Krankenhäuser, Apotheken

ePA-Pflicht ab Juni: Krankenhäuser und Apotheken müssen digital

19.06.2026 - 01:31:11 | boerse-global.de

Krankenhäuser und Apotheken starten mit der ePA-Pflicht. Die Nutzung durch Versicherte bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück.

ePA-Pflicht ab Juni 2026: Digitaler Wandel im Gesundheitswesen
Krankenhäuser - Eine Apothekerin blickt auf einen leuchtenden digitalen Bildschirm mit einem E-Rezept-Symbol, der die digitale Transformation im Gesundheitswesen symbolisiert. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab Mitte Juni 2026 sind Krankenhäuser und Apotheken in Deutschland gesetzlich zur Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) verpflichtet. Der digitale Umbau des Gesundheitswesens erreicht damit eine neue Stufe – mit weitreichenden Folgen für Patienten, Ärzte und Versicherungen.

Hohe Bereitschaft, verhaltene Nutzung

Die Infrastruktur steht. In Berlin haben fast alle Praxen die nötigen ePA-Module installiert, nur rund fünf Prozent befinden sich noch in der Umstellungsphase. Bundesweit wurden bis April 2026 rund 73 Millionen elektronische Patientenakten angelegt, wie aus dem Hauptstadtkongress 2026 hervorgeht. Wöchentlich greifen 93.000 Praxen auf das System zu, die Zahl der hochgeladenen Dokumente hat die Marke von 100 Millionen überschritten.

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Doch die aktive Nutzung durch die Versicherten hinkt hinterher. Von den 74 Millionen gesetzlich Krankenversicherten (GKV) nutzen schätzungsweise nur vier bis 24 Prozent die ePA tatsächlich. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will das ändern. „Medizinische Daten sind keine Option, sondern eine Notwendigkeit für Transparenz und Forschung“, betonte Philipp Müller, Abteilungsleiter im BMG, zuletzt deutlich.

Bis Oktober soll das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) die ePA-Daten von 70 Millionen Versicherten fĂĽr hunderte Forschungsprojekte nutzbar machen. Ein ambitionierter Plan, der zeigt, wohin die Reise geht.

Private Krankenversicherung zieht nach

Auch die private Krankenversicherung (PKV) rüstet digital auf. Am 18. Juni 2026 kündigte Insiders Technologies an, sein „smart E-Rezept“-Modul um eine ePA-Komponente für den PKV-Markt zu erweitern. Sieben private Versicherer nutzen bereits die E-Rezept-Lösung, fünf davon – darunter Alte Oldenburger, Concordia, Münchener Verein, VRK und VGH – führen nun auch die ePA-Funktion ein.

Dr. Armin Stahl von Insiders Technologies erklärte, die Anwendungen zielten darauf ab, die Servicequalität zu verbessern und die Verwaltungskosten für Privatpatienten zu senken. Parallel dazu arbeitet der GKV-Spitzenverband an einem digitalen Navigations-Tool. Per App oder Telefon-Hotline sollen chronisch Kranke mit stabilem Behandlungsplan künftig Überweisungen und Rezeptverlängerungen managen können – ohne den Gang zum Arzt.

Apotheken werden zur Telemedizin-Station

Ein echter Gamechanger steht ab dem 1. Juli 2026 an: Das BMG hat die assistierte Telemedizin in Apotheken genehmigt. Gerade in ländlichen Regionen oder für Patienten ohne zuverlässigen Internetzugang soll das eine echte Erleichterung sein. Die Apotheke prüft dann mit digitalen Hilfsmitteln, ob eine Videosprechstunde beim Arzt sinnvoll ist.

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Die Vergütung ist bereits geregelt: Der GKV-Spitzenverband und der Deutsche Apothekerverband (DAV) haben eine Pauschale von 30 Euro pro Sitzung vereinbart. Bis Juli 2029 sinkt diese Gebühr auf 21,50 Euro. Ein Modell mit Potenzial – und eine klare Antwort auf die Frage, wie die Gesundheitsversorgung der Zukunft aussehen könnte.

Internationale Perspektive: Polen und der Markt

Der Trend zur Digitalisierung macht auch vor den Nachbarländern nicht halt. In Polen startet am 1. Juli 2026 ein System, das die Einlösung von E-Rezepten in mehreren Apotheken erlaubt – eine Forderung der pharmazeutischen Kammer, um den Zugang für Patienten zu verbessern.

Im privaten Sektor zeigt sich ebenfalls Bewegung. Am 18. Juni 2026 gaben Abarca Health und LucyRx ihre strategische Fusion bekannt. Das neue Unternehmen will als moderner Pharmacy Benefit Manager (PBM) über neun Millionen Mitglieder in den USA betreuen. Ein klares Signal, dass die Komplexität digitaler Gesundheitssysteme neue Allianzen erzwingt.

de | wissenschaft | 69577751 |