Essstörungen, Fälle

Essstörungen: 50 Prozent mehr Fälle bei Mädchen seit 2019

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 22:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein DAK-Bericht belegt 50 Prozent mehr Fälle bei Mädchen seit 2019. Ärzte warnen vor gefährlichen Trends wie Muskeldysmorphie und riskanten Abnehmmethoden.

Social Media treibt Essstörungen bei Jugendlichen in die Höhe
Ein Smartphone-Display zeigt eine verzerrte Spiegelung einer Person, die den psychologischen Druck durch soziale Medien symbolisiert. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die Verbreitung extremer Körperbilder auf Instagram, TikTok und Co. führt zu einem alarmierenden Anstieg von Essstörungen bei jungen Menschen. Krankenkassen und Mediziner schlagen Alarm.

Mädchen besonders betroffen: 50 Prozent mehr Fälle

Ein Bericht der DAK für 2024 zeigt die dramatische Entwicklung: Die Fälle von Essstörungen bei Mädchen stiegen im Vergleich zu 2019 um 50 Prozent. Dr. Jarczok von der KJF Klinik Josefinum warnt: Magersucht hat unter den psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeitsrate. Patientinnen berichten in der Klinik immer häufiger, dass Social-Media-Inhalte ihre Krankheit befeuerten.

Digitale Streetworker beobachten, wie Algorithmen das Streben nach extremer Schlankheit aktiv fördern. Besonders problematisch: Influencerinnen wie Eugenia Cooney, die zuletzt Ende 2025 öffentlich gesehen wurde, sorgen mit ihrem extrem niedrigen Körpergewicht für Besorgnis. Ihr aktueller Gesundheitsstatus bleibt unklar – das verstärkt die Verunsicherung in der Zielgruppe.

Muskeldysmorphie: Wenn Männer nie muskulös genug sind

Doch nicht nur Schlankheitswahn treibt Jugendliche um. Der Drang nach extremer Muskulatur birgt ebenfalls erhebliche Risiken. Die sogenannte Muskeldysmorphie oder der Adonis-Komplex betrifft vorwiegend Männer.

Psychotherapeut Christian Strobel beschreibt die Symptome: eine verzerrte Körperwahrnehmung, die mit Zwangstraining und obsessivem Denken einhergeht. Extremsportler wie Ultra-Läufer Arda Saatçi inspirieren zwar zu Höchstleistungen – doch Sportmediziner warnen vor den Gefahren fehlenden langfristigen Trainings. Die Risiken reichen von lokalen Überlastungen bis zu systemischen Zusammenbrüchen.

Gefährliche Trends: Von Glycerin-Einläufen bis zu Abnehmspritzen

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Die Zahl der Essstörungen bei Mädchen ist seit 2019 um 50 Prozent gestiegen – und Social Media befeuert den Trend. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Frühwarnzeichen erkennen, Ihr Kind vor gefährlichen Influencern schützen und sichere Alternativen zu riskanten Diäten finden. Jetzt Eltern-Leitfaden anfordern

Neben psychischen Störungen verbreiten sich riskante Methoden zur schnellen Gewichtsabnahme. Trends wie die Einnahme einer Mischung aus Glycerin-Einläufen und Tee führen laut medizinischen Berichten zu Notaufnahmen. Ärzte warnen vor schwerer Dehydrierung, Elektrolytstörungen und dauerhaften Darmschäden. Der vermeintliche Gewichtsverlust? Nur Wasser- und Stuhlverlust, kein Fettabbau.

Auch Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Jugendlichen werden kontrovers diskutiert. Eine Untersuchung von Experte Urs Eiholzer bei 22 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren zeigte zwar signifikante Gewichtsverluste durch Präparate wie Saxenda oder Wegovy. Doch die Abbruchquote war hoch: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden beendete die Behandlung vorzeitig, primär wegen Nebenwirkungen wie Übelkeit. Krankenkassen übernehmen die Kosten nur unter strengen Auflagen.

Akne-Wirkstoff wird zum Lifestyle-Produkt

Die Tendenz zur medikamentösen Selbstoptimierung zeigt sich auch in der Dermatologie. Der Wirkstoff Isotretinoin, eigentlich gegen schwere Akne, wird zunehmend in niedrigen Dosierungen für ein reineres Hautbild nachgefragt. Die Folge: Lieferengpässe in Deutschland, die voraussichtlich bis Herbst oder Winter 2026 anhalten.

Dermatologin Dr. Yael Adler mahnt zur Vorsicht. Das Medikament kann schwere Nebenwirkungen verursachen – von Leberschäden bis zu Fehlbildungen bei Ungeborenen.

Carbonara-Körper: Neue Begriffe, alte Probleme

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Die Debatte über Körperbilder wird zudem durch neue Begrifflichkeiten angeheizt. Autorin Rabea Weihser prägte den Begriff des Carbonara-Körpers – für Frauen, die durch Krafttraining sichtbare Stärke zeigen. Die Fitness-Community feiert das als Ermächtigung. Andere kritisieren die fortlaufende Etikettierung weiblicher Körper.

Die Diskussionen spiegeln den enormen gesellschaftlichen Druck wider, dem junge Menschen bei der Gestaltung ihrer physischen Identität ausgesetzt sind.

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