Endometriose-Forschung, Universität

Endometriose-Forschung: Universität Erfurt startet Projekt im Januar 2027

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute betonen maßgeschneiderte Behandlungen; ein Erfurter Projekt soll ab 2027 Hindernisse bei der Diagnose untersuchen.

Endometriose: Warum individuelle Therapien und frühe Diagnose zählen
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Arzt- oder Therapieraum mit einem leeren Stuhl und einem Glas Wasser. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Fachpublikationen thematisieren ein anhaltendes Problem in der Versorgung von Endometriose-Patientinnen: Die Findung einer wirksamen Behandlung bleibt häufig dem Zufall überlassen. Fachleute fordern daher verstärkt den Einsatz personalisierter medizinischer Konzepte. Da sich das Krankheitsbild von Person zu Person stark unterscheidet, greifen pauschale Standardtherapien oft zu kurz.

Diskrepanz zwischen Symptomen und Befund

Bei der Behandlung existiert keine Universallösung. Prim. Ass.-Prof. Dr. Balint Balogh, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg, erklärte im Rahmen eines Online-Vortrags zur Frauengesundheit, dass die Schmerzsymptome häufig nicht mit der anatomischen Ausprägung der Erkrankung korrelieren.

Eine Therapie müsse sich daher individuell an der konkreten Belastung – etwa chronischen Schmerzen, unerfülltem Kinderwunsch oder Beschwerden trotz Vorbehandlung –, am Alter, an der Lebenssituation und am Ausmaß der Erkrankung orientieren.

Neben hormonellen Medikamenten, Schmerzmitteln und Operationen bei bestimmten Formen hob Balogh ergänzende Maßnahmen hervor. Gute Ergebnisse ließen sich durch Physiotherapie, Bewegung, Ernährung, Osteopathie und Sport erzielen. Bei bestehendem Kinderwunsch sei zudem eine frühzeitige Beratung in einem spezialisierten Zentrum ratsam.

Zudem stellte Balogh klar, dass Endometriose gutartig sei. Bei Endometriomen am Eierstock könne das Risiko für bestimmte Eierstockkrebsformen erhöht sein, für andere Formen sei jedoch kein deutlich erhöhtes Risiko festgestellt worden.

Grenzen von Trend-Medikamenten und Trend-Konzepten

Der Chirurg Tiago Castilho wies darauf hin, dass die Behandlung stets individuell nach Läsionsgröße, Ausmaß, Lokalisation, Lebensqualität und Kinderwunsch erfolgen müsse. Laut WHO sind weltweit rund 10 % der Frauen von Endometriose betroffen.

Zuletzt wurde der Wirkstoff Tirzepatid – zugelassen für Diabetes Typ 2 und Adipositas – in sozialen Netzwerken und Selbsthilfegruppen mit einer Linderung von Beckenschmerzen und Blähungen in Verbindung gebracht. Castilho betonte jedoch, dass es sich hierbei um keine spezifische Endometriose-Behandlung handle.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema chronischer Schmerzen befasst, weiß, wie belastend Entzündungsprozesse für das Wohlbefinden sein können. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit der passenden Ernährung und gezielten Entzündungs-Killern Ihre Lebensqualität steigern. Kostenlosen Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung sichern

Der Mechanismus beruhe auf Gewichtsverlust: Weniger Fettgewebe führe zu einer Reduktion entzündungsfördernder Substanzen und zu weniger Estrogen. Dies sei lediglich ein indirekter Effekt, der die Endometriose-Herde nicht direkt angreife. Keine kontrollierte klinische Studie belege eine Reduktion der Herde, die Verhinderung von Organverklebungen oder eine Heilung.

Eine reine Symptomlinderung dürfe nicht mit einer Rückbildung der Erkrankung verwechselt werden, da ein Schmerzrückgang fortschreitende Läsionen verschleiern und die korrekte Therapie verzögern könne. Bewährte Optionen reichen laut Castilho von Hormonkontrolle bis zu minimalinvasiver Chirurgie, flankiert von Physiotherapie, Ernährung und psychologischer Unterstützung.

Auch sogenannte Cycle-Syncing-Konzepte stehen in der Kritik. Eine Analyse von Dr. Katharine Lee von der Tulane University New Orleans ergab keine überzeugenden Belege dafür, dass Frauen bei an Zyklusphasen angepasster Ernährung und Bewegung gesünder oder leistungsfähiger seien.

Zudem seien Zyklus-Apps nicht zur Diagnose von Endometriose geeignet und stünden teils im Widerspruch zu medizinischen Leitlinien. Bei digitalen Anwendungen gelte es, auf Qualitäts- und Evidenzstandards zu achten, beispielsweise orientiert an der DiGA-Liste beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Diagnostische Hürden und chirurgische Entwicklungen

In Deutschland sind laut Deutscher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 2 bis 4 Mio. Menschen von Endometriose betroffen. Nach Angaben der Endometriose-Vereinigung Deutschland warten Betroffene im Durchschnitt siebeneinhalb Jahre auf einen Befund.

Um diese Verzögerungen zu untersuchen, startet im Januar 2027 an der Universität Erfurt ein Forschungsprojekt unter Leitung von Dr. Sarah Eitze, das vom Bundesgesundheitsministerium mit 1,2 Mio. Euro gefördert wird.

Über fünf Jahre hinweg sollen systemische, soziale und individuelle Barrieren analysiert werden, um Schulungsunterlagen zur früheren Symptomerkennung für medizinisches Personal zu entwickeln. Eine frühe Diagnose beeinflusst laut der Universität den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und den Schmerzmittelkonsum entscheidend.

Anzeige

Stress und Erschöpfung sind häufige Begleiter bei langwierigen Diagnosewegen und chronischen Beschwerden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie über den Vagusnerv Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren und das Nervensystem sanft regulieren. Vagus-Therapie: Kostenlosen Report inkl. Trainingsvideo anfordern

Auf chirurgischer Seite gewinnen technologische Hilfsmittel an Bedeutung. Die Klinik Mater Dei Goiânia führte kürzlich ihre erste robotische Operation zur Endometriose-Behandlung mit dem System Da Vinci X durch. Nach brasilianischen Ministeriumsangaben betrifft die Erkrankung 5 % bis 15 % der Frauen im reproduktiven Alter.

Für das Jahr 2024 verzeichnete das öffentliche Gesundheitssystem SUS 145.744 Behandlungen in der Primärversorgung, 53.793 in der spezialisierten Versorgung und 19.554 Krankenhausaufenthalte – ein Anstieg um 32 % gegenüber 2022. Zu den potenziellen Vorteilen des Robotereinsatzes zählen eine geringere Gewebeschädigung, weniger Blutverlust, reduzierte postoperative Schmerzen und eine raschere Erholung.

Gezielte Bewegung als Baustein

Ergänzend zur medizinischen Intervention kann regelmäßige Bewegung zur Linderung beitragen, indem sie Entzündungen reduziert, das autonome Nervensystem reguliert und die Fitness steigert. Empfohlen werden schonende Aktivitäten wie Yoga, Pilates, Schwimmen, leichtes Wandern oder Tai Chi.

Beckenbodenübungen sollten unter physiotherapeutischer Anleitung erfolgen. Ruckartige Bewegungen und Übungen mit starker Bauchpresse wie schweres Kreuzheben sind bei Schmerzen hingegen zu meiden. Betroffene sollten vor Trainingsbeginn ärztlichen Rat einholen und Einheiten behutsam aufbauen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70288249 |