Entzündungsforschung: DHRS7 ist das seit 1992 gesuchte Enzym 5-HEDH
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 09:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der biomedizinischen Forschung galt die genaue molekulare Identität eines zentralen Entzündungsenzyms über Jahrzehnte als ungeklärt. Nun ist einem Forschungsteam des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) ein wesentlicher Durchbruch gelungen: Wie aus einer im Fachjournal Nature (doi:10.1038/s41586-026-11121-2) veröffentlichten Untersuchung hervorgeht, handelt es sich bei dem Enzym DHRS7 um die seit 1992 gesuchte 5-Hydroxyeicosanoid-Dehydrogenase (5-HEDH).
Dieses Enzym ist für den Auf- sowie den Abbau des Signalmoleküls 5-oxoETE verantwortlich, wie unter anderem das Fachportal bioon.com in einem Bericht vom 20. Oktober 2026 darlegte.
Ein biochemischer Redox-Sensor mit Doppelfunktion
Die Arbeit der Forschenden des MSKCC zeigt auf, wie der Signalweg rund um 5-oxoETE und seinen Rezeptor OXER1 auf zellulärer Ebene gesteuert wird. Demnach fungiert das Enzym DHRS7 als empfindlicher Redox-Sensor, der über das Verhältnis von NADP+ zu NADPH reguliert wird. Auf diese Weise kann das Gewebe direkt auf metabolische und oxidative Veränderungen reagieren.
Dabei übernimmt der 5-oxoETE-OXER1-Signalpfad eine bemerkenswerte Doppelfunktion im Immunsystem und im Gewebeverband: Einerseits dient der Pfad der Anlockung von Leukozyten an Entzündungsherde, andererseits schützt er aktiv die Epithelien vor Schäden und Destabilisierung.
Relevanz für chronische Entzündungen und Tumorerkrankungen
Die Aufklärung des Mechanismus liefert neue Erklärungsansätze für klinische Verläufe bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD). Die Wissenschaftler des MSKCC stellten fest, dass Patientinnen und Patienten mit IBD im Darmgewebe verringerte Konzentrationen von 5-oxoETE aufweisen. Dieses Absinken des Signalmoleküls ist den Studiendaten zufolge mit einem schlechteren klinischen Outcome der Betroffenen assoziiert.
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Darüber hinaus reicht die Bedeutung des Signalwegs weit in die Onkologie hinein. Die Arbeitsgruppe konnte nachweisen, dass Verlustmutationen des Rezeptors OXER1 mit einer ungünstigeren Prognose bei verschiedenen Krebsarten korrelieren. Betroffen sind hiervon insbesondere das Kolorektalkarzinom, das Pankreaskarzinom sowie das Endometriumkarzinom.
Zebrafisch als alternatives Modell und künftige Zielrichtungen
Ein besonderes methodisches Hindernis lag in den vergangenen Jahren in der Wahl geeigneter Tiermodelle: Klassische Mausmodelle erwiesen sich für die Untersuchung dieses Signalwegs als ungeeignet, da Mäusen der entsprechende Rezeptor OXER1 fehlt. Das Team des MSKCC setzte bei seinen Analysen daher erfolgreich auf den Zebrafisch als Modellorganismus, um die biologischen Wirkmechanismen experimentell nachzuvollziehen.
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Die Identifizierung von DHRS7 als 5-HEDH liefert eine veränderte Perspektive auf Entzündungs- und Schutzmechanismen im menschlichen Körper. Nach Einschätzung der Forschenden des MSKCC eröffnen die Erkenntnisse eine gänzlich neue Zielrichtung für die Erforschung und Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Asthma sowie mukosalen Tumoren.
