Eschen in Deutschland sterben: Forscher suchen resistente Bäume
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 10:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSForschung setzt auf widerstandsfähige Eschen
- Der Pilz wurde um die Jahrtausendwende in Deutschland entdeckt und lässt Äste, Wurzeln und ganze Bäume absterben.
- Forscher vermehren weniger anfällige Eschen, deren Genpool allein für die Rettung der Baumart nicht ausreicht.
- Im Solling bleiben befallene Bäume wegen einer seltenen Flechte stehen und werden regelmäßig von toten Ästen befreit.
Eschen kämpfen in deutschen Wäldern ums Überleben
Ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz setzt den Eschen in Deutschland seit Jahren zu und lässt viele Bäume absterben. Forschende suchen deshalb nach weniger anfälligen Exemplaren, damit die Baumart trotz Klimawandel und neuer Schädlinge erhalten bleiben kann.
Der Pilz zerstört Triebe und Wurzeln
Das sogenannte Eschentriebsterben wird durch das Falsche Weiße Stängelbecherchen verursacht. Der Pilz befällt die Blätter, bildet nach dem Laubfall Sporen und infiziert die Bäume im Frühjahr erneut.
Bei der europäischen Esche wächst der Erreger von den Blättern auch in das Holz. Zunächst sterben einzelne Äste ab, später können Wurzeln und der gesamte Baum betroffen sein. Wie weit eine Infektion fortgeschritten ist, lässt sich von außen oft nur schwer erkennen.
Wenige resistente Bäume geben Hoffnung
In der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt werden Eschen untersucht, die weniger anfällig für den Pilz sind. Aus ihnen sollen neue Bäume gezüchtet werden, doch ihr Erbgut reicht allein vermutlich nicht für eine ausreichend breite Population aus.
Deshalb müssen die widerstandsfähigeren Exemplare mit anfälligeren Bäumen gekreuzt werden. Eine weitere Hoffnung liegt in der natürlichen Anpassung der Baumart. Dafür werden langlebige Eschen benötigt, die sich fortpflanzen können.
Alte Bäume bleiben im Solling stehen
Im südniedersächsischen Solling dürfen einige befallene Eschen weiter wachsen. Auf ihnen lebt eine seltene Flechte; zugleich dienen die Bäume der Forschung.
Abgestorbene Äste werden regelmäßig entfernt, um Menschen im Wald zu schützen. In anderen Regionen werden befallene Eschen dagegen mit Erntemaschinen gefällt, weil sie für Waldarbeiter und Besucher zu gefährlich werden können.
Asiatischer Käfer bedroht geschwächte Eschen
Zusätzlichen Druck könnte der Asiatische Eschenprachtkäfer erzeugen. Er wurde bereits in der Slowakei und in Ungarn festgestellt und könnte geschwächte Bäume besonders leicht befallen.
Die Esche gilt trotz ihrer Probleme als mögliche Baumart für wärmere Bedingungen. Sie wächst schnell und ist nach etwa 60 bis 70 Jahren erntereif. Mit einem Anteil von wenigen Prozent an der Waldfläche kann sie die Folgen des Klimawandels allerdings nicht allein auffangen.
Das Eschentriebsterben zählt zu den Folgen eingeschleppter Krankheitserreger, die den europäischen Wald zusätzlich zu Trockenheit, Hitze und Stürmen belasten. Der Falsche Weiße Stängelbecherchen-Pilz befällt Blätter und Triebe, kann aber auch in das Holz der europäischen Esche vordringen. Dadurch verliert die Baumart ihre Widerstandskraft und wird anfälliger für weitere Schäden.
Für Waldbesitzer entsteht ein Zielkonflikt: Abgestorbene Äste und instabile Bäume müssen aus Gründen der Sicherheit entfernt werden, zugleich sind alte, noch lebende Eschen für die Forschung besonders wertvoll. Weniger anfällige Exemplare könnten Ausgangspunkt für eine robustere Population sein. Ihr begrenzter Genpool macht jedoch Kreuzungen mit anderen Bäumen erforderlich.
Waldwirtschaft unter Anpassungsdruck
Die Esche wird dadurch zu einem Beispiel für die Frage, wie Wälder an den Klimawandel angepasst werden können. Eine einzelne Baumart kann die Risiken nicht auffangen; entscheidend ist ein vielfältiger Bestand mit Arten, die unterschiedliche Hitze-, Trockenheits- und Krankheitsrisiken verkraften. Zugleich zeigt die mögliche Ausbreitung des Asiatischen Eschenprachtkäfers, dass neue Schädlinge die Erholung geschwächter Bestände zusätzlich erschweren können.
Für die Bevölkerung hat das Thema vor allem an Waldwegen und in Erholungsgebieten eine unmittelbare Bedeutung. Kranke Eschen können Äste verlieren oder umstürzen, weshalb betroffene Bereiche kontrolliert und Bäume je nach Risiko gefällt werden müssen. Gelingt die Züchtung widerstandsfähiger Bäume und bleibt Raum für natürliche Vermehrung, könnte die Esche langfristig einen begrenzten, aber wichtigen Platz in gemischten Wäldern behalten.
