Wolf verletzt Frau in Einkaufspassage - Tier untergebracht
31.03.2026 - 15:00:16 | dpa.deZum ersten Mal seit seiner RĂŒckkehr nach Deutschland hat nach Behördenangaben ein Wolf einen Menschen verletzt. Der Vorfall ereignete sich am Montag mitten in Hamburg-Altona. Das Tier habe eine Passantin in einer Einkaufspassage verletzt, teilte die Hamburger Umweltbehörde mit. «Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998», sagte eine Sprecherin des Bundesamts fĂŒr Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur. SpĂ€ter sprach das Amt vom ersten Fall seit der «Etablierung» des Wolfes, da dieser eigenstĂ€ndig zurĂŒckgekommen â und nicht aktiv wieder angesiedelt worden â sei. «Seit der RĂŒckkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt», hieĂ es.
Ein Sprecher der Feuerwehr sagte, ein Rettungswagen habe die Frau in eine Klinik gebracht. Nach dpa-Informationen hat sie das Krankenhaus noch am Abend nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Die Einkaufspassage ist nur rund 20 Meter lang, zu beiden Seiten gibt es glĂ€serne TĂŒren, die sich automatisch öffnen und schlieĂen.Â
Wolf mit Schlinge aus der Alster gezogen
Der Wolf sei nach dem Vorfall in Altona bis an die Binnenalster geflĂŒchtet. «Durch die enge Zusammenarbeit und das professionelle Eingreifen aller Beteiligten konnte das Tier am spĂ€ten Abend an der Alster erfolgreich gesichert werden», erklĂ€rte die Umweltbehörde. Vom Lagezentrum der Polizei hieĂ es, Beamte hĂ€tten das Tier am Schiffsanleger mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen.
Wohin der Wolf anschlieĂend gebracht wurde, ist unklar. Nach Medienberichten soll er im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs sein. «Der Wolf ist sicher untergebracht und wird derzeit tiermedizinisch versorgt», teilte die Umweltbehörde mit. Ăber den weiteren Verbleib des Tieres werde die Behörde zeitnah und in enger fachlicher Abstimmung entscheiden.
Tier streifte zuvor durch Blankenese
Bei dem Wolf habe es sich um jenes Tier gehandelt, das in den Tagen zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden sei. Die Umweltbehörde hatte am Montagvormittag mitgeteilt, der Wolfsexperte Norman Stier von der Technischen UniversitĂ€t Dresden habe ein Video und ein Foto aus der Bevölkerung ausgewertet und zweifelsfrei bestĂ€tigt, dass es Aufnahmen eines Wolfes sind.Â
Die ersten Sichtungen des Tieres seien am Samstag in zwei Parks oberhalb des Falkensteiner Ufers im Stadtteil Blankenese gemacht worden. Am Sonntagvormittag sei der Wolf im Bereich des S-Bahnhofs Othmarschen beobachtet worden, am Nachmittag im Bereich des Stadtteils Nienstedten, hieĂ es in der Mitteilung. Eine Hamburgerin aus Blankenese sagte, eine Nachbarin von ihr habe FuĂspuren im Garten gesehen, in einer Online-Gruppe sei ein Foto geteilt worden. Innerhalb kurzer Zeit seien immer mehr Postings von Sichtungen gekommen.
Experte: Wolf sollte getötet werden
Wie es mit dem gefangenen Wolf weitergeht, konnte die Umweltbehörde zunĂ€chst nicht sagen. Der Journalist, JĂ€ger und Wolfsexperte Eckhard?Fuhr sprach sich im Interview des Fernsehsenders RTL dafĂŒr aus, das Tier zu töten. «Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten», sagt er. Die Alternative â das Tier wieder freizulassen â hĂ€lt Fuhr fĂŒr ebenso problematisch. Unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls sowie der öffentlichen Sicherheit sieht der Experte nur eine vertretbare Lösung: «Es wĂ€re die vernĂŒnftigste Lösung, den Wolf zu töten.»
Es soll ein noch recht junger Wolf sein. «Nach ExperteneinschĂ€tzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel», hatte die Umweltbehörde mitgeteilt. In dieser Phase legen die Tiere meist weite Strecken zurĂŒck. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der Wolf wohl «versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen», dass er nun nach einem Weg aus der Stadt suche.Â
Opposition kritisiert rot-grĂŒnen Senat
Die CDU-BĂŒrgerschaftsfraktion warf dem rot-grĂŒnen Senat vor, die Gefahr durch Wölfe falsch eingeschĂ€tzt zu haben. «Erst kĂŒrzlich haben SPD und GrĂŒne einen Antrag der CDU in der BĂŒrgerschaft abgelehnt, den Wolf unverzĂŒglich in das Hamburger Jagdrecht aufzunehmen.» Völlig unverstĂ€ndlich sei auch, dass Hamburg am vergangenen Freitag im Bundesrat bei der Abstimmung ĂŒber die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz seine Zustimmung verweigert habe.
Seit dem Jahr 2013 wurden in Hamburg insgesamt 21 Wolfsnachweise eindeutig bestÀtigt, nun also 22. Zuletzt wurde Mitte MÀrz ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall aufgefunden. Im September vergangenen Jahres hatte ein Wolf zwei Kamerunschafe in der NÀhe eines Hofes im Stadtteil Marmstorf nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen gerissen.
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