Eiszeit in Europa: Dramatisch weniger JĂ€ger und Sammler
17.08.2024 - 08:17:15Anhand menschlicher ZĂ€hne aus dem eiszeitlichen Europa hat ein Wissenschaftsteam herausgefunden, wie prĂ€historische JĂ€ger und Sammler mit KlimaverĂ€nderungen umgingen. Die Zahl der Menschen habe wĂ€hrend der kĂ€ltesten Periode stark abgenommen, und im Westen standen die Eiszeit-EuropĂ€er sogar vor dem Aussterben, heiĂt es in der im Fachjournal «Science Advances» veröffentlichten Studie.Â
Auch damals gab es, wie heute, groĂe klimatische VerĂ€nderungen. «Wir sollten dringend aus unserer Vergangenheit lernen, wenn wir den komplexen Umweltproblemen der Zukunft begegnen möchten», erklĂ€rt Studienleiter Hannes Rathmann.
Der Wissenschaftler vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der UniversitĂ€t TĂŒbingen entwickelte fĂŒr die Analyse der Fossilien in Zusammenarbeit mit Kolleginnen der UniversitĂ€t TĂŒbingen, der UniversitĂ€t Ferrara (Italien) und der New York University (USA) eine neue Methode. Diese basiert auf einem maschinellen Lernalgorithmus.Â
ZĂ€hne als Beweis
«ZĂ€hne sind das hĂ€rteste Gewebe im menschlichen Körper und daher die am hĂ€ufigsten von ArchĂ€ologen gefundenen fossilen Skelettelemente. Auf diese Weise konnten wir einen beispiellosen Datensatz sammeln, der bisherige in seiner GröĂe deutlich ĂŒbertrifft», erklĂ€rt Rathmann. Die neue Sammlung umfasse Zahndaten von 450 prĂ€historischen Menschen aus ganz Europa, die den Zeitraum zwischen 47.000 und 7.000 Jahren vor heute abdeckten.
Die Forscher suchten kleine Varianten innerhalb des Gebisses, wie die Anzahl und Form der Kronenhöcker, Kamm- und Rillenmuster auf der KauflĂ€che oder das Vorhandensein oder Fehlen von WeisheitszĂ€hnen. «Diese Merkmale sind vererbbar, was bedeutet, dass wir sie nutzen können, um genetische Beziehungen unter den Eiszeit-Menschen zu verfolgen, ohne gut erhaltene alte DNA zu benötigen», erklĂ€rt Rathmann.Â
Demografischer Wandel durch massive KlimaverĂ€nderungenÂ
Die Studie zeigt, dass die Gemeinschaften in West- und Osteuropa vor etwa 47.000 bis 28.000 Jahren genetisch gut vernetzt waren. In Europa gab es in jener Zeit gröĂtenteils offene Steppenlandschaften. Auf ihnen lebten groĂe Herden von SĂ€ugetieren, einer wichtigen Nahrungsquelle der JĂ€ger und Sammler. Diese Bedingungen begĂŒnstigten wahrscheinlich eine Vernetzung der Gruppen.
In der nachfolgenden Periode vor 28.000 bis 14.700 Jahren, der kĂ€ltesten Periode, fanden die Forscher dagegen keine genetischen Verbindungen zwischen West- und Osteuropa. Zudem zeigen die Analysen, dass sich die PopulationsgröĂe in beiden Regionen erheblich verringerte. Dies fĂŒhrte zu einem Verlust der genetischen Vielfalt und schwindender Population.Â
Als die Temperaturen wieder anstiegen, die Gletscher sich zurĂŒckzogen und Steppen- sowie Waldvegetation zurĂŒckkehrten, nahmen die zuvor isolierten und stark reduzierten Gemeinschaften in West- und Osteuropa wieder an Zahl zu. Die Migration lief wieder an.Â





