Unfallrisiko, FußgĂ€nger

Unfallrisiko fĂŒr FußgĂ€nger bei Elektroautos höher

22.05.2024 - 06:48:09 | dpa.de

Elektroautos stellen fĂŒr FußgĂ€nger ein höheres Risiko dar als Verbrenner - wenn man die zurĂŒckgelegten Strecken berĂŒcksichtigt. Dass sie eher ĂŒberhört werden, wird als Faktor vermutet. Es gibt aber wohl weitere.

Elektroautos beschleunigen oft weitaus stÀrker, zudem werden sie wie alle Autos im Mittel immer schwerer. - Foto: Carsten Koall/dpa
Elektroautos beschleunigen oft weitaus stÀrker, zudem werden sie wie alle Autos im Mittel immer schwerer. - Foto: Carsten Koall/dpa

Elektroautos können einer Studie zufolge ein grĂ¶ĂŸeres Unfallrisiko fĂŒr FußgĂ€nger darstellen als Autos mit Verbrennermotor. Der Auswertung von Ă€lteren Daten aus Großbritannien zufolge werden FußgĂ€nger doppelt so wahrscheinlich von Elektro-/Hybridfahrzeugen erfasst wie von Benzin-/Dieselfahrzeugen. Eine Ursache könne sein, dass die Fahrzeuge leiser sind - vor allem in StĂ€dten seien sie wegen der UmgebungsgerĂ€usche weniger gut zu hören, erlĂ€utert das Forschungsteam im «Journal of Epidemiology & Community Health».

Fahrer von Elektro- oder Hybrid-Autos sollten verstĂ€rkt auf FußgĂ€nger achten, da diese sie möglicherweise nicht hören und auf die Straße treten könnten, so die Wissenschaftler. Zudem mĂŒsse daran gearbeitet werden, das erhöhte Risiko zu entschĂ€rfen. Zu den möglichen technischen Lösungen zĂ€hlten Systeme zur Kollisionsvermeidung und autonomen Notbremsung.

Kein Grund, nicht mehr zu Fuß unterwegs zu sein

Das Team betont auch, dass die Ergebnisse Menschen nicht davon abhalten sollten, zu Fuß zu gehen oder Rad zu fahren. Die Daten sollen vielmehr dafĂŒr genutzt werden, potenzielle Risiken im Straßenverkehr besser zu verstehen und etwas dagegen zu tun.

Die Forschenden um Phil Edwards von der London School of Hygiene & Tropical Medicine hatten das Unfallrisiko in Großbritannien anhand von Daten aus den Jahren 2013 bis 2017 untersucht. Von etwa 96.000 FußgĂ€ngern, die von einem Auto oder Taxi angefahren worden seien, sei es bei etwa Dreiviertel ein Fahrzeug mit Diesel- oder Benzinmotor gewesen (knapp 72.000) und bei zwei Prozent (etwa 1700) ein E-Auto oder Hybridauto. Bei etwa einem Viertel wurden keine Angaben gemacht.

Großteil der UnfĂ€lle in Ballungsgebieten

Die Forscher setzten diese Zahlen ins VerhĂ€ltnis zur Strecke, die mit der jeweiligen Fahrzeugart zurĂŒckgelegt wurde und berechneten die Unfallrate fĂŒr FußgĂ€nger pro 100 Millionen Meilen (etwa 160 Millionen Kilometer). Der jĂ€hrliche Durchschnitt habe bei Elektro- und Hybridfahrzeugen (5,16) doppelt so hoch gelegen wie bei Benzinern und Dieseln (2,40). Der Großteil der UnfĂ€lle passiere dabei in Ballungsgebieten.

EinschrĂ€nkend geben die Forschenden unter anderem zu bedenken, dass in der Auswertung Daten ĂŒber das Jahr 2017 hinaus fehlen und dass es eine Verzerrung dadurch geben könnte, dass jĂŒngere, weniger erfahrene Fahrer hĂ€ufiger ein Elektroauto besĂ€ĂŸen - jĂŒngere Fahrer seien generell eher in VerkehrsunfĂ€lle verwickelt. Auch Faktoren wie Unterschiede im Gewicht oder der Beschleunigung der Fahrzeuge könnten eine Rolle spielen.

StÀrkere Beschleunigung, mehr Gewicht

Elektroautos beschleunigen oft weitaus stĂ€rker, zudem werden sie wie alle Autos im Mittel immer schwerer. Gerade neu verkaufte E-Autos sind oft antriebsstarke, schwere SUVs oder Luxuskarossen. Analysen aus mehreren LĂ€ndern zeigten bereits, dass auf E-Autos unter anderem daher im VerhĂ€ltnis mehr VerkehrsunfĂ€lle zurĂŒckgehen als auf Verbrenner.

Elektrofahrzeuge fahren, vor allem beim Anfahren, leise. Daher verlangt der Gesetzgeber ein gezielt erzeugtes, kontinuierliches GerĂ€usch - damit auch Sehbehinderte die Fahrzeuge verorten können. Wie es klingt, ist weitgehend den Soundingenieuren der Hersteller ĂŒberlassen.

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