Erkältungswelle: 5,6 Millionen Atemwegsinfektionen in einer Woche
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit steigen die Fallzahlen bei akuten Atemwegsinfektionen wieder an. Gleichzeitig belasten anhaltende Lieferengpässe bei Arzneimitteln den Versorgungsalltag von Praxen und Apotheken. Berichte verdeutlichen das Zusammenspiel aus anziehender Infektionswelle und fortbestehenden Lücken in den pharmazeutischen Lieferketten.
Steigende Patientenzahlen in den Arztpraxen
In Mitteldeutschland zeichnet sich der Auftakt der Erkältungssaison ab, während auch bundesweit die Infektionszahlen steigen. Daten des Robert Koch-Instituts für die Woche vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 wiesen rund 5,6 Millionen neue akute Atemwegserkrankungen in Deutschland aus. Das entspricht etwa 6.600 Fällen je 100.000 Einwohner, womit der Wert knapp unter dem der Vorwoche lag.
Gleichzeitig führten die Atemwegsinfekte in dieser Berichtswoche zu schätzungsweise 1,1 Millionen Arztbesuchen. Das Geschehen wird vor allem von Rhino- und Enteroviren sowie Parainfluenzaviren geprägt, während das RKI bei SARS-CoV-2 und Influenzaviren einen allmählichen Aktivitätsanstieg verzeichnet.
Auch in Österreich schlägt sich die Welle nieder. Laut der Statistik der Österreichischen Gesundheitskasse meldeten sich in einer aktuellen Erfassung über 65.000 Menschen wegen eines grippalen Infekts sowie 806 Personen wegen Influenza krank. Regional verzeichnete Wien mit 19.802 grippalen Infekten und 417 Influenza-Fällen die höchsten Werte, gefolgt von Oberösterreich mit 12.309 Infekten.
Engpässe bei chronischen Therapien und Impfstoffen
Parallel zu den steigenden Infektionszahlen bleibt die Arzneimittelversorgung vielerorts angespannt. In Österreich führt das Vertriebseinschränkungsregister des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen rund 500 Medikamente, die derzeit nicht oder nur eingeschränkt lieferbar sind.
Nach Angaben des Arzneimittel-Radars des Verbands PHAGO, gestützt auf Daten von fünf österreichischen Vollgroßhändlern, gelten derzeit mehr als 13 Prozent der Präparate als lieferkritisch.
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Besonders spürbar sind die Ausfälle bei Dauertherapien. Auf Arzneimittel für den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel entfallen demnach täglich 28.000 betroffene Packungen; etwa ein Drittel der Antidiabetika verzeichnet Nachschubprobleme. Im Bereich der Herz-Kreislauf-Medikamente sind es 14.000 Packungen pro Tag.
Während Augenpräparate weiterhin Verfügbarkeitsprobleme aufweisen, hat sich die Lage bei Psychopharmaka zuletzt verbessert. Antibiotika sowie Erkältungs- und Fiebermittel stehen beim Vollgroßhandel derzeit in sehr gutem Umfang bereit. Um Schwankungen abzufedern, lagern die Großhändler an 23 Standorten rund 12 Millionen Arzneimittelpackungen als Puffer ein.
Verzögerungen gibt es zudem bei saisonalen Impfstoffen. Der Hersteller Sanofi verschiebt Auslieferungen des Grippeimpfstoffs Vaxigrip. Ursachen sind Anpassungen der Influenza-Stämme für die Saison 2026/2027, Engpässe bei Reagenzien sowie regulatorische Prozesse. Auch beim Vakzin Efluelda stehen noch Lieferungen aus.
Bis zum 4. Oktober gab das Paul-Ehrlich-Institut rund 16,3 Millionen Impfdosen frei – weniger als in den Vorjahren, als zur 40. Kalenderwoche teils über 18 oder 25 Millionen Dosen zur Verfügung gestanden hatten. In Österreich verschiebt sich die Ankunft von 868.000 bestellten Grippeimpfstoff-Dosen auf November.
Druck auf Apotheken und Versorgungsstrukturen
Die Kombination aus Logistikproblemen und Infektionswellen erhöht die Belastung im pharmazeutischen Alltag. Eine Befragung unter 117 ApoLife Apotheken in Österreich ergab, dass 75 Prozent der Betriebe die Bevölkerung als nicht oder wenig vorbereitet auf Erkältungs-, Grippe- und Covid-Wellen einstufen.
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Knapp 80 Prozent der befragten Apotheken beklagen eine problematische Schere zwischen steigenden Kosten und Umsatzwachstum. Zugleich empfinden 75 Prozent der Apotheken den Wettbewerb durch Online-Anbieter und ärztliche Hausapotheken als erhebliche Gefährdung.
Die Situation verdeutlicht, dass das Zusammentreffen von saisonal erhöhtem Versorgungsbedarf und global fragilen Lieferketten das Gesundheitssystem vor wiederkehrende organisatorische Hürden stellt.
