Elementarschutz: 41 Prozent der HĂ€user fehlt Versicherung
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts zunehmender Wetterextreme rĂŒckt die Absicherung von Immobilien gegen Naturgefahren verstĂ€rkt in den Fokus der Immobilienwirtschaft und der Versicherer. Aktuelle Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verdeutlichen jedoch eine bestĂ€ndige DeckungslĂŒcke: 41 Prozent der WohngebĂ€ude in Deutschland verfĂŒgen ĂŒber keinen Elementarschutz. DemgegenĂŒber steht eine Quote von 59 Prozent der Immobilienbesitzer, die eine entsprechende Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben.
Kostenstruktur und Schadensbilanz der Naturgefahren
Die wirtschaftliche Bedeutung einer erweiterten Absicherung wird durch die durchschnittlichen Schadenssummen unterstrichen. Laut GDV verursachen Ăberschwemmungen und Starkregen im Mittel Kosten in Höhe von 4.700 Euro pro Schadensfall. Bei SchĂ€den durch Sturm und Hagel liegt dieser Wert bei durchschnittlich 2.100 Euro. FĂŒr das Jahr 2025 bezifferte der Verband die Gesamtsumme der versicherten NaturgefahrenschĂ€den in Deutschland auf 1,4 Milliarden Euro.
Langfristige Beobachtungen des Statistischen Bundesamtes zeigen zudem, dass die versicherten SchĂ€den durch Wetterextreme pro Jahrzehnt um rund 15 Prozent ansteigen. Trotz dieser Entwicklung fĂŒhlen sich laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa 68 Prozent der Bevölkerung unzureichend auf die Folgen extremer Wetterereignisse vorbereitet.
Rechtliche Anforderungen und Obliegenheiten fĂŒr EigentĂŒmer
Neben dem Versicherungsschutz spielen bautechnische PrĂ€ventionsmaĂnahmen und die Einhaltung von Wartungsintervallen eine zentrale Rolle fĂŒr den Erhalt des Versicherungsschutzes. Norbert Hain vom Dachdeckerhandwerk Hessen weist darauf hin, dass GebĂ€udeversicherer Leistungen kĂŒrzen können, wenn Obliegenheitspflichten verletzt werden. So ist die sogenannte Windsogsicherung bereits seit dem Jahr 2011 verpflichtend.
Besondere Anforderungen gelten fĂŒr FlachdĂ€cher. GemÀà der DIN 18531 ist hier eine halbjĂ€hrliche Inspektion vorgesehen. Im Schadensfall ist zudem die WindstĂ€rke entscheidend: Eine automatische Regulierung erfolgt bei SturmschĂ€den in der Regel erst ab WindstĂ€rke 8, was einer Geschwindigkeit von 62 bis 74 Kilometern pro Stunde entspricht.
41 Prozent der WohngebĂ€ude in Deutschland haben keinen Elementarschutz â doch Starkregen, Sturm und Hagel können jedes Haus treffen. Mit den richtigen VorsorgemaĂnahmen senken Sie Ihr Risiko erheblich. Jetzt kostenlosen Elementarschutz-Leitfaden anfordern
Kommunale Strategien und Investitionen in den Hochwasserschutz
Auf kommunaler Ebene fĂŒhren vergangene Ereignisse zu massiven Investitionen in die Infrastruktur. Die Stadt Vellmar verzeichnete durch ein Unwetter im Juni 2023 SchĂ€den von ĂŒber 2 Millionen Euro an öffentlichen Einrichtungen, darunter eine KindertagesstĂ€tte und mehrere Sporthallen. Als Reaktion setzt die Kommune verstĂ€rkt auf mobile Hochwasserschutzsysteme und FrĂŒhwarnmechanismen.
Andere StĂ€dte verfolgen langfristige Strategien. Die Stadt Wolfhagen investierte ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren insgesamt 2,3 Millionen Euro in den Hochwasserschutz an verschiedenen FlieĂgewĂ€ssern durch Renaturierungen und RetentionsflĂ€chen. Ein aktuelles GroĂprojekt wurde Ende Juli 2026 in Karlsruhe genehmigt. Mit einem Gesamtvolumen von 63 Millionen Euro, wovon das Land 55 Millionen Euro trĂ€gt, soll ab Herbst 2026 ein HochwasserrĂŒckhaltebecken mit einem Stauvolumen von 1,3 Millionen Kubikmetern entstehen, um einen Schutz gegen 100-jĂ€hrliche Hochwasserereignisse zu gewĂ€hrleisten.
Digitale Transformation und technologische Innovationen
Wer sein Dach nicht regelmĂ€Ăig prĂŒft, riskiert im Schadensfall KĂŒrzungen der Versicherung. Dieser Leitfaden zeigt, welche Obliegenheitspflichten Sie einhalten mĂŒssen, damit Ihr Versicherungsschutz im Ernstfall greift. Obliegenheitspflichten-Checkliste jetzt sichern
Die Forschung setzt verstĂ€rkt auf technologische UnterstĂŒtzung zur Schadensminimierung. Eine Studie des Bundesinstituts fĂŒr Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vom 5. August 2026 hebt hervor, dass digitale Technologien wie Sensoren, Datenplattformen und digitale Zwillinge Kommunen signifikant bei der Starkregenvorsorge unterstĂŒtzen können.
Auch im privaten Sektor gewinnen innovative Lösungen an Bedeutung. Das Projekt "Climate4Roofs" der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) untersucht die Kopplung von aktiver DachbegrĂŒnung mit der Innenraumklimatisierung, was Einsparungen bei der KĂŒhlenergie von bis zu 53 Prozent ermöglichen soll. Parallel dazu entwickelte die TU Graz mit "FLAPTrack" eine Photovoltaik-Anlage mit integriertem Sturmschutz, die durch eine intelligente NachfĂŒhrung durchschnittlich 40 Prozent mehr Strom als herkömmliche fixierte Module erzeugen kann.
