EMDR, Schmerzklinik

EMDR für Schmerzklinik: Erste deutsche Zertifizierung in Dormagen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein neuer Leitfaden und die Zertifizierung einer Klinik zeigen, wie EMDR an neurodivergente Menschen und chronische Schmerzen angepasst wird.

EMDR wird individueller: Neue Impulse für Trauma- und Schmerztherapie
Ein minimalistischer, ruhiger Behandlungsraum mit einem bequemen Sessel und natürlichem Licht, das durch ein Fenster fällt. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Schmerz- und Entzündungszustände lassen sich immer seltener mit standardisierten Behandlungsschemata erfassen. Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen setzen zunehmend auf Anpassungen bestehender Therapieformen an individuelle Voraussetzungen der Betroffenen – ein Trend, der sich sowohl in der Traumatherapie als auch in der klinischen Schmerzversorgung zeigt.

EMDR für neurodivergente Klienten

Ein Beispiel dafür liefert das Buch "Making EMDR Accessible" der Autorin Naomi Fisher, das am 21. September 2026 zum Preis von £24.99 erscheint. Der Leitfaden widmet sich der Frage, wie sich die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) an neurodivergente Klienten und diverse Bedürfnisse anpassen lässt.

EMDR wird ursprünglich zur Behandlung von Traumafolgestörungen eingesetzt und arbeitet mit bilateraler Stimulation, etwa durch geführte Augenbewegungen, um belastende Erinnerungen zu verarbeiten. Fishers Werk reiht sich in eine wachsende Debatte ein, wie starre Behandlungsprotokolle flexibler gestaltet werden können, ohne ihre Wirksamkeit einzubüßen.

Institutionelle Verankerung von EMDR in Deutschland

Auch außerhalb der Traumatherapie gewinnt EMDR an Bedeutung. Die stationäre Schmerzmedizin des Rheinland Klinikums Dormagen wurde im Frühjahr 2026 als erste und bislang einzige Schmerzklinik Deutschlands als EMDR-Klinik zertifiziert, wie die Klinik mitteilte.

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Das Zertifikat vergab EMDRIA Deutschland e.V. In Deutschland ist EMDR bereits seit 2015 als anerkannte Psychotherapie-Technik zugelassen, findet jedoch traditionell vor allem in der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen Anwendung.

Die Zertifizierung der Dormagener Klinik markiert damit einen Brückenschlag zwischen Trauma- und Schmerztherapie: Sie folgt der Annahme, dass chronische Schmerzzustände häufig mit unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen verknüpft sind und von einer entsprechend angepassten Behandlung profitieren können.

Gemeinsamer Nenner: Anpassung statt Standardisierung

Beide Entwicklungen – das neue Fachbuch aus Großbritannien und die Zertifizierung in Dormagen – verweisen auf denselben übergeordneten Trend: Therapieformen, die ursprünglich für ein enges Anwendungsfeld entwickelt wurden, werden zunehmend für heterogene Patientengruppen und neue Indikationsbereiche weiterentwickelt.

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Für neurodivergente Klienten bedeutet dies etwa, dass klassische EMDR-Protokolle in Tempo, Kommunikationsform oder sensorischer Belastung angepasst werden müssen, damit die Methode wirksam und zumutbar bleibt.

In der Schmerzmedizin wiederum eröffnet die Zertifizierung einer spezialisierten Klinik die Möglichkeit, EMDR systematisch in multimodale Schmerztherapiekonzepte zu integrieren, statt es als isolierte Zusatzoption zu behandeln.

Bedeutung für die Versorgungspraxis

Für Behandelnde und Betroffene ergibt sich aus beiden Entwicklungen ein praktischer Nutzen: Fachliteratur wie Fishers Leitfaden liefert konkrete Handlungsanweisungen für die Anpassung etablierter Methoden an individuelle Bedürfnisse, während institutionelle Zertifizierungen wie jene in Dormagen Qualitätsstandards schaffen, an denen sich weitere Einrichtungen orientieren können.

Beide Ansätze verdeutlichen, dass die Zukunft der Schmerz- und Traumatherapie weniger in neuen Wirkmechanismen als in der gezielten Individualisierung bestehender, wissenschaftlich fundierter Verfahren liegen dürfte.

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