Erholung im Urlaub: Nur 35,7% kehren wirklich erholt zurück
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine erfolgreiche Regeneration vom Arbeitsalltag erfordert eine systematische Vorbereitung und klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund verdeutlichen die Notwendigkeit, bereits vor Urlaubsantritt Vorkehrungen zu treffen. Hannah Schade vom Institut empfiehlt hierbei insbesondere den konsequenten Verzicht auf dienstliche E-Mails und Telefonate während der Abwesenheit, um den Erholungsprozess nicht zu unterbrechen.
Herausforderungen bei der Regeneration und die Rolle der Erreichbarkeit
Die Realität in deutschen Unternehmen weicht oft von diesen Empfehlungen ab. Eine im Juli 2025 durchgeführte Umfrage der Plattformen Appinio und Indeed zeigt, dass lediglich 35,7 Prozent der Erwerbstätigen tatsächlich erholt aus ihrem Urlaub zurückkehren. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte die mangelnde Abgrenzung sein: Rund 57 Prozent der Befragten gaben an, gelegentlich oder sogar regelmäßig während ihrer freien Tage zu arbeiten.
Besonders jüngere Beschäftigte im Alter zwischen 18 und 34 Jahren stehen unter Druck. Laut einer YouGov-Studie aus dem Juni 2025 fühlen sich 40 Prozent dieser Altersgruppe nach dem Urlaub gestresster als zuvor, während dieser Wert über alle Altersgruppen hinweg bei 25 Prozent liegt. Professor Hannes Zacher von der Universität Leipzig identifiziert das Diensthandy als den größten Störfaktor für eine effektive Erholung. Er weist darauf hin, dass gerade jüngere Arbeitnehmer aufgrund oft unsicherer Arbeitsbedingungen unter einem erhöhten Leistungs- und Präsenzdruck stehen.
Strategien für einen sanften Wiedereinstieg und präventive Maßnahmen
Um den Erholungseffekt zu maximieren, raten Experten zu einer vorausschauenden Planung. Professor Zacher schlägt vor, Aufgaben rechtzeitig zu delegieren, eine klare Vertretungsregelung zu treffen und die eigene Erreichbarkeit – beziehungsweise deren Abwesenheit – eindeutig zu kommunizieren. Ein praktischer Ansatz für die Rückkehr sei es zudem, den ersten Arbeitstag auf einen Mittwoch zu legen, um die erste Arbeitswoche kurz zu halten.
Wer nach dem Urlaub wirklich erholt sein will, braucht eine systematische Vorbereitung. Die 4-A-Regel der AOK PLUS hilft, Aufgaben rechtzeitig aufzuteilen und klare Grenzen zu setzen – damit Sie nicht zu den 57% gehören, die während der freien Tage arbeiten. Erholungs-Guide mit 4-A-Regel jetzt anfordern
Die gesundheitliche Relevanz dieser Maßnahmen wird durch Daten unterstrichen, die im Rahmen einer YouGov-Umfrage für Doctolib erhoben wurden. Demnach bemerken 52 Prozent der Deutschen erst während des Urlaubs, wie erschöpft sie tatsächlich sind. Etwa 46 Prozent starten bereits mit einem hohen Stresslevel in die freie Zeit. Ein Drittel der Befragten gibt an, dass der Erholungseffekt kaum vorhanden oder sogar negativ sei.
Sollte die Erschöpfung nach dem Urlaub länger als einige Wochen anhalten oder Symptome wie morgendliche Müdigkeit, Leistungsabfall und emotionale Überempfindlichkeit auftreten, rät ein Psychiater zur professionellen Abklärung. Kritisch zu betrachten sei hierbei, dass laut den Erhebungen etwa 27 Prozent der Betroffenen in solchen Fällen zunächst abwarten würden, anstatt aktiv Hilfe zu suchen.
Achtsamkeit im Alltag und die Bedeutung von Routinen
Neben der Urlaubsgestaltung spielt die tägliche Selbstfürsorge eine zentrale Rolle bei der Prävention von Burnout, Schlafstörungen oder chronischen Rückenschmerzen. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Introspektion und dem bewussten Setzen von Grenzen.
40% der 18-34-Jährigen sind nach dem Urlaub gestresster als zuvor. Der Grund: fehlende Abgrenzung und ein voller E-Mail-Postfach bei der Rückkehr. Mit der Checkliste für Vertretungsregelung und den 5 Schritten für den Wiedereinstieg bleiben Sie länger erholt. Checkliste für stressfreien Urlaub sichern
Ergänzend dazu publizierte die AOK PLUS die sogenannte 4-A-Regel (Arbeiten aufteilen) sowie Empfehlungen für Micropausen und Achtsamkeitsübungen. Auch die Nutzung von Urlaubserinnerungen kann helfen, die Erholung in den Alltag zu verlängern. Zur Vermeidung des sogenannten Post-Holiday-Syndroms, das oft mit Gereiztheit nach Urlaubsende einhergeht, empfiehlt FOCUS online einen sanften Wiedereinstieg und bewusstes Abschalten.
Sogar einfache Morgenroutinen können zur mentalen Entlastung beitragen. Fachleute raten beispielsweise dazu, das Bett erst nach dem Frühstück zu machen, damit Feuchtigkeit entweichen kann, und die Wohnung kurzzeitig intensiv zu lüften. Die Nutzung eines Timers für kurze Aufräumarbeiten kann zudem helfen, die Struktur im Alltag zu wahren, ohne die morgendlichen Energiereserven vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn aufzubrauchen.
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