen Evolution verwurzelt ist, erlĂ€utert das Team.

Geometrie ist nicht die einzige StĂ€rke von KrĂ€hen: Die dunklen Vögel werden zwar nicht fĂŒr ihren Gesang gefeiert, doch Wissenschaftler sind begeistert von ihrem Lernvermögen. Viele Menschen waren schon selbst Zeuge dafĂŒr: In StĂ€dten werfen KrĂ€hen gern WalnĂŒsse oder andere hartschalige Dinge vor Autos, RĂ€der oder FĂŒĂŸe - in der Hoffnung, sie aufgeknackt zu bekommen.

Und jetzt: Dreimal krÀchzen bitte

Versuche zeigten, dass KrĂ€hen rudimentĂ€r zĂ€hlen können - betreten vier JĂ€ger ein WaldstĂŒck, können sie also abwarten, bis wirklich alle vier wieder weg sind. Das Team um Nieder zeigte zudem, dass die Tiere lernen können, wie oft sie rufen sollen: Nach der PrĂ€sentation bestimmter Bildsymbole oder Töne gaben sie je nach Anforderung ein bis vier Rufe ab und drĂŒckten dann einen Schlussbutton.

Neukaledonische KrĂ€hen (Corvus moneduloides) nutzen in der Wildnis kleine Äste und stellen Werkzeuge daraus her. In Versuchen wurde ihnen ein wassergefĂŒllter Plexiglas-Zylinder prĂ€sentiert, in dem unerreichbar tief Futter schwamm. Die Tiere warfen daraufhin Dinge wie Steine ins Wasser, bis sie sich den Brocken schnappen konnten. Sie bevorzugten dabei eher schwere Objekte und eher feste als hohle. Zudem wĂ€hlten sie unter zwei Wasserzylindern den, der bereits am höchsten gefĂŒllt war.

In einer weiteren Arbeit zeigten Forscher, dass die Vögel Probleme durchdenken. Sie schaffen es, drei verschiedene Arten von Werkzeugen hintereinander einzusetzen, um an Nahrung zu kommen – ohne dies vorher geĂŒbt zu haben.

Den Kiesel hier heb' ich mal fĂŒr morgen auf

ZÀhlen, Geometrie, physikalische Grundweisheiten - schon ganz beeindruckend? Da geht noch mehr: Der Mensch blickt bei Entscheidungen in die Zukunft - Kolkraben (Corvus corax) auch. Nach dem Motto: Das kann ich spÀter noch gebrauchen und dies hier tausch ich nachher gegen was Besseres ein.

Das zeigten Forschende in einer Studie, in der Kolkraben ĂŒber Stunden GegenstĂ€nde aufbewahren mussten, die zum Erreichen von Futter dienten - entweder direkt als Werkzeug oder als Tauschobjekt. Zum Beispiel ging es um einen Stein bestimmter GrĂ¶ĂŸe, der, oben in das Rohr einer speziellen Apparatur geworfen, unten ein Leckerli herausfallen ließ.

Bist du nett zu mir, bin ich nett zu dir

Persönlich bedenken sollte man, dass KrĂ€hen ein unglaublich gutes GedĂ€chtnis fĂŒr ihnen widerfahrene Gemeinheiten haben. Sie zu bewerfen oder sonst wie zu Ă€rgern, sollte man ohnehin lassen, aber mit Blick auf mögliche Rache-Attacken erst recht. Ihnen vertrauten netten Menschen wiederum kommen wildlebende KrĂ€hen hĂ€ufig sehr nahe und lassen sich fĂŒttern.

@ dpa.de