Weniger Tote wegen Herzkrankheiten - aber Experten warnen
11.09.2025 - 12:00:42Die Zahl der Menschen in Deutschland, die aufgrund von Herzkrankheiten gestorben sind, ist leicht gesunken. Allerdings ist die Zahl derer, die deswegen ins Krankenhaus mĂŒssen, gestiegen. Das geht aus dem «Deutschen Herzbericht - Update 2025» hervor, den die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit medizinischen Fachgesellschaften vorgestellt hat. Es handelt sich um Daten aus dem Jahr 2023. Ein Ăberblick, warum diese Zahlen so wichtig sind:Â
Viele Betroffene:
Im Fokus des aktuellen Herzberichts steht die koronare Herzkrankheit (KHK). Rund 4,7 Millionen Menschen in Deutschland leben den Angaben zufolge mit dieser Diagnose - es ist eine Volkskrankheit. Bei ihnen sind die HerzkranzgefĂ€Ăe, die das Herz mit Blut versorgen, durch Ablagerungen geschĂ€digt. Darauf können unter anderem Herzinsuffizienz, plötzlicher Herztod oder ein Herzinfarkt folgen.Â
Mehr Behandlungen in KrankenhÀusern:
Insgesamt gab es wegen aller Herzerkrankungen im Meldejahr 1.635.903 Aufnahmen in Kliniken - gut 61.500 mehr als noch im Jahr 2022. Das ist ein «hohes Niveau», erlĂ€utert Prof. Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Der Anstieg geht laut Mitteilung vor allem auf die Ă€lter werdende Bevölkerung zurĂŒck.
Wegen der Volkskrankheit KHK inklusive Herzinfarkt wurden 538.675 Aufnahmen ins Krankenhaus verzeichnet. Allein 185.804 Herzinfarkte waren darunter.Â
Diese Entwicklung geht jedoch nicht allein auf die Alterung der Bevölkerung zurĂŒck: Den Angaben zufolge werden wegen KHK und Herzrhythmusstörungen schon ab dem Alter von 40 Jahren mehr Klinikaufenthalte erkennbar.Â
Weniger Tote:
Im Jahr 2023 starben insgesamt 211.152 Menschen an den Folgen einer der vielen Herzkrankheiten. Das ist weniger als im Vorjahr mit 216.944 Toten. Vergleicht man die sogenannte Sterberate, dann waren es 215,7 Gestorbene pro 100.000 Einwohner im Jahr 2023, ein Jahr davor waren es noch 224,2.Â
Allerdings muss auch 2023 noch von einem Pandemie-Effekt ausgegangen werden: «Eine Covid-Infektion stellt auch weiterhin eine relevante Todesursache fĂŒr Personen im höheren Alter dar, an der 2023 ĂŒber 24.000 Personen im Alter von 65 Jahren und Ă€lter starben», berichtet Schunkert. Die im Jahr 2023 - und zuvor in den Jahren 2020 bis 2022 - an Covid gestorbenen Menschen wĂ€ren ohne Pandemie womöglich im Jahr 2023 an einer anderen altersbedingten Erkrankung wie einer Herzkrankheit gestorben.
Die tödlichste Herzerkrankung war 2023 die schon erwĂ€hnte koronare Herzkrankheit mit 119.795 Toten. Davon starben 43.839 Menschen am akuten Herzinfarkt. Auch diese Zahlen sanken im Vergleich zu 2022. Die Sterblichkeitskurve von KHK flachte bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie tendenziell ab, heiĂt es. «Es könnte sich daher ein Plateau abzeichnen», so Kardiologe Schunkert.
Experten-Fazit:
«Dass die KHK- und Herzinfarktsterblichkeit im aktuell berichteten Jahr erneut merklich abnimmt, bestĂ€tigt einen erfreulichen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet», erlĂ€utert Schunkert. Das geht laut Mitteilung unter anderem auf Verbesserungen bei der Rehabilitation und Therapie zurĂŒck. Doch die Sterberate der KHK sei im europĂ€ischen Vergleich mit Frankreich oder DĂ€nemark «nach wie vor viel zu hoch», so Schunkert. Daher mĂŒssten in Deutschland die Ursachen der KHK stĂ€rker in den Fokus genommen werden.Â
Zu den laut Mitteilung hierzulande «enorm verbreiteten» Risikofaktoren fĂŒr Infarkte und HerzschwĂ€che zĂ€hlen: zu hohes LDL-Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen und Ăbergewicht. «Damit wir diese Risikofaktoren in den Griff bekommen, mĂŒssen wir gefĂ€hrdete Menschen frĂŒhzeitiger identifizieren und behandeln», forderte Schunkert.
Was lÀsst sich konkret tun?
Viele körperliche VerĂ€nderungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können schon in der FrĂŒhphase erkannt und behandelt werden, «bevor Symptome einen schwereren klinischen Verlauf ankĂŒndigen», erlĂ€uterte Schunkert. Es gehe nun darum, Menschen zu motivieren, die Ă€rztlichen Vorsorge-Möglichkeiten zu nutzen.Â
Das erfordere mehr Anstrengungen seitens der Politik fĂŒr PrĂ€ventionsprogramme - und mehr sogenannte Gesundheitskompetenz der Menschen selbst. Kardiologe Schunkert rĂ€t also, sich gut zu informieren, um aktiv die eigene Gesundheit zu fördern.







