Einsamkeit bei jungen Erwachsenen: 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen stark betroffen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trotz ständiger Erreichbarkeit und sozialer Medien berichten junge Erwachsene verstärkt über Isolation und fehlende soziale Einbindung. Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen die wachsende Diskrepanz zwischen digitaler Vernetzung und realem Einsamkeitsgefühl bei der Generation Z, während zugleich die präventive Wirkung von Haustieren gegen Isolation zunehmend Beachtung findet.
Hohe Einsamkeitswerte bei jungen Erwachsenen
Daten des FReDA-Panels des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) aus dem Winter 2024/2025 belegen das Ausmaß der Problematik. Demnach stuften sich 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen als stark einsam ein, verglichen mit 14 Prozent in der Altersgruppe der 31- bis 54-Jährigen.
Mindestens teilweise einsam fühlten sich 42 Prozent der 21- bis 30-Jährigen, während der Anteil bei den über 31-Jährigen bei 31 Prozent lag. Über alle Befragten zwischen 21 und 54 Jahren hinweg gaben 34 Prozent an, mindestens teilweise einsam zu sein, aufgeteilt in 16 Prozent stark und 18 Prozent moderat Betroffene.
Frauen waren mit 36 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 32 Prozent; im Jahr 2022 lagen diese Werte noch bei 45 Prozent beziehungsweise 33 Prozent.
Die BiB-Wissenschaftlerin Dr. Sabine Diabaté verwies darauf, dass sich die Einsamkeit seit der Corona-Pandemie kaum zurückgebildet habe und eine Dauerbelastung für die Generation Z darstelle. Ähnliche Tendenzen zeigte eine bundesweit repräsentative Erhebung der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2024, nach der rund 35 Prozent der jungen Befragten moderat und etwa 10 Prozent stark einsam waren.
Eine internationale Umfrage der Washington University in St. Louis ergab zudem, dass fast die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen einsam ist. Dieser Wert liegt höher als bei Erwachsenen ab 55 Jahren, während über alle Altersgruppen hinweg fast vier von zehn Erwachsenen Einsamkeit empfinden.
Veränderungen im Alltag und verringerte Freundschaftsnetzwerke
Langfristige gesellschaftliche Verschiebungen verändern die sozialen Kreise junger Menschen spürbar. Nach Angaben des britischen Instituts für Politikforschung aus dem September 2026 besaß in England im Jahr 2014 etwa einer von 100 jungen Menschen keine engen Freunde, inzwischen treffe dies auf einen von 20 zu.
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Auch der Anteil der 16- bis 21-Jährigen mit mindestens drei engen Freunden ging zurück. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 unter 1.632 jungen Erwachsenen in Großbritannien zeigte einen Zusammenhang zwischen allgemeiner Internetzeit und Einsamkeit, wohingegen die reine Nutzung sozialer Netzwerke diesen Effekt nicht allein trug und die WhatsApp-Nutzung sogar mit geringerer Einsamkeit einherging.
Zusätzlich verändern Arbeitsmodelle den Alltag junger Erwachsener. Laut der britischen Resolution Foundation verbringen junge Männer zwischen 18 und 29 Jahren im Schnitt rund 6,5 Stunden ihrer wachen Zeit allein, was etwa zwei Fünfteln des Tages entspricht und zwei Stunden mehr sind als vor einem Jahrzehnt.
Parth Pandya führte bezahlte Arbeit überwiegend im Homeoffice als Hauptgrund dafür an. Begleitend wird in Freundschaften über das Phänomen oberflächlicher Treffen diskutiert, bei denen Zeitdruck und Verpflichtungen tiefe Verbindungen erschweren.
Präventive Ansätze und soziale Kontaktpunkte
Während im jungen Alter neue Strategien zur Kontaktpflege gesucht werden, weisen Untersuchungen für ältere Generationen auf den stabilisierenden Effekt von Haustieren hin.
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Nach einer Befragung des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe waren im Jahr 2025 rund 25 Prozent der Haustierbesitzer 60 Jahre und älter. Eine Erhebung der University of Rochester unter 830 über 60-Jährigen zeigte, dass Haustierhalter 36 Prozent seltener über Einsamkeit berichteten als Personen ohne Tier.
Eine Gemeinschaftsstudie der University of Western Australia, der Harvard T.H. Chan School of Public Health und des WALTHAM Centre for Pet Nutrition mit rund 2.700 Befragten ergab zudem, dass Haustierbesitzer mit einer um 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit neue Menschen kennenlernen. Diese stabilisierenden Faktoren finden zunehmend Eingang in institutionelle Angebote, um Einsamkeit und sozialer Entfremdung frühzeitig entgegenzuwirken.
