WHO, Alarm

WHO schlÀgt Alarm: Einsamkeit macht viele krank

30.06.2025 - 08:00:39

Einsamkeit macht nicht nur vielen Menschen zu schaffen, es schwÀcht auch die Gesellschaft und kostet sie viel Geld. Eine WHO-Kommission zeigt die drastischen Folgen und erklÀrt, was zu tun ist.

  • Jeder sechste Mensch ist von Einsamkeit betroffen. (Symbolbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

    Julian Stratenschulte/dpa

  • Gegen Einsamkeit helfen gemeinsame FreizeitaktivitĂ€ten (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

    Christoph Soeder/dpa

  • Kinder verlernen echte Kommunikation, wenn sie zu viel am Handy sind (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Auch Kinder sind von Eltern genervt, die stĂ€ndig am Handy sind (Archivbild) - Foto: Axel Heimken/dpa

    Axel Heimken/dpa

Jeder sechste Mensch ist von Einsamkeit betroffen. (Symbolbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpaGegen Einsamkeit helfen gemeinsame FreizeitaktivitÀten (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpaKinder verlernen echte Kommunikation, wenn sie zu viel am Handy sind (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpaAuch Kinder sind von Eltern genervt, die stÀndig am Handy sind (Archivbild) - Foto: Axel Heimken/dpa

Jeder sechste Mensch weltweit ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Einsamkeit betroffen. Das berichtet eine WHO-Kommission, die sich mit dem Thema sozialen Beziehungen befasst hat. Einsamkeit und soziale Isolation machen demnach körperlich krank, was jedes Jahr zu 871.000 TodesfÀllen weltweit beitrage. 

Einsamkeit erhöhe das Risiko unter anderem von HirnschlĂ€gen und Herzinfarkten, Diabetes, Depressionen, AngstzustĂ€nden und Suizid. Einsame Teenager hĂ€tten eine 22 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, schlechtere Noten als MitschĂŒler zu bekommen, und einsame Erwachsene hĂ€tten es schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten. Menschen und Familien seien nicht nur individuell betroffen. In der Gesellschaft entstĂŒnden Milliardenkosten im Gesundheitswesen und durch AusfĂ€lle etwa bei der BeschĂ€ftigung.

Problem Handy und Alleinleben 

Der Co-Vorsitzende der Kommission, Vivek Murthy, definiert Einsamkeit so: «Einsamkeit ist ein schmerzhaftes, subjektives GefĂŒhl, das viele von uns empfinden, wenn wir nicht die Beziehungen haben, die wir brauchen. Im Gegensatz dazu ist soziale Isolation ein objektiver Zustand, in dem es nur wenige Beziehungen oder Interaktionen gibt.»

Einer von drei Ă€lteren Menschen und einer von vier Heranwachsenden seien nach SchĂ€tzungen sozial isoliert, heißt es in dem Bericht. Zu den Ursachen gehörten Krankheiten, schlechte Bildung und niedrige Einkommen, mangelnde Angebote fĂŒr soziale Kontakte und das Alleinleben sowie digitale Technologien. 

Nach Angaben von Murthy kommunizieren die Menschen seit Jahrtausenden nicht nur ĂŒber Worte, sondern auch GesichtsausdrĂŒcke, Körpersprache, Stimme und Schweigen. Dies gehe verloren, wenn sie stĂ€ndig ĂŒber Handys und soziale Medien kommunizieren. 

Gratis-AktivitĂ€tskarten fĂŒr junge Leute in Schweden

Die WHO fĂŒhrt Schweden als gutes Beispiel an: Das Land hat eine nationale Strategie gegen Einsamkeit, wie der schwedische Sozialminister Jakob Forssmed berichtet. Man habe erkannt, dass nicht nur die Einsamen ein Problem hĂ€tten, sondern die ganze Gesellschaft. In Schweden werde nun an vielen Orten bewusst versucht, soziale Kontakte zu ermöglichen, etwa in GeschĂ€ften oder Restaurants, in Nachbarschaften oder Vereinen. Alle Kinder und Jugendliche bekĂ€men bald Geldkarten geschenkt, mit denen sie aber nur GruppenaktivitĂ€ten fĂŒr die Freizeit buchen könnten.

Schweden werde Handys an öffentlichen Schulen verbieten, sagte der Minister. Studien hÀtten gezeigt, dass die sozialen Kontakte dadurch wachsen und Cybermobbing reduziert werde. Kinder und Jugendliche schliefen besser und fÀnden es leichter, das Handy auch in der Freizeit beiseitezulegen. Kinder seien auch oft frustriert, wenn ihre Eltern stÀndig mit Handys beschÀftigt seien, sagte Forssmed.

Handyfreie Zeiten finden

Digitale Technologien hĂ€tten ihr Gutes, betont die Kommission. Sie erlaubten Kontakte, etwa per Video, die frĂŒher unmöglich waren. Dennoch: «Es ist sehr wichtig, Orte und RĂ€ume in unserem Leben zu haben, wo wir von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen interagieren können, ohne von der Technologie abgelenkt zu werden», sagte Murthy.

@ dpa.de