Act, Firmen

EU AI Act ab August: 56% der Firmen nicht vorbereitet

28.06.2026 - 03:14:13 | boerse-global.de

Deutschland investiert weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung in Software, der niedrigste OECD-Wert. Die Politik startet eine KI-Offensive und verabschiedet ein Infrastrukturgesetz.

Deutschlands Digitalrückstand: Milliardenlücke bei Software-Investitionen
Act - Leuchtende Leiterplatte mit Brandenburger-Tor-Silhouette, Symbol für Deutschlands digitale Zukunft und KI-Strategie. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das belegen aktuelle Daten von Deutscher Bank und Eurostat. Besonders alarmierend: Die Bundesrepublik investiert weniger als ein Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Software – der niedrigste Wert aller OECD-Staaten. Zum Vergleich: Schweden gibt rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Softwareentwicklung aus.

Milliardenlücke bei Software-Investitionen

Robin Winkler, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, schlug am Freitag Alarm. Ohne eine grundlegende Neuausrichtung der Kapitalströme drohe Deutschland den technologischen Anschluss zu verlieren. Die Politik reagiert nun mit einer KI-Offensive. Geplant ist unter anderem der Aufbau einer nationalen Recheninfrastruktur mit 100.000 Grafikprozessoren (GPUs). Die Regierung setzt dabei auf Künstliche Intelligenz als Produktivitätswerkzeug – nicht als Jobkiller. Angesichts des grassierenden Fachkräftemangels soll KI helfen, Lücken zu schließen.

EU-AI-Gesetz: Unternehmen unter Zeitdruck

Ab dem 2. August 2026 wird es ernst für deutsche Firmen. Dann tritt Artikel 4 des EU AI Acts in Kraft, der eine bestimmte KI-Kompetenz bei den Beschäftigten vorschreibt. Verstöße können teuer werden. Eine aktuelle TÜV-Studie zeigt: 56 Prozent der deutschen Unternehmen sehen großen Nachholbedarf bei digitalen Fähigkeiten. Bei Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sind es sogar 74 Prozent.

Bereits seit August 2025 müssen Anbieter allgemeiner KI-Modelle ihre Trainingsdaten offenlegen. Ab dem 2. August 2026 kommen strengere Dokumentations- und Transparenzpflichten für Hochrisiko-KI-Anwendungen hinzu. Die Zeit wird knapp – viele Unternehmen sind noch nicht vorbereitet.

Infrastrukturgesetz: Turbo für Digitalisierung

Der Bundestag verabschiedete am Freitag das Infrastrukturzukunftsgesetz. Es soll Verkehrs- und Digitalnetze modernisieren und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Bahn-, Wasserstraßen- und Autobahnprojekte werden künftig als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft – das verkürzt Planungs- und Klageverfahren erheblich.

Schleswig-Holstein zeigt, wie es geht

Anzeige

Ab August 2026 drohen hohe Bußgelder bei Verstoß gegen den EU AI Act. 56% der Firmen sind nicht vorbereitet. Mit unserer Checkliste erfüllen Sie Artikel 4 und dokumentieren Ihre KI-Kompetenz. Kostenlose Compliance-Checkliste anfordern

Während der Bund plant, handelt das Land. Schleswig-Holstein hat 30.000 Arbeitsplätze der öffentlichen Verwaltung auf Open-Source-Software umgestellt. Linux und LibreOffice ersetzen proprietäre Systeme. 44.000 Mailboxen wurden migriert. Zusätzlich kommt der KI-Assistent LLMoin zum Einsatz – entwickelt auf europäischer Infrastruktur. Ein klares Bekenntnis zur digitalen Souveränität.

Digitale Identität: EU-Wallet kommt 2027

Bis Ende 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten eine digitale Identitätsbrieftasche (EUDI-Wallet) bereitstellen. Deutschland plant den öffentlichen Start für Anfang 2027. Bürger können dann Daten gezielt freigeben – etwa zur Altersverifikation. Ein wichtiger Schritt für mehr Datensouveränität.

Europas Digitale Dekade: Ziel noch weit entfernt

Die ehrgeizigen Ziele für 2030 rücken in weite Ferne. Eurostat-Daten von 2025 zeigen: Nur 60 Prozent der EU-Bürger verfügen über grundlegende digitale Fähigkeiten – 20 Prozentpunkte unter dem Zielwert. Auf dem europäischen Arbeitsmarkt arbeiten derzeit 10,4 Millionen ICT-Spezialisten. Bis 2030 sollen es 20 Millionen sein. Die Lücke ist gewaltig.

Pax Silica: Sicherheit oder Abhängigkeit?

Am Freitag unterzeichnete die EU die Pax-Silica-Deklaration, eine US-geführte Initiative zur Stabilisierung der Halbleiter- und KI-Infrastruktur. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schritt für mehr Versorgungssicherheit. Kritiker warnen vor wachsender Abhängigkeit von externen Partnern – auf Kosten der europäischen digitalen Souveränität.

Anzeige

Sind Ihre Mitarbeiter fit für den EU AI Act? Die Checkliste zeigt, wie Sie die geforderte KI-Kompetenz nachweisen – inklusive Schulungsplan und Audit-Vorlage. Checkliste per E-Mail sichern

InvestAI: Milliarden für die Zukunft

Das europäische InvestAI-Programm soll 200 Milliarden Euro mobilisieren. Allerdings sind bisher nur 50 Milliarden an öffentlichen Mitteln zugesagt. Die private Beteiligung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Ein gemeinsamer Antrag Portugals und Spaniens für eine KI-Gigafactory liegt in Brüssel zur Entscheidung. Portugal hat 200 Millionen Euro über sieben Jahre zugesagt, Spanien rund 719 Millionen Euro. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet.

de | wissenschaft | 69643130 |