Erbe und Recht: BGH stärkt Schutz bei NS-Familienarchiven
28.06.2026 - 20:22:41 | boerse-global.de
Wer NS-Familienarchive erwirbt, muss künftig genauer prüfen, woher die Stücke stammen.
Wellenlinie statt Unterschrift: Wenn Testamente ungültig werden
Ein Testament muss handschriftlich unterschrieben sein – das klingt simpel. Doch das Oberlandesgericht München hatte einen kuriosen Fall zu entscheiden: Eine wolkenförmige Wellenlinie unter einem eigenhändigen Testament reicht nicht als gültige Unterschrift. Die Folge: Das Dokument war formnichtig, die gesetzliche Erbfolge trat ein. Das Urteil (Az. 33 Wx 289/24e) stammt vom Mai 2025.
Der BGH legte am 26. Juni 2026 nach (Az. V ZR 92/25): Wer historisch bedeutsame Güter erwirbt, muss deren Herkunft genau prüfen. Das gilt besonders für NS-Familienarchive. Das Gericht stellte klar: Eine Sache gilt als abhandengekommen, wenn der ursprüngliche Eigentümer den Besitzentzug nur geduldet hat. Ein gutgläubiger Erwerb ist dann ausgeschlossen.
Steuerfalle Erbe: Wann die Erbschaftsteuer auf null sinkt
Erben stehen oft vor einem Problem: Sie sollen Steuern zahlen, obwohl sie nichts bekommen haben. Der Bundesfinanzhof schafft hier Abhilfe. In einem Urteil (Az. II R 1/22) eröffnete er die Möglichkeit, die Erbschaftsteuer aus Billigkeitsgründen auf null Euro festzusetzen. Das gilt, wenn sich andere Miterben den Nachlass unrechtmäßig aneignen und der Kläger trotz aller Bemühungen leer ausgeht.
Bei Immobilien setzte der BFH am 11. März 2026 (Az. II R 6/23) klare Regeln: Das Vergleichswertverfahren hat Vorrang vor dem Sachwertverfahren. Wer einen niedrigeren Wert geltend machen will, braucht ein entsprechendes Gutachten.
Der BGH stärkt die Rechte von Erben – doch viele Fallstricke bleiben. Mit diesem Leitfaden vermeiden Sie Formfehler bei Testamenten, prüfen die Herkunft von Erbstücken und senken die Erbschaftsteuer auf null. Jetzt kostenlosen Erbe-Leitfaden anfordern
Schatzsuche in der Provinz: Von Steinsehern und Bergbau-Erbe
Nicht alles, was bleibt, ist Geld oder Aktien. In Würchwitz im Burgenlandkreis erforscht Volker Thurm die Geschichte der „Maltuffels Pauline“. Die Frau lebte vor rund 200 Jahren in einem Armenhaus und soll angeblich aus Steinen die Zukunft gelesen haben.
Das Universitätsarchiv Konstanz bewahrt dagegen Dokumente aus 60 Jahren Hochschulgeschichte. Anfang Juli 2026 werden sie bei öffentlichen Führungen zugänglich gemacht.
Ein besonderes Stück Industriegeschichte steht derzeit zum Verkauf: Die Mitteldeutsche Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft sucht bis Ende Juni Bieter für den Niewandtschacht bei Hettstedt. Das denkmalgeschützte Areal umfasst eine zwölf Hektar große Halde und Schachtgebäude aus dem Kupferschieferabbau ab 1869. Der Mindestpreis: 150.000 Euro.
Was wir tragen: Literaturpreis für Erbe-Text
Erben ohne Testament? Das OLG München hat entschieden: Eine Wellenlinie reicht nicht als Unterschrift. Sichern Sie sich die Checkliste zur formgültigen Testamentserstellung – inklusive aktueller BGH-Rechtsprechung. Checkliste Testament jetzt sichern
Das Thema Nachlass findet auch in der Kultur Widerhall. Bei der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises am 28. Juni 2026 in Klagenfurt gewann Lena Schätte den Hauptpreis. Ihr Text „Was wir tragen“ beschäftigt sich mit den immateriellen Aspekten des Erbes.
Praktischer wird es bei der Auflösung von Nachlässen: Die Werke der Künstlerin Margret Lieser wurden im Frühjahr für eine Versteigerung vorbereitet. Und aus einer insolventen Kellerei im Burgenland werden rund 195.000 Flaschen Rohsekt verkauft – 30.000 Einheiten gingen bereits an Winzer und Handelsketten.
