Firmen reichen nicht alle Pestizid-Studien ein
01.06.2023 - 17:33:18Bei der Zulassung von Pestiziden haben Konzerne den europÀischen Behörden einer Studie zufolge Untersuchungsergebnisse vorenthalten. Das berichten zwei Forschende der UniversitÀt Stockholm im Fachblatt «Environmental Health». Dabei geht es um Studien dazu, ob Wirkstoffe das sich entwickelnde Nervensystem schÀdigen können (DNT; Developmental Neurotoxicity).
Axel Mie und Christina RudĂ©n war demnach zunĂ€chst aufgefallen, dass eine Studie von 2001 zu neurotoxischen Effekten des Wirkstoffs Glyphosat-Trimesium nie bei den EU-Zulassungsbehörden eingereicht worden war. Daraufhin glichen sie generell fĂŒr Pestizid-Wirkstoffe ab, welche DNT-Studien Hersteller bei der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) eingereicht hatten und welche bei europĂ€ischen Zulassungsbehörden.
Resultat: 9 von 35 bei der EPA eingereichten Studien wurden in der EU nicht vorgelegt - das entspricht 26 Prozent. Bei 7 davon, so heiĂt es weiter, hĂ€tten die Ergebnisse Einfluss auf den Zulassungsprozess haben können.
Zulassung so wahrscheinlicher?
Warum die Untersuchungen nicht eingereicht wurden, sei letztlich unklar. «Wir wissen nicht, was sich die Hersteller in diesen FĂ€llen gedacht haben, aber wir wissen, dass ein Pestizid, das bekanntermaĂen HirnschĂ€den verursachen kann, möglicherweise nicht auf dem EU-Markt erlaubt wird», wird Mie in einer Mitteilung seiner UniversitĂ€t zitiert.
Generell scheine es sich nicht um eine Ausnahme zu handeln, sondern um ein wiederkehrendes PhĂ€nomen - obwohl die Unternehmen verpflichtet seien, wichtige Daten vorzulegen. «Angenommen, eine Nicht-Offenlegung geht auf die Absicht zurĂŒck, das Einreichen von Daten zu vermeiden, die eine Zulassung unwahrscheinlicher machen wĂŒrden, dann ist vorstellbar, dass eine Studie, die auf eine bedeutende Gefahr hinweist, einem erhöhten Risiko der Nicht-Offenlegung unterliegen wĂŒrde», schreibt das Duo.
Dieses Risiko mĂŒsse zum Schutz der europĂ€ischen Verbraucher minimiert werden, heiĂt es weiter. Dazu gelte es zu gewĂ€hrleisten, dass sĂ€mtliche Studien in Laboren mit hohen Standards vorgenommen werden. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, sollten diese von den Behörden beauftragt werden, nicht von den Unternehmen. Und letztlich sollten die EU-Behörden prĂŒfen, ob ihnen tatsĂ€chlich alle verfĂŒgbaren Studien vorlĂ€gen.
Betroffene Unternehmen
«Wir haben zu jeder Zeit die nötigen Studien eingereicht, die nach den damaligen Regularien gefordert waren», schreibt der namentlich genannte Konzern Bayer auf Anfrage. «Da sich die Regulierungsprozesse ĂŒber die Jahre entwickeln, können heute bei Ă€hnlichen Wiederzulassungen Studien gefordert werden, die beispielsweise vor 15 Jahren noch nicht gefordert waren. Bei allen drei Wirkstoffen gilt: Die von Ihnen angesprochenen Studien hĂ€tten die Risikobewertung der Behörden nicht verĂ€ndert.»
Auch das genannte Chemieunternehmen Syngenta aus Basel weist die VorwĂŒrfe in einer Stellungnahme zurĂŒck. DNT-Studien seien nur fĂŒr AntrĂ€ge in den USA erstellt worden. In der EU wĂŒrden andere Studien verlangt. «Es gibt keine unvorgelegten DNT-Studien von Syngenta in der EU oder der Schweiz», heiĂt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. «Auf spĂ€tere Anfragen der EU wurden alle Studien von Syngenta vorgelegt.»


