Hilfe, Herzdruckmassage

Erste Hilfe: Nur 15% trauen sich Herzdruckmassage zu

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DRK und Jugendrotkreuz verlangen mehr Erste-Hilfe-Unterricht an Schulen. Umfragen zeigen zugleich große Unsicherheit bei der Herzdruckmassage.

Erste Hilfe an Schulen: DRK fordert 24 Stunden jährlich
Ein heller, leerer Klassenraum mit Tischen und Stühlen in einem Kreis angeordnet, symbolisiert das schulische Lernumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die frühzeitige Heranführung von Kindern an Erste-Hilfe-Maßnahmen wird von Hilfsorganisationen und medizinischen Experten als zentraler Baustein eingestuft, um langfristig Kompetenzen und Sicherheit im Umgang mit medizinischen Notfällen zu stärken. Ziel ist es, bereits im jungen Alter Hemmschwellen abzubauen und lebensrettende Basismaßnahmen als gesellschaftliche Selbstverständlichkeit zu verankern.

Systemische Forderungen und gesellschaftliche Relevanz

Zum Welt-Erste-Hilfe-Tag am 12. September 2026 haben das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das Jugendrotkreuz (JRK) die Forderung nach verbindlichen Erste-Hilfe-Kompetenzen in Schulen bekräftigt. Angestrebt wird ein Umfang von mindestens 24 Unterrichtsstunden pro Schuljahr, der flächendeckend in allen Bundesländern umgesetzt werden soll.

In Deutschland liegt der Schwerpunkt des DRK in diesem Jahr auf der Förderung von Kindern und Jugendlichen, während das internationale Thema des Aktionstages die Erste Hilfe in Migrationskontexten adressiert.

Die Notwendigkeit einer breiteren Ausbildung in der Bevölkerung unterstreichen auch medizinische Fachvertreter. Laut DRK-Bundesarzt Böttiger könnten jährlich zusätzlich mindestens 10.000 Menschenleben gerettet werden, sofern die Laienreanimation in der Breite beherrscht würde.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Johanniter-Unfall-Hilfe verdeutlicht jedoch eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: Zwar halten 97 Prozent der Befragten Erste-Hilfe-Schulungen für relevant und 95 Prozent haben bereits mindestens einen Kurs absolviert, doch bei 24 Prozent liegt dieser Termin mehr als 20 Jahre zurück.

Lediglich 15 Prozent der Befragten gaben an, sich bei der Durchführung einer Herzdruckmassage sehr sicher zu fühlen, während 46 Prozent Unsicherheiten äußerten.

Medizinische Standards und kinderspezifische Notfallversorgung

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Die medizinischen Anforderungen an Ersthelfer sind in den Reanimationsleitlinien von 2025 präzisiert. Diese sehen bei einer Herzdruckmassage eine Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute und eine Drucktiefe von 5 bis 6 Zentimetern vor. Das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung ist auf 30 zu 2 festgelegt.

Besondere Anforderungen gelten bei Notfällen mit Kindern, wie etwa nach Stürzen, Verbrühungen oder Vergiftungen. Experten der ARAG weisen darauf hin, dass bei der Wiederbelebung von Kindern fünf initiale Beatmungen vor Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung empfohlen werden, gefolgt vom Standardverhältnis 30 zu 2. Bei Vergiftungen, von denen in Deutschland laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder jährlich rund 6.500 Kinder so schwer betroffen sind, dass sie stationär behandelt werden müssen, sollten keine Hausmittel angewendet, sondern unmittelbar Giftinformationszentren kontaktiert werden.

Die Bayerische Landesunfallkasse betont zudem die zeitliche Dringlichkeit: Bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenschance ohne Wiederbelebung pro Minute um etwa 10 Prozent. In Bayern tätige Ersthelfer stehen dabei unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, die Heilbehandlungen, Rehabilitation sowie Sachschäden abdeckt.

Regionale Initiativen und Bildungsprojekte

Verschiedene Projekte demonstrieren bereits die Umsetzung frühkindlicher Ausbildung. In Niedersachsen ist die Herz-Lungen-Wiederbelebung seit 2026 fester Bestandteil des Lehrplans in der Sekundarstufe I. In Schleswig-Holstein beteiligten sich am 10. September 2026 insgesamt 477 Schulen an einem Training für Krisenverhalten, wobei das DRK an knapp 40 Standorten Mitmachstationen anbot. Die dortige Landesregierung prüft derzeit die feste Verankerung solcher Inhalte in der 6. Jahrgangsstufe.

Ein langjähriges Beispiel für Brandschutzerziehung findet sich in Lemgo, wo die Freiwillige Feuerwehr bereits seit 1996 Konzepte für Grundschulen anbietet und seither über 10.000 Kinder geschult hat.

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Auch international werden ähnliche Ansätze verfolgt: Die Stadt Manaus bereitet für November 2026 das Programm „Samuzinho“ vor, in dessen Rahmen 580 Kinder der 4. und 5. Klassen in spezifischen Modulen zu Themen wie Herzstillstand und Schlaganfall ausgebildet werden sollen.

Das Jugendrotkreuz Winsen setzt zudem auf Formate wie Schulsanitätsdienste oder die „Teddyklinik“, um bereits Kinder ab 6 Jahren spielerisch an die Notfallversorgung heranzuführen.

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