Epilepsie und frühe Demenz: Studie findet bis zu sechsmal höheres Risiko
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deDiagnosen kognitiver Erkrankungen stellen Menschen vor dem Rentenalter vor besondere Herausforderungen. Während Fachstellen spezifische Gesprächskreise für jüngere Demenzbetroffene initiieren, weisen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen Epilepsie und einem sechsfach erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen vor dem 65. Lebensjahr hin.
Studienergebnisse verknüpfen Epilepsie mit früher Demenz
Eine im Fachjournal Neurology im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung verdeutlicht, dass Epilepsie mit einem bis zu 6-fach erhöhten relativen Risiko für das Auftreten einer Demenz vor dem 65. Lebensjahr verbunden ist. Die Studienautoren betonen jedoch, dass kein Kausalnachweis vorliegt und das absolute Risiko weiterhin als niedrig eingestuft wird.
Die Auswertung französischer Registerdaten umfasste 11.360 Demenzfälle vor dem 65. Lebensjahr im Vergleich zu 113.600 Kontrollpersonen ohne diese Diagnose. In der Gruppe der Demenzerkrankten lag bei 12,5% eine Epilepsie-Diagnose vor, verglichen mit 1,2% in der Kontrollgruppe.
Zudem nahmen 27,3% der Demenzpatienten Epilepsiemedikamente ein, während dies in der Vergleichsgruppe bei 10,3% der Fall war. Ein vergleichbares Bild ergaben Daten aus Schweden, bei denen 16.433 Demenzfälle vor 65 Jahren einer Gruppe von 164.330 Kontrollen gegenübergestellt wurden; die Ergebnisse fielen ähnlich wie in Frankreich aus.
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Eine zweite Analyse im Rahmen der Veröffentlichung untersuchte Personen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren in Frankreich über einen Zeitraum von zehn Jahren. Von 12.901 Teilnehmern mit neu diagnostizierter Epilepsie entwickelten 2,2% eine frühe Demenz.
Bei bereits vorbestehender Epilepsie lag dieser Anteil bei 1,7%, während er in der Vergleichsgruppe ohne Epilepsie lediglich 0,2% betrug. Statistisch adjustiert ergab sich daraus ein 6-fach bzw. 74% höheres Risiko.
Studienautor Dr. Vincent Navarro von der Sorbonne stellte fest, dass das absolute Risiko gering sei und die Mehrheit der Epilepsiepatienten keine Demenz entwickele. Gleichzeitig hob er hervor, dass die Demenzprävention künftig stärker in die reguläre Epilepsieversorgung integriert werden sollte.
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Spezifische Angebote für Betroffene unter 70 Jahren
Parallel zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen gewinnt die praktische Unterstützung für Patienten im jüngeren Lebensalter an Bedeutung. Da bestehende Hilfestrukturen häufig auf hochbetagte Menschen ausgerichtet sind, entstehen spezialisierte Gruppenangebote für Menschen, die mitten im Berufs- oder Familienleben von der Diagnose betroffen sind.
Die Selbsthilfekontaktstelle Landkreis Tuttlingen richtet ein solches Format ein: Am 3. November 2026 tagt von 17:00 bis 19:00 Uhr ein geschützter Gesprächskreis für Demenzbetroffene unter 70 Jahren im Insel-Café in der Oberamteistraße 17 in Tuttlingen. Die Teilnahme an dem Treffen ist kostenfrei, wobei eine Anmeldung erwünscht ist und eine selbstständige Anreise der Teilnehmenden möglich sein sollte.
Organisatorisch und finanziell wird der Gesprächskreis mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg sowie der gesetzlichen Pflegeversicherung unterstützt. Betroffene und Interessierte können sich für weitere Informationen oder eine Registrierung telefonisch unter 07461/926 4604 oder per E-Mail unter selbsthilfekontaktstelle@landkreis-tuttlingen.de an die Kontaktstelle wenden.
